, zeigte er mir triumphierend , daß die technischen Mittel und die Naturwahrheiten im einzelnen der anspruchsvollen und gesuchten Komposition wegen keine Wirkung tun , zu keiner Gesamtwahrheit werden könnten und um meine hervorstechende Zeichnung hingen wie bunte Flitter um ein Gerippe , ja daß sogar im einzelnen keine frische Wahrheit möglich sei , auch bei dem besten Willen nicht , weil vor der überwiegenden Erfindung , vor dem anmaßenden Spiritualismus ( wie er sich ausdrückte ) die Naturfrische sich sozusagen aus der Pinselspitze in den Pinselstiel spröde zurückziehe . » Es gibt allerdings « , sagte Römer , » eine Richtung , deren Hauptgewicht auf der Erfindung , auf Kosten der unmittelbaren Wahrheit , beruht . Solche Bilder sehen aber eher wie geschriebene Gedichte als wie wirkliche Bilder aus , wie es ja auch Gedichte gibt , welche mehr den Eindruck einer Malerei machen möchten als eines geistig tönenden Wortes . Wenn Sie in Rom wären und die Arbeiten des alten Koch oder Reinharts sähen , so würden Sie , Ihrer deutlichen Neigung nach , sich entzückt den alten Käuzen anschließen ; es ist aber gut , daß Sie nicht dort sind , denn dies ist eine gefährliche Sache für einen jungen Künstler . Es gehört dazu eine durchaus gediegene , fast wissenschaftliche Bildung , eine strenge , sichere und feine Zeichnung , welche noch mehr auf dem Studium der menschlichen Gestalt als auf demjenigen der Bäume und Sträucher beruht , mit einem Wort ein großer Stil , welcher nur in dem Werte einer ganzen reichen Erfahrung bestehen kann , um den Glanz gemeiner Naturwahrheit vergessen zu lassen ; und mit allem diesem ist man erst zu einer ewigen Sonderlingsstellung und Armut verdammt , und das mit Recht , denn die ganze Art ist unberechtigt und töricht ! « Ich fügte mich diesen Reden aber nicht , weil ich ihm schon abgemerkt hatte , daß das Erfinden nicht seine Stärke war ; denn schon mehr als einmal hatte er , meine Anordnungen korrigierend , Lieblingsstellen in Bergzügen oder Waldgründen , die ich recht bedeutsam glaubte , gar nicht einmal gesehen , indem er sie mit dem markigen Bleistifte schonungslos überschraffierte und zu einem kräftigen , aber nichtssagenden Grunde ausglich . Wenn sie auch störten , so hätte er meiner Meinung nach wenigstens sie bemerken , mich verstehen und etwas darüber sagen müssen . Ich wagte daher zu widersprechen , schob die Schuld auf die Wasserfarben , in welchen keine Kraft und Freiheit möglich sei , und sprach meine Sehnsucht aus nach guter Leinwand und Ölfarben , wo alles schon von selbst eine respektable Gestalt und Haltung gewinnen würde . Hiemit griff ich aber meinen Lehrer in seiner Existenz an , indem er glaubte und behauptete , daß die ganze und volle Künstlerschaft sich hinlänglich und vorzüglich nur durch etwas weißes Papier und einige englische Farbentäfelchen betätigen und zeigen könne . Er hatte seine Bahn abgeschlossen und gedachte nichts anderes mehr zu leisten , als er schon tat ; daher beleidigte ihn , wie ich nun zu erkennen gab , daß ich das durch ihn Gelernte nur als eine Staffel betrachte und bereits mich darüber hinweg zu etwas Höherem berufen fühle . Er wurde um so empfindlicher , als ich einen lebhaften und wiederholten Streit über diesen Gegenstand hartnäckig aushielt , von meinen Hoffnungen nicht abließ und seine Aussprüche , wenn sie ins Allgemeine gingen , nicht mehr unbedingt annahm , vielmehr ungescheut bestritt . Hieran war hauptsächlich der Umstand schuld , daß seine sonstigen Gespräche und Mitteilungen immer sonderbarer und auffallender geworden und meine Achtung vor seiner Urteilskraft geschwächt hatten . Manches fiel zusammen mit den dunklen Gerüchten , die über ihn ergingen , so daß ich eine Zeitlang in der peinlichsten Spannung mich befand , aus einem geehrten und zuverlässigen Lehrer die seltsamste und rätselhafteste Gestalt sich herausschälen zu sehen . Schon seit einiger Zeit wurden seine Äußerungen über Menschen und Verhältnisse immer härter und zugleich bestimmter , indem sie sich ausschließlicher auf politische Dinge bezogen . Er ging alle Abende in einen Lesezirkel unserer Stadt , las dort die französischen und englischen Blätter und pflegte sich vieles zu notieren , so wie er auch in seiner Wohnung allerlei geheimnisvolle Papierschnitzel handhabte und sich oft über wichtigem Schreiben betreffen ließ . Vorzüglich machte er sich mit dem Journal des Débats zu schaffen . Unsere Regierung nannte er einen Trupp ungeschickter Krähwinkler , den Großen Rat aber ein verächtliches Gesindel und unsere heimischen Zustände im ganzen dummes Zeug . Darüber ward ich stutzig und hielt mit meinen Zustimmungen zurück oder verteidigte unsere Verhältnisse und hielt ihn für einen malkontenten Menschen , welchen der lange Aufenthalt in fremden großen Städten mit Verachtung der engen Heimat angefüllt habe . Er sprach oft von Louis Philippe und tadelte dessen Maßregeln und Schritte wie einer , der eine geheime Vorschrift nicht pünktlich befolgt sieht . Einst kam er ganz unwirsch nach Hause und beklagte sich über eine Rede , welche der Minister Thiers gehalten . » Mit diesem vertrackten kleinen Burschen ist nichts anzufangen ! « rief er , indem er ein Zeitungsexzerpt zerknitterte , » ich hätte ihm diese eigenmächtige Naseweisheit gar nicht angesehen ! Ich glaubte in ihm den gelehrigsten meiner Schüler zu haben . « - » Zeichnet denn der Herr Thiers auch Landschaften ? « fragte ich , und Römer erwiderte , indem er sich bedeutungsvoll die Hände rieb : » Das eben nicht ! lassen wir das ! « Doch bald darauf deutete er mir an , daß alle Fäden der europäischen Politik in seiner Hand zusammenliefen und daß ein Tag , eine Stunde des Nachlasses in seiner angestrengten Geistesarbeit , die seinen Körper aufzureiben drohe , sich alsobald durch eine allgemeine Verwirrung der öffentlichen Angelegenheiten bemerklich mache , daß eine konfuse und ängstliche Nummer des Journal des Débats jedesmal bedeute , daß er unpäßlich oder abgespannt und sein Rat ausgeblieben sei . Ich sah meinen Lehrer ernsthaft an ; er machte ein unbefangenes und ernsthaftes Gesicht ,