ich ihnen darlegte , daß ihr Gemälde einen höheren Wert habe als das meinige , und wenn ich diesen Wert nach genauer Schätzung durch Geld ausglich , so war das Vergnügen noch größer ; denn sie zweifelten doch immer , ob ich recht habe und das alte Bild nicht aus Vorliebe überschätze , da ihnen ja ihre Augen sagten , daß der Unterschied nicht so groß sei . Auf diese Weise bekam ich manches Angenehme , ohne meinem Billigkeitsgefühle nahe treten zu müssen , was bei Bildergeschäften so leicht der Fall wird . Die heilige Maria mit dem Kinde , welche Euch so wohl gefällt , und welche ich beinahe eine Zierde meiner Sammlung nennen möchte , hat mir Roland auf dem Dachboden eines Hauses gefunden . Er war dorthin mit dem Eigentümer gestiegen , um altes Eisenwerk , darunter sich mittelalterliche Sporen und eine Klinge befanden , zu kaufen . Das Bild war ohne Blindrahmen , und war nicht etwa zusammengerollt , sondern wie ein Tuch zusammengelegt , und lag im Staube . Roland konnte nicht genau erkennen , ob es einen Wert habe , und kaufte es dem Manne um ein Geringes ab . Ein Soldat hatte es einmal aus Italien geschickt . Er hatte es als bloße Packleinwand benützt , und hatte Wäsche und alte Kleider in dasselbe getan , die ihm zu Hause ausgebessert werden sollten . Darum hatte das Bild Brüche , wo nämlich die Leinwand zusammengelegt gewesen war , an welchen Brüchen sich keine Farbe zeigte , da sie durch die Gewalt des Umbiegens weggesprungen war . Auch hatte man , da wahrscheinlich die Fläche zum Zwecke einer Umhüllung zu groß gewesen war , Streifen von ihr weggeschnitten . Man sah die Schnitte noch ganz deutlich , während die anderen Ränder sehr alt waren und noch die Spuren von den Nägeln zeigten , mit denen sie einst an den Blindrahmen befestigt gewesen waren . Auch war , durch die Mißhandlungen der Zeiten herbeigeführt , an andern Stellen als an denen der Brüche die Farbe verschwunden , so daß man nicht nur den Grund des Gemäldes , sondern hie und da auch die lediglichen nackten Fäden der alten Leinwand sehen konnte . So kam das Bild auf dem Asperhofe an . Wir breiteten es zuerst auseinander , wuschen es mit reinem Wasser , und mußten dann , um es als Fläche zu erhalten und es betrachten zu können , Gewichte auf seine vier Ecken legen . So lag es auf dem Fußboden des Zimmers vor uns . Wir erkannten , daß es das Werk eines italienischen Malers sei , wir erkannten auch , daß es aus älterer Zeit stamme ; aber von welchem Künstler es herrühre , oder auch nur aus welcher Zeit es sei , war nach dem Zustande , in welchem die Malerei sich befand , durchaus nicht zu bestimmen . Teile , welche ganz waren , ließen indessen ahnen , daß das Gemälde einen nicht zu geringen Wert haben dürfte . Wir gingen nun daran , ein Brett zu verfertigen , auf welches das Bild geklebt werden könnte . Wir bereiten solche Bretter gewöhnlich aus Eichenholz , das aus zwei übereinanderliegenden Stücken , deren Fasern auf einander senkrecht sind , und einem Roste besteht , damit dem sogenannten Werfen oder Verbiegen des Holzes vorgebeugt werde . Als das Brett fertig und die Verkittung an demselben vollkommen ausgetrocknet war , wurde das Gemälde auf dasselbe aufgezogen . Wir hatten dort , wo die Ränder des Bildes weggeschnitten waren , die Holzfläche größer gemacht und die neu entstandenen Stellen mit passender Leinwand gut ausgeklebt , um dem Gemälde annähernd wieder eine Gestalt geben zu können , die es ursprünglich gehabt haben mochte , und in der es sich den Augen wohlgefällig zeigte . Hierauf wurde daran gegangen , das Bild von dem alten hie und da noch vorfindlichen Firnisse und von dem Schmutze , den es hatte , zu reinigen . Der Firnis war durch die gewöhnlichen Mittel leicht wegzubringen , nicht so leicht aber der durch Jahrhunderte veraltete Schmutz , ohne daß man in Gefahr kam , auch die Farben zu beschädigen . Das gereinigte , auf der Staffelei stehende Gemälde wies uns nun eine viel größere Schönheit , als es uns nach der ersten , oberflächlichen Waschung gezeigt hatte ; aber es war durch die vielen Sprünge , Risse und nackten Stellen noch so verunstaltet , daß eine genaue Würdigung auch jetzt nicht möglich war , selbst wenn wir bedeutend größere Erfahrungen gehabt hätten , als wir hatten . Roland und Eustach schritten zur Ausbesserung . Kein Ding kann schwieriger sein , und durch keins sind Gemälde so sehr entstellt und entwertet worden . Ich glaube , wir haben einen nicht unrichtigen Weg eingeschlagen . Eine ursprüngliche Farbe durfte gar nicht bedeckt werden . Zum Glücke hatte das Bild gar nie eine Ausbesserung oder sogenannte Übermalung erhalten , so daß entweder nur die ursprüngliche Farbe vorhanden war , oder gar keine . In die farbentblößten Stellen wurde die Farbe , welche die umgrenzenden Ränder zeigten , gleichsam wie ein Stift eingesetzt , bis die Grube erfüllt war . Wir nahmen die Farben so trocken als möglich und so dicht gerieben , als es der Laufer auf dem Steine , ohne stecken zu bleiben , zuwege bringen konnte . Wenn sich aber doch wieder nach dem Trocknen eine Vertiefung zeigte , wurde dieselbe neuerdings mit der nämlichen Farbe ausgefüllt , und so fortgefahren , bis eine ; Höhlung nicht mehr entstand . Erhöhungen , die blieben , wurden mit einem feinen Messer gleichgeschliffen . Auch über unausrottbaren Schmutz wurde die Farbe seiner Umgebung gelegt . Wenn die Farbe nach längerer Zeit durch das 01 , das sie enthielt , und durch andere Ursachen , die vielleicht noch mitwirken , nachgedunkelt war und sich in dem Gemälde als Fleck zeigte , wurde mit äußerst trockener Farbe und mit der Spitze eines feinen Pinsels die Stelle so lange gleichsam ausgepunktet , bis sie sich von