ein anderes prallte , welches in derselben guten , aber für den Reiter höchst ärgerlichen Absicht stehengeblieben war . Weiter vorn sahen wir zwei Heuladungen im größten Eifer und eng neben einander herrennen , bis der Weg zwischen Berg und See zu eng wurde und sie beide miteinander stecken blieben . Der allerschnellste dieser Renner war den andern weit vorausgekommen und schien nun der guten Ueberzeugung zu sein , seinen Zweck erreicht zu haben . Er hatte sich also gemütlich auf die Mutter Erde niedergelassen und ließ Alles , was aus dem Munde seines Besitzers kam , in größter Seelenruhe über sich ergehen ohne weiter ein Glied zu rühren . Das gab selbstverständlich Veranlassung zur größten Heiterkeit . Die liebe Jugend machte natürlich mit , was aber keinesweges dazu beitrug , die zwei Dutzend Kamelbeine von dem Werte der kostbaren Zeit zu überzeugen . Dschafar segelte mit dem Chodj-y-Dschuna nebenher , um das Schauspiel aus sichrer Entfernung zu genießen , bis sich alle Kamele niedergelegt hatten und keines weiter fortzubringen war . Da kam er nach dem Duar zurück und versicherte uns , noch nie im Leben so gelacht zu haben wie heut . Nachdem er diesen Ausgang des Kampfes gesehen habe , verspreche er sich von dem Rennen nun überhaupt sehr große Dinge und sei erfreut , grad am » Feste der fünfzig Jahre « zu den Dschamikun gekommen zu sein ! Der Chodj-y-Dschuna teilte mir mit , daß man mich als Rekonvaleszenten bisher nicht habe belästigen wollen . Nun aber bitte er mit dem Pedehr um die Erlaubnis , mich über Alles , was sich auf das Fest beziehen sollte , unterrichten und fragen zu dürfen . Wir gingen infolgedessen nach seiner Wohnung und hielten das ab , was man in Deutschland , wo es bekanntlich keine Fremdwörter gibt , als eine Komiteesitzung bezeichnen würde . Es gab keinen einzigen Punkt , dem ich nicht zustimmen konnte , was den braven Chodj-y-Dschuna so erfreute , daß er den Mut bekam , uns zum Essen einzuladen . Das war um die Mittagszeit , und so nahmen wir es an . Ich ging aber vorher hinauf , um Syrr zu füttern und beauftragte Kara , mir dann meinen Assil und das Pferd des Mirza herabzubringen , weil ich einen etwas weiteren Spazierritt versuchen wolle , an dem auch er teilnehmen möge . Wir dehnten diesen Spazierritt auf über zwei Stunden aus , ohne daß ich mich , als ich heimkehrte , von ihm ermüdet fühlte . Ich glaubte also , mir für heut Abend auch noch eine weitere Anstrengung zumuten zu können , und sagte Kara also , daß wir gegen Mitternacht den Aschyk aufsuchen würden ; er solle sich also bereithalten und alles dazu Nötige besorgen . Bis zu dieser Zeit geschah nichts , was einer besondern Erwähnung bedarf . Ich brachte die Zeit nach dem Abendessen absichtlich bei Dschafar zu , weil ich da gehen konnte , wenn es mir beliebte . Wäre aber er bei mir gewesen , so hätte ich warten müssen , bis er sich entfernte . Kara stand bereit . Der Weg durch das große Eingangstor wäre kürzer gewesen ; aber ich hatte Gründe , den Umweg über die Ruinen zu wählen . Ich wollte ihn mir in allen seinen Einzelnheiten so einprägen , daß ich ihn später des Nachts nicht nur gehen sondern auch sicher reiten konnte . Ich hatte nämlich die Absicht , Syrr heimlich einzuüben , und das war nur dann möglich , wenn alle Leute schliefen . Wir gingen also im Mondscheine über das Gemäuer und dann den Steinbruchweg hinunter nach der Landestelle . Das Boot war da . Wir kamen in den Kanal und aus diesem in das vordere Bassin , ganz so wie die vorigen Male . Ich hatte erwartet , daß unser Gefangener vor Freude laut aufschreien werde . Es blieb aber still , obgleich wir so laut ruderten , daß die Schläge wie Meeresrauschen von den Säulen wiederhallten . » Er ist tot ! « sagte Kara . » Herabgefallen und ertrunken ! « » Möglich . Wir werden ja sehen . « Wir kamen schnell näher . Er mußte trotz der tiefen Finsternis nun auch unser Licht sehen . Und doch hörten wir nichts von ihm ! Nun sahen wir die Säule und den Stein . War der Aschyk noch da ? Ja . Er saß oben . Still . Hüben das Gerippe und drüben er . Wir hatten absichtlich nicht eine , sondern zwei Fackeln brennen . Es war also so hell , daß wir sein Gesicht , seine Züge deutlich erkennen konnten . Er lehnte mit dem Rücken an der Säule . Seine Augen waren geschlossen . Als das Boot stand und wir die Ruder einzogen , sagte er in mir ganz unbegreiflich ruhigem Tone : » Ihr kommt wieder . Ich wußte es ! Ahnst du , was ich da tat ? Nein ! - - - Ich habe gebetet ! « Wie kam es doch , daß dieses Wort , dieses letztere , mich innerlich so packte , als ob in mir Etwas hierauf vorbereitet gewesen sei ! War es infolge des Traumes , an den ich sogleich dachte ? Mußte sich hier , in dieser tiefen , dunkeln Verlassenheit , denn Alles , Alles , selbst die ärgste Verkalkung und Verhärtung , schließlich doch und doch noch zum Gebet verwandeln ? Nicht nur im Traume , sondern auch in der Wirklichkeit ? Er wartete ein Wenig , und als ich nichts antwortete , fuhr er fort : » Effendi , ich will beichten - beichten - - beichten ! Ich will nicht nur , sondern ich muß - ich muß - - ich muß ! « » Doch wieder wohl nur Lügen ! « sagte ich . » Lügen ? Hier ? Effendi , hier hat jede Lüge entweder zum Wahnsinn zu werden oder sich in Wahrheit zu verwandeln . Außer diesen beiden giebt es kein Drittes . Nun prüfe