Phantasten und Schwärmer , die allein meinten den rechten Weg in ' s Himmelreich zu kennen , alle irdischen Freuden verachteten und mitten in der Welt lebend die Erde doch nur als ein Jammerthal betrachteten , das ihnen vergeblich seine Genüsse bot - oder mochte man sie Spötter nennen , die bei ihren geheimen Gebräuchen und Lehren dem Christenthum und der Kirche Hohn sprächen , oder heimliche Jünger , die nur öffentlich sich der größten Sittenstrenge unterwürfen , bei ihren Zechen aber oder auch allein im Verborgenen mehr sündigten als Andere . Darum spitzte Frau Eva jetzt die Ohren , als sie hoffen konnte , etwas Verdächtiges von einem Baubruder zu hören , und der Riesen-Jacob fuhr fort : » Am Tage , nachdem jener Mönch hier gewesen war , hat der Propst ein paar Baubrüder hinaus in ' s Kloster geschickt , daselbst ein Sacramentshäuslein auszubessern - nun , das hätten wir auch gekonnt , und wer weiß , haben sich der Propst und der Mönch nicht erst die Modelle dazu bei uns abgeguckt . « » O ganz gewiß haben sie das gethan ! « rief die Meisterin entrüstet ; » wenn ihnen nur mein Mann nicht die herrliche Zeichnung hat sehen lassen , die er selbst zu einem solchen Gehäuse gemacht ! « » Der blonde Hieronymus und der Ulrich von Straßburg sind damals wochenlang draußen im Kloster gewesen , « berichtete Jacob weiter , » und Einer von ihnen - ich weiß nicht welcher , denn ich habe sie Beide stets nur miteinander gesehen - kam diese Nacht mit dem Propst heim , und sie nahmen den Amadeus mit in die Propstei , der schon so lange um sie herum geschlichen , daß ich ihn scharf in ' s Auge gefaßt hatte , weil ich dachte , er könne dort unmöglich auf guten Wegen wandeln . « » Was Ihr nicht sag ' t ! « rief Frau Eva ; » Ihr werdet wohl thun , das im Kloster zu beichten - und ich werd ' es hier auch nicht daran fehlen lassen . « Viel freundlicher als vorhin ward nun der rohe Handlanger von der Meisterin entlassen , die sich innig freute , es endlich dem Propst entgelten lassen zu können , daß er das Späßchen mit dem Drachen auf ihre Kosten gemacht hatte . Indeß lief am selben Tage ein anderes wunderliches Gerücht durch die Reichsstadt und beschäftigte in immer absonderlicheren Varianten die guten Nürnberger . Da hieß es zuletzt gar : Zur Frau von Scheurl sei ein goldener Vogel geflogen gekommen , der zwar nicht singen , aber reden könne , und der habe ihr erzählt , wer das indische Reisegut Herrn Martin Behaim ' s geraubt , und sei dann zu der Stelle geflogen , an der es vergraben liege . Wer etwa dazu ungläubig lächeln wollte , wie zu einem einfältigen Mährlein , der mußte doch verstummen , als er einen stattlichen Zug , voran Herrn Christoph von Scheurl und die Gebrüder Behaim , im Gefolge ihre Leute und Diener , und eine große Abtheilung Stadtmilizen vor das Thor ausrücken sah und dem Reichsforst sich zu bewegen . Oder wer diesen nicht begegnete , der gewahrte vielleicht Frau Elisabeth am Fenster ihres Chörleins , wie ein herrlicher Vogel auf ihrer Achsel saß . War er auch nicht golden , so glänzten die Farben seines Gefieders doch so wunderbar schön und prächtig , daß er dadurch nicht minder fabelhaft erschien , als wär ' er aus eitel Gold gewesen . Wer den Vogel sah , der glaubte dann auch gern die andern abenteuerlichen Erzählungen . Und für diese gewann die Nürnberger Phantasie bald einen unendlich weiten Spielraum , als es am Abend hieß : man habe wirklich an der Stelle im Walde , welche der Vogel angegeben , einen großen Theil der Schätze gefunden , die Martin Behaim mitgebracht und deren Beschreibung nun wieder nur die staunenswerthesten Dinge zu verkünden hatte . Im Triumph wurden die wieder gewonnenen Kisten Behaim ' s in die Stadt geführt - und war nun einmal nur ein Theil wieder da von den entschwundenen Herrlichkeiten , so hoffte man , der andere werde sich nun auch schon finden - ja , man war entschlossen , ihn , wenn es sein mußte , mit Sturm und Waffengewalt zu erobern . Die Ritter von Weyspriach und Streitberg erhielten von dem Rath von Nürnberg eine Vorladung , vor Gericht zu erscheinen und sich gegen die wider sie erhobene Anklage auf Friedensbruch und Straßenraub zu rechtfertigen oder darauf gefaßt zu sein , daß gegen sie erkannt und verfahren würde wie Rechtens . Diese Anklage stützte sich natürlich nicht nur auf die Angabe des indianischen Raben - mochte sie dieser nun schriftlich mitgebracht , oder wie im Volke die Sage ging , selbst redend gemacht habe - sondern auf die übereinstimmende Schilderung des Boten , der die erste Nachricht von dem Ueberfall an Scheurl gebracht hatte , mit den Aussagen der Verwundeten und Geflohenen , die von Augsburg her dem Transport zum Geleite gedient hatten . Keiner von ihnen kannte zwar die beiden Ritter persönlich , aber ihr Signalement der Räuber paßte doch auf diese , und da sie schon mehr als einmal im Verdacht solcher Heldenthaten gewesen waren , so war es mehr als wahrscheinlich , daß sie auch dieses Verbrechen verübt . Nun hatten aber freilich die Ritter guten Grund der Vorladung zu spotten und den Spruch des Rathes von Nürnberg zu mißachten ; denn sie meinten , daß nicht dieser , sondern allein der Markgraf Friedrich von Zollern das Recht habe , Gericht auf Nürnbergischem Gebiet zu hegen , und sie nur dem Spruche dieses im Namen des Kaisers burggräflich gehegten Landgerichtes sich zu fügen hätten , da ihre Burg sowohl als der Ort der That nicht die Stadt Nürnberg selbst sei , und diese selbst auf dem ihr gehörenden Grund und Boden , der außer der Stadt gelegen , keine Macht habe zu richten . Aber eben über