gegen meine Cousine empfand , zu Liebe , legte ich es ernstlich darauf an , mir Oldenburg ' s Zuneigung , die ich durch eine unbekannte Ursache verloren zu haben glaubte , wieder zu gewinnen . Das bewirkte alsbald eine völlige Umwandlung in Oldenburg ' s Betragen . Er überschüttete mich jetzt mit Aufmerksamkeiten , er schien Hortense vollkommen vergessen zu haben , und sobald wir allein waren , zeigte er eine Leidenschaft , die mich zuerst in Verwunderung und dann in Schrecken setzte . Dabei wußte er jeder eigentlichen Erklärung sorgfältig auszuweichen und mich stets im Zweifel zu erhalten , ob dies nur eine seiner tollen Launen war , die er gelegentlich annimmt und ablegt , wie ein Kleid , oder der Ausdruck einer wirklich tiefgewurzelten Neigung . Es war unmöglich , Oldenburg in dieser Zeit nicht zu bewundern . Sein Genius zeigte sich glänzender , als je zuvor ; die Fülle von Geist , die er verschwenderisch entfaltete , war in der That außerordentlich . Er war die Seele jeder Gesellschaft ; man riß sich förmlich um ihn , und da er französisch , englisch , italienisch und ich weiß nicht , wie viele Sprachen außerdem , so gut wie deutsch spricht , so schien jede Nation ihn als einen der Ihrigen ansehen zu dürfen und zu wollen . Wenn er mich nun zur Königin jedes Festes machte , wenn er Alle zwang , mir zu huldigen , wenn er alle Schätze seines reichen Geistes nur entfaltete , um sie mir zu Füßen zu legen , so ist es wohl natürlich , daß ich dagegen nicht gleichgültig bleiben konnte , daß ich mir eine kurze Zeit lang einbildete , ihn zu lieben . Ohne ihn geradezu aufzumuntern , ließ ich es mir doch gefallen , daß er mich in Augenblicken , wo wir allein waren , mit dem vertraulichen Du unserer Kinderjahre anredete , daß er in Gesellschaft mir jene Aufmerksamkeit erwies , die man sonst nur von einem erklärten Liebhaber entgegenzunehmen gewohnt ist . Still , Melitta , mir war , als hörte ich Jemand im Garten . Ich hörte nichts . Sind wir hier auch vor jeder Störung sicher ? Vollkommen . Indessen , laß uns in ' s Haus zurückkehren ; mir däucht , der Nachtthau beginnt zu fallen . Sie erhoben sich und gingen Arm in Arm nach der Treppe , die von der Terrasse in den Garten führte . Als sie die letzte Stufe hinabstiegen , stand plötzlich ein Mann vor ihnen . Das Zusammentreffen war für Oswald und Melitta so unerwartet , daß sie unwillkürlich zurückzuckten . Indessen war an ein Ausweichen nicht mehr zu denken , und überdies hatte Herr Bemperlein sie schon erkannt , denn die Sterne leuchteten jetzt in voller Pracht , und aus den Fenstern des Gartensaales fiel ein Lichtschimmer den Gang hinab , gerade in die Gesichter der Beiden . Mein Gott , gnädige Frau , wie kommen Sie hierher ? rief Herr Bemperlein . Ich gebe die Frage zurück , sagte Melitta , und dann zu Oswald , dessen Arm sie nicht losgelassen hatte : Sei ruhig , lieb Herz : er verräth uns nicht . Es ist doch Julius kein Unglück zugestoßen ? Sprechen Sie , lieber Bemperlein , ich habe keine Geheimnisse vor - Oswald . Herr Bemperlein ergriff Oswald ' s Hand und drückte sie , als wollte er sagen : ich weiß jetzt Alles , rechnet auf mich . Nein , sagte er , Julius ist wohl und munter , aber ich bekam heute einen Brief von Doctor Birkenhain , dem zufolge es mit dem Befinden Herrn von Berkows sehr schlecht steht ; man erwartet täglich sein Ende . Daß er vor seinem Ende noch einmal zum Bewußtsein kommen könnte , ist natürlich nicht anzunehmen ; aber Doctor Birkenhain hielt es für seine Pflicht , Ihnen diese Lage der Dinge mitzutheilen . Jedenfalls wird dies der Inhalt des eingelegten Briefes an Sie sein . Ich habe ihn selbst gebracht , damit Sie sofort über meine Dienste verfügen könnten , im Falle Sie sich zu einer Reise entschließen sollten . Der Wagen , in welchem ich gekommen bin , wird jetzt wohl schon vor dem Hause halten ; ich hatte den kürzeren Weg durch den Garten vorgezogen . Die Drei waren in den Gartensaal getreten . Melitta hatte Oswald ' s Arm losgelassen und sich der Lampe genähert , den Brief zu lesen , welchen Bemperlein ihr überbracht hatte . Oswald sah , daß sie sehr blaß geworden war , und daß ihre Hand , die den Brief hielt , zitterte . Bemperlein stand , den Blick von Melitta auf Oswald , von Oswald auf Melitta wendend , da , wie Jemand , der , aus einem schweren Schlaf erwachend , sich noch nicht von der Wirklichkeit dessen , was er vor seinen Augen sieht , überzeugen kann . Melitta hatte den Brief gelesen : Da , Oswald , sagte sie , lies und sage , was soll ich thun . Oswald durchflog das Schreiben , welches , wie Bemperlein schon gesagt hatte , Melitta aufforderte , sich sofort auf den Weg zu machen , falls sie den sterbenden Gatten noch einmal zu sehen wünsche . Du mußt reisen , Melitta , ohne Frage , sagte Oswald , den Brief wieder zusammenfaltend . Melitta warf sich stürmisch in die Arme ihres Geliebten : Es war von vornherein mein Wille zu reisen : ich wollte ihn nur von Dir bestätigt hören , sagte sie . Ich reise noch in dieser Nacht , noch in dieser Stunde . - Wollen Sie mich begleiten , lieber Bemperlein . Ich bin in dieser Absicht hierher gekommen , gnädige Frau , sagte Herr Bemperlein , und habe den Reiseplan schon entworfen . Wenn wir in einer Stunde etwa aufbrechen , sind wir noch vor Sonnenaufgang an der Fähre . Drüben nehmen wir Extrapost bis Passow , von da Eisenbahn . So sind wir übermorgen spätestens an Ort und