es auch ! Nehmen wir an , die Yin sei unser Märchenschiff , auf welchem wir nach einem Zauberlande steuern ! « » Well ! Ein ganzes Schiff voller Rätsel , als deren schwierigstes ich mir jetzt selbst vorkomme . Habe mich noch nie als Taucherrüstung gefühlt , bin aber sehr wahrscheinlich doch auch eine ! Komme mir schon ganz ledern vor , mit Bleigewichten an den Füßen , und auf dem Kopfe einen schweren Helm mit festgekitteten , dicken Augengläsern . Habe solche unförmliche Wesen an der Themse gesehen . Sie stiegen in das Wasser , um ein festgefahrenes Schiff wieder flott zu machen . Brrrr ! Nehmt es mir nicht übel , daß mich dieses Bild in meine Kabine treibt ! Ich muß fort ! Ich fürchte mich ! « Er ging . Tsi sah ihm nach und sagte : » Unser prächtiger Governor ahnt gar nicht , wie fleißig sein Taucher in der letzten Zeit gearbeitet hat . Welche Perlen haben wir schon gesehen ! Wo lagen sie verborgen ? Etwa in der See ? Fragen Sie die Anima , mit welcher der Taucher verkehrt ! « Hierauf entfernte auch er sich , um seinen Kranken aufzusuchen . Nun war ich mit John allein . Er sagte eine ganze Weile nichts . Dann stand er vom Sessel auf und fragte : » Gehen Sie mit auf die Brücke ? Ich komme mir hier unten so klein , so winzig , so nichtig vor . Ich muß hinauf , um wieder zu fühlen , daß ich Etwas bin ! Da oben weiß ich , daß ich regiere , daß mir die Jacht zu gehorchen hat , daß das Wohl aller Derer von mir abhängt , die sich auf ihr befinden . Das Bild von der Taucherrüstung kam mir erst beinahe lächerlich vor ; Tausende würden auch weiterfort darüber lachen ; mir aber ist recht bald sehr ernst dabei geworden ! Ich werde es nicht wieder los . Ich sehe die dickköpfige Gestalt vor mir , die es wagt , in ein fremdes Element einzudringen , obgleich der geringste Fehler an der Oberleitung mit dem sichern Tod verbunden ist . Schwerfällig , unbehilflich , ungeschlacht ! Immer nur humpelnd und stolpernd , tapsend und tastend ! Watend und suchend im Schlamm der Tiefe , nach was ? Ich sage Ihnen : das Bild ist richtig , sehr richtig ! Genau so hängen wir von oben ab , und genau so watscheln wir nur unten ! Mit solchen täppischen Fäusten greifen wir nach dem zartesten Korallengebilde des Geistes . Und mit solchen Hacken und Harken kratzen , scharren und hauen wir in den köstlichsten Perlen herum , die sich auf dem heiligen Grunde des Seelenlebens bilden ! Ich mag dieses Gleichnis gar nicht weiter belegen . Wenn ich daran denke , wie leichtsinnig oder gar frivol man sich an dem dünnen Schlauche bewegt , der Luft und Leben geben und auch sofort versagen kann , so wird mir himmelangst . Ich muß auf meine Kommandobrücke , muß meinen Horizont vergrößern , sonst bleibt mir das Gefühl , daß ich an jedem Augenblicke ersticken kann ! « Wir stiegen also hinauf . Es war Niemand oben , weil wir uns bei festem Kurs auf ringsum offener See befanden . Die immerwährende Anwesenheit des Kommandanten hier oben war also nicht nötig . Höchstens konnte ein uns begegnender Dampfer oder Segler für kurze Zeit eine andere Steuerlage nötig machen ; das war aber auch vom Deck aus rechtzeitig zu erkennen . Hier oben umwehte uns nun der frische , kräftige Hauch des chinesischen Meeres , den unten der hohe Bau des Vorderdeckes von uns abgehalten hatte . Er kam von Ost bei Nord , blies uns aber nicht mehr als höchstens einen Knoten auf die Stunde von unserer Schnelligkeit weg . Die See lag glatt , fast ohne bemerkbares Bewegen . Sie war von einem ganz eigenartigen Farbenton , den ich noch nie gesehen hatte . Ein sehr helles Braun , wie klares Wasser mit einer Spur von Kaffee , und da , wo es sich kräuselte , liefen goldig funkelnde Ringe durcheinander . Unser Sog aber , die von der Schiffsschraube erzeugte Wellenlinie , flammte förmlich auf von diesem Golde , während vorn am Bug , nach steuer- und backbordwärts zwei konstante Wogen gingen , die ausgebreiteten Flügeln glichen , und geheimnisvoll , aber deutlich so brillierten , als ob sie über eine Unterlage von lauter geschliffenen Diamanten glitten . Wir standen Beide stumm , in den Anblick dieser Pracht und Herrlichkeit versunken . Wer ist der , der es so leicht und mit so einfachen Mitteln vermag , jedem Tropfen des Meeres diesen Glanz zu verleihen , den wir nur hier oder da einmal dem edelsten der Steine geben können , und zwar auch nur durch jahrelange Mühe und Arbeit und um den Preis von Millionen ? Wir hatten vorhin die » Yin « unser Märchenschiff genannt , und Raffley war der Meinung gewesen , es sei anzunehmen , daß uns eine gütige Fee in diesem kleinen , lieben , auf der See schwimmenden Zauberreiche zusammengeführt habe . Es gibt Wahrheiten , welche sich später als Märchen herausstellen , und Märchen , in denen die heiligsten , die untrüglichsten Wahrheiten verborgen liegen . Wohlan , möge unsere » Yin « so ein köstliches Märchen sein , welches für uns und tausend , tausend Andern zur Wahrheit , zur herrlichen , beglückenden Wirklichkeit zu werden hat ! Wer aber das will , der darf nicht unten bleiben , der muß herauf an das Licht und an die Luft , der darf sein Schiff nicht treiben lassen , wie es Anderen beliebt , sondern muß den Mut besitzen , sich auf die Kommandobrücke zu stellen und laut und furchtlos zu bestimmen , wohin die Fahrt zu gehen hat . Das Lob , welches Raffley seiner Jacht erteilt hatte , bewährte sich : Sie lag selbst bei bewegter See auf glatter , sicherer Linie