Fährdorf heimliche Zusammenkünfte mit der jungen leichtsinnigen Frau hatte , und er ließ sich auch dadurch nicht irre machen , daß Oswald über Emilie plötzlich zu sprechen aufhörte , sondern schloß nur daraus , daß das Verhältniß in ein Stadium getreten sei , wo Schweigen Pflicht war . So weit hatte es nun freilich nach Timms Wunsch nicht kommen sollen . Timm hatte nichts dagegen , daß Oswald seinen Geschmack am aristokratischen Leben durch eine Liebelei mit der vornehmen Dame auffrischte und sich so noch mehr von der Nothwendigkeit , ein Vermögen zu besitzen , überzeugte ; aber es paßte ihm gar nicht , daß aus dieser Liebelei eine Liebschaft in bester Form wurde , von der sich gar nicht berechnen ließ , was noch Alles daraus entstehen mochte , und die vor Allem Oswalds romantischer Liebe zu Helenen verderblich zu werden drohte . Und doch hatte auf diese Liebe Timm eigentlich seinen ganzen Plan gebaut . Wenn Oswald nichts bewegen könnte , sich in den Erbschaftsstreit mit der Familie Grenwitz einzulassen , so sollte die Hoffnung , auf diese Weise Helenen zu erobern , den Ausschlag geben . So durfte denn Oswald nicht für Helenen , aber auch umgekehrt , Helene nicht für Oswald verloren gehen . Und auch dieser letztere Fall war neuerdings möglich geworden . Albert , der die Augen überall hatte , war es nicht entgangen , daß Fürst Waldernberg tagtäglich zu Grenwitzens kam ; und auch sonst hatte er mehrere verdächtige Zeichen eines im besten Fortgang begriffenen Verhältnisses zwischen dem Fürsten und Helene entdeckt ; so bei einem Gärtner verschiedene herrliche Bouquets , die vom Fürsten bestellt waren und » heute Abend ins Hôtel Grenwitz geschickt werden sollten . « Außerdem hatte er , seitdem der Schnee lag und die adelige Jugend Grünwalds glänzende Schlittenpartien nach allen Richtungen arrangirte , Helene wiederholt an der Seite des Fürsten in einem prachtvollen Schlitten gesehen , dessen kostbare Decken und in russischer Weise nebeneinander angeschirrte drei Pferde ihn als Eigenthum Sr. Durchlaucht bezeichneten . Er hatte Oswald wiederholt auf einen so gefährlichen Nebenbuhler aufmerksam gemacht , aber immer nur ausweichende Antworten erhalten . Diese Lage der Dinge mißfiel Albert durchaus . Im Hôtel Grenwitz hatte er sich seit längere Zeit nicht sehen lassen . Seine vierhundert Thaler für Monat November hatte ihm Felix , der die Summe von seinem Reisegelde nahm , bei seiner Abreise zugeschickt : mit dem Ersuchen , sich für die Zukunft » in allen geschäftlichen Angelegenheiten « direct an seine Tante , die Frau Baronin , wenden zu wollen . Albert hatte von dieser Erlaubniß bis jetzt noch keinen Gebrauch gemacht , da es selbst für ihn schwer hielt , in dem bescheidenen Grünwald vierhundert Thaler in einem Monat durchzubringen und er überdies gerade in der letzten Zeit Glück im Pharao gehabt hatte . Indessen nahm er sich vor , diesen Besuch baldmöglichst zu machen und bei der Gelegenheit die Situation genauer zu studieren . Gerade in diesen Tagen geschah es , daß Albert eines Abends , als er eben ausgehen wollte , durch die Stadtpost einen Brief erhielt , dessen Lectüre ihn so verstimmte , daß er seine ursprüngliche Absicht , in den Rathskeller zu gehen , vorläufig aufgab und statt dessen einen Besuch bei seinem Hauswirth , dem Küster Tobias Gutherz machte , jenem Mann , der mit dem Geruch seines heiligen Lebenswandels das ganze alte Quartier enger winkliger Straßen um die alte Brigittenkirche erfüllte . Albert Timm trat mit dem Hut auf dem Kopfe in das Stübchen hinter dem Sprechzimmer und fand Gutherz im Begriff , sich ein Glas seines Lieblingsgetränks zu bereiten . Kannst mir auch eins zurecht machen ; sagte Albert , seinen Hut auf einen Stuhl schleudernd und sich selbst in die Ecke des vortrefflich gepolsterten Sophas werfend . Wie gewöhnlich , Albertchen ? sagte Tobias , ein zweites Glas nebst Theelöffel aus dem Wandschrank nehmend und neben dem dampfenden Wasserkessel auf den Tisch stellend . Eher ein bischen mehr als weniger . Während Herr Tobias nach diesem Recept den heißen Trank zurechtbraute , starrte Albert schweigend vor sich hin . Du bist heute nicht in guter Laune , Albertchen ! sagte Tobias , von seiner Beschäftigung ausblickend . Müßte lügen , wenn ich das Gegentheil behaupten wollte . Was giebt ' s ? Hat die kleine Louise Dir ' s angethun ? Der Teufel soll die kleine Louise holen . Oder ist Dir ein Wechselchen präsentirt , an das Du nicht mehr gedacht hattest ? So etwas der Art. Na , was ist ' s denn ? fragte Tobias , den für Albert bereiteten Grog umrührend und das Glas vor ihn auf den Tisch setzend . Hier nimm einen Schluck , und dann heraus mit der Sprache ! Albert nahm das Glas , kostete und als er sich überzeugt , daß in allen Punkten das rechte Maß getroffen , leerte er es auf einen Zug bis über die Hälfte . Nun ? sagte Tobias . Du erinnerst Dich , daß ich in Grenwitz während des Sommers ein Verhältniß mit der kleinen schwarzäugigen Hexe von Französin anfing , sagte Timm . Weiß schon , sagte Tobias mit schlauem Lächeln , um was es sich handelt . Nichts weißt Du ; das Ding war in einer Hinsicht so scheu , wie eine wilde Ente . In anderer Hinsicht war sie freilich auch wieder dumm genug , wie Du schon daraus sehen kannst , daß sie mir die Dreihundert borgte , die sie in der Sparkasse hatte . Das war edel von ihr . Ja , aber jetzt will sie sie wieder haben . Hast Du ihr einen Wechsel gegeben ? Nein . So sag ' , Du hast nichts bekommen , abgemacht Sela ! Das geht nicht so leicht . Sie hat Freunde , mit denen ich es nicht gern verderben möchte . Wie so ? Ich sagte Dir doch , daß Marguerite seit einiger Zeit nicht mehr bei Grenwitzens ist ? Nein , kein Wort . Wo denn