Tubal ? Unseres Freundes Bummcke , der , wie ich wahrzunehmen glaube , wegen indiskreter Enthüllung seines Lebensalters mit mir zürnt , werd ich mich persönlich zu bemächtigen wissen . Es darf niemand fehlen , denn nach wie vor beflissen , dem ermattenden Springquell der Kastalia einen neuen Sprudel zu geben , hab ich abermals für frische Kräfte Sorge getragen . Ich sage Kräfte ; beachten Sie den Plural . Es sind eben ihrer zwei , mit denen ich komme , zwei verwundete Kameraden . Weiteres morgen , wenn ich die Ehre haben werde , Ihnen die beiden Herren vorzustellen . Heute nur noch das . Es waren ihrerzeit Poeten , wie wir deren wohl oder übel jetzt so viele unter unseren jungen Lieutenants haben ; aber die Kampagnen , die spanische und die russische - denn in der Tat , beide Herren treffen hier von Nord und Süd her in unserer guten Stadt Berlin zusammen - , haben ihnen nach der Seite der Dichtung hin nichts abgeworfen . Smolensk und Borodino lagen nicht günstig für die Lyrik . Was sie mitgebracht haben , sind Wunden und Tagebuchblätter . Aber auch das muß willkommen sein . « » Und ist es « , bestätigte Lewin , der sich jetzt erhob , um in den Tanzsaal zurückzukehren . Dies gab das Zeichen für alle ; selbst Bummcke , der eben gehörten Ermahnungen uneingedenk , schob das erst halb geleerte Glas beiseite und folgte . Sie hätten den Moment nicht glücklicher wählen können ; die vier Mazurkapaare , Bninski und Kathinka , dazu die schlesischen Grafen Matuschka , Seherr-Thoß und Zierotin mit ihren jungen und schönen Frauen waren eben zum Tanze angetreten , Herren und Damen in einem Kostüm , das , ohne streng national zu sein , das polnische Element wenigstens in quadratischen Mützen und kurzen Pelzröcken andeutete . Es waren jene vier Paare , deren Tubal in seinem Billet erwähnt und die schon auf der Wylichschen Soiree geglänzt hatten . Und nun begann der Tanz , der , damals in den Gesellschaften unserer Hauptstadt Mode werdend , dennoch , wenn Polen oder Schlesier von jenseit der Oder zugegen waren , in begründeter Furcht vor ihrer Überlegenheit immer nur von diesen getanzt zu werden pflegte . Alles hatte sich des graziösen Schauspiels halber herzugedrängt , so daß es schwerhielt , in Nähe der Tür noch einen Platz zu gewinnen . Bummcke , dessen Embonpoint die Schwierigkeiten verdoppelte , gab es auf , sich neben dem riesengroßen Major von Haacke und der Doppel-Konsistorialratsfigur des Oberhofpredigers Sack siegreich zu behaupten , und kehrte in das Sanktuarium zurück , wo er zu seiner nicht geringen Überraschung Jürgaß und Baron Geertz in den zwei Diwanecken bereits wieder vorfand . » Tres faciunt collegium . Ich verzeichne diesen Tag als den Tag Ihrer Bekehrung « , empfing ihn Jürgaß . » Besser spät als nie . Neben dem Tanzen ist das Tanzensehen das Schlimmste , schon um der Verführung willen , die notorisch in allem conspectus liegt . « Ein Livreediener , augenscheinlich für diesen Abend nur eingekleidet , ging vorüber . » Alle Teufel , Grützmacher , wo kommen Sie hierher ? Aber das trifft sich gut ; ein Cliquot , gute Seele . « Dann zu Baron Geertz sich wendend , den die Vertraulichkeit überrascht haben mochte , sagte er : » Unser ehemaliger Regimentsfriseur von Göckingk-Husaren . « Der Diener kam zurück und setzte zwinkernd eine Flasche mit blankem Kork auf den Tisch . Lewin hatte sich mittlerweile bis in die vorderste Reihe der Zuschauer geschoben und überblickte wieder den Saal wie eine halbe Stunde vorher . Von den vier Paaren , die sich in zierlicher Bewegung drehten , sah er nur eins , und während er hingerissen war von der Schönheit der Erscheinung , beschlich ihn doch zugleich das schmerzlichste der Gefühle , das Gefühl des Zurückstehenmüssens und des Besiegtseins , nicht durch Laune oder Zufall , sondern durch die wirkliche Überlegenheit seines Nebenbuhlers . Er empfand es selbst . Alles , was er sah , war Kraft , Grazie , Leidenschaft ; was bedeutete daneben sein gutes Herz ? Ein Lächeln zuckte um seine Lippen ; er kam sich matt , nüchtern , langweilig vor . Die alte Gräfin Reale , seiner ansichtig werdend , setzte wieder die großen Kristallgläser auf und ließ nach kurzer Musterung das Lorgnon fallen mit einer Miene , die das Urteil , das er sich selber eben ausgestellt hatte , untersiegeln zu wollen schien . Die beiden Locken des Fräuleins von Bischofswerder hingen noch länger und trübseliger herab . Es schien ihm alles ein Zeichen . Der Tanz war vorüber ; alles drängte in den Saal , um den vier reizenden Damen Dank und Bewunderung auszusprechen ; auch Bummcke und Jürgaß zeigten sich und schienen durch ihr plötzliches Wiedererscheinen ihre halbstündige Abwesenheit verleugnen zu wollen . Unter den Beglückwünschenden war auch der alte Ladalinski selbst ; er plauderte eben mit der schönen Gräfin Matuschka , die , soweit Teint und Taille mitsprachen , sich siegreich selbst neben Kathinka behauptet hatte , als einer der Lakaien an ihn herantrat und ihm etwas ins Ohr flüsterte . Der Geheimrat setzte noch einen Augenblick die Unterhaltung fort , verbeugte sich dann gegen die junge Gräfin und folgte dem Diener . Auf dem Vorflur fand er einen Boten aus dem Auswärtigen Departement , der ihm ein couvertiertes Schreiben überreichte . Der Geheimrat , in Verlegenheit , wo er von dem Inhalt desselben Kenntnis nehmen sollte , trat in das Garderobezimmer und erbrach das Schreiben . Es waren nur wenige Worte . » Yorck hat kapituliert . Ein Adjutant Macdonalds brachte dem französischen Gesandten die Nachricht . Der Staatskanzler fährt eben zum König . « » Wer gab Ihnen den Brief ? « fragte Ladalinski . Der Bote nannte den Namen einer dem Ladalinskischen Hause befreundeten Exzellenz , die zugleich die rechte Hand Hardenbergs war . » Ich lasse Seiner Exzellenz meinen Dank und meinen Respekt vermelden . « Damit steckte