uns erreichten . Das waren Athabaska und Algongka . Sie saßen wunderbar zu Pferde . Nachdem sie in indianisch höflichster Weise gegrüßt hatten , sagte Athabaska : » Wir wollten nach dem Berge , um Old Shatterhand , den Gast der roten Männer , zu begrüßen . Wir hatten ihn lieb , noch ehe wir ihn sahen . Wir achteten ihn sehr hoch , als wir ihn dann kennen lernten , ohne seinen Namen zu wissen . Und nun er hier eingetroffen ist , und sich genannt hat , dürfen wir nicht warten , bis er zu unsern Zelten kommt , sondern wir reiten zu ihm , weil er der Höhere ist . « » Kann es unter Brüdern einen geben , der höher steht als die andern ? « fragte ich . » Wir gehören einem einzigen Vater , und der heißt Manitou . Wir stehen einander gleich . Ich besuche meine Brüder . Ich bitte , an ihren Zelten die Pfeife des Willkommens mit ihnen rauchen zu dürfen ! « Diese Höflichkeit erfreute sie . Algongka antwortete : » Wir sind stolz auf diesen Wunsch unsers weißen Bruders . Er komme mit uns . Er wird Freunde sehen . Bekannte aus früherer Zeit , die hier angekommen sind . Als sie hörten , daß er schon anwesend sei , baten sie uns , mit nach dem Berg reiten zu dürfen , um sich an seinem Angesicht zu erfreuen . Dort warten sie . « Er zeigte auf die Gruppe , welche halten geblieben war . Wir ritten hin . Wer waren sie ? Wen erkannte ich sofort , trotz der langen Zeit , die zwischen dem damals und der jetzigen Stunde lag ? Es waren Wagare-Tey , der Häuptling der Schoschonen , Schahko Matto , der Häuptling der Osagen , und mehrere ihrer Unterhäuptlinge . Wie groß unsere Freude war , uns wiederzusehen ! Auch Avaht Niah war da , der » Hundertundzwanzigjährige ! « Sollte man das für möglich halten ? Ganz selbstverständlich hatte er jetzt nicht mit nach dem Berge reiten können . Er war vor seinem Zelte sitzen geblieben und ich bat , ihn zuerst aufsuchen und begrüßen zu dürfen . Man hatte Wagare-Tey und Schahko Matto veranlassen wollen , ihre Zelte in der Unterstadt aufzuschlagen ; sie aber waren so klug gewesen , sich nach den Verhältnissen zu erkundigen , und was sie da hörten , hatte sie veranlaßt , nach der Oberstadt zu reiten , um sich Athabaska und Algongka beizugesellen . Wir ritten zunächst nach dem Zelte Wagare-Teys , der mit seinem alten Vater beisammen wohnte , hatten uns aber kaum hierzu in Bewegung gesetzt , so kamen uns zwei Kanean-Komantschen entgegen , die auch hinauf nach dem Schlosse wollten , aber , als sie uns sahen , halten blieben und sich an mich wendeten . Sie waren von Young Surehand und Young Apanatschka geschickt , um mich zu diesen beiden jungen Künstlern einzuladen , die bei unserer Ankunft abwesend gewesen waren . Sie hatten , als sie dann kamen , gehört , daß ich eingetroffen sei , und forderten mich nun durch diese ihre Boten auf , zu ihnen zu kommen , weil sie beabsichtigten , mir gleich noch heut ihr Kunstwerk , die Statue Winnetous , zu zeigen . Schon öffnete ich den Mund , um Antwort zu geben , da forderte Athabaska mich durch eine Handbewegung auf , still zu sein , und nahm die Sache selbst in die Hand , indem er zu den beiden Komantschen sagte : » Ihr seht hier Athabaska und Algongka , die Häuptlinge der fernsten , nördlichen Völker , ferner Schahko Matto , den Häuptling der Osagen , und Wagare-Tey , den Häuptling der Schoschonen . Kehrt sofort zu Young Surehand und Young Apanatschka zurück , und sagt ihnen , daß wir sogleich mit ihnen zu sprechen haben , sogleich ! Sie sollen augenblicklich kommen . Es handelt sich um etwas sehr Wichtiges ! « Er sprach in einem derartigen Tone , daß die beiden Boten kein Wort zu entgegnen wagten und sich schleunigst davonmachten . Dann setzten wir unsern Weg nach den Zelten fort . Die , welche Athabaska , Algongka , Wagare-Tey und Schahko Matto gehörten , standen nahe beisammen . Wir sahen , noch ehe wir sie erreichten , den Hundertundzwanzigjährigen sitzen . Sein weißes , nach hinten gebundenes Haar hing ihm lang über dem Rücken herab . Er war kein Skelett wie Kiktahan Schonka . Er konnte sich noch ziemlich leicht bewegen . Sein Auge war klar und der Ton seiner Stimme so frisch und bestimmt , wie bei einem Fünfzig- oder Sechzigjährigen . Er stand , als er uns kommen sah , ohne fremde Hilfe von der Erde auf und erfuhr von Wagare-Tey , seinem Sohne , daß der Trupp so schnell zurückkehre , weil man mich ganz unerwartet getroffen habe , mich und meine Squaw . Sein Gesicht war voll unzähliger , kleiner Fältchen , die es aber nicht im geringsten verunzierten . Es hatte keinen einzigen Flecken , keinen einzigen Zug , keine einzige häßliche Stelle , durch welche seine Reinheit , was im Alter doch häufig vorzukommen pflegt , beeinträchtigt worden wäre . Er war ein schöner , ein wirklich schöner Greis ! Als er mich sah , erkannte er mich sofort . Seine alten , guten Augen strahlten vor Freude . Er kam auf mich zu , legte beide Arme um mich , zog mich an sich und rief aus : » O Manitou , o Manitou , du Großer und du Gütiger ! Wie danke ich dir für dieses Glück , für diese Freude ! Wie sehnte ich mich , den besten , den aufrichtigsten Freund aller roten Völker noch einmal zu sehen , bevor ich das unbekannte Wasser des Todes mit kühn schwimmendem Arm zerteile ! Meine Sehnsucht ist erfüllt . Ich erfuhr , daß er kommen werde . Da beschloß ich , auch zu kommen . Das Alter streckte den dürren