? « » Und dann seine letzten Worte ! « rief er . » Wo hat man vom alten Pfarrer , der zu gleicher Zeit mit ihm gestorben ist , je etwas Ähnliches gehört ! Und vollends vom jetzigen ? Ja , wenn er nur ein einzigmal aus seinem Mund einen Hauch hätte gehen lassen von jenem Geist , ich hätte ihn und seinen Kelch und seine Hostien ungekränkt gelassen ! « » Nicht bloß im Sonnenwirtshaus « - so versuchte Christine aus der Erinnerung nachzusprechen - » auch unter der großen Weltsonn ist nicht alles , wie es sein sollt , und Gottes unerforschlicher Ratschluß läßt es zu , daß sein Will auf Erden nicht geschieht . Neid und Stolz regiert die Welt , und das Gericht wird hereinbrechen - « » Sie nennen sich seine Kinder « - unterbrach er sie , um die Erinnerung voller wiederzugeben - » und sind doch nicht Brüder und Schwestern untereinander . Neid und Gewalt , Stolz und Habsucht regiert die Welt , und Gottes Ebenbild wird in der Armut unterdrückt . Die Welt liegt im argen , und ihr Maß steigt auf bis zum Rand , und unversehens wird ein Gericht hereinbrechen , das den Unschuldigen samt dem Schuldigen trifft , wie zur Zeit der großen Flut , wo der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar . « » Ich aber « - fiel Christine mit den Schlußworten ihres Vaters ein - » ich fahr in meiner Arch , die mir der Schreiner zimmert , nach meinem Berg Ararat zu meinem Vater und zu eurem Vater und will schauen , was jetzt dunkel und verborgen ist , und will ihm sagen : Vater , segne , die hie nach mir bleiben , und führ sie endlich einmal sänfter , wenn dir ' s möglich ist , und laß sie deinen Frieden schmecken . - Er hat das Wort nicht mehr ganz ausgesagt , fügte sie hinzu , ist zurückgesunken und entschlafen . « Eine übermächtige Rührung überkam das so vieler Verwilderung preisgegebene Gemüt des Mannes , der sich nicht gescheut hatte , heilig gehaltene Geräte des Gottes , zu dem er betete , anzutasten . Er ließ sein Weib zur Erde gleiten , erhob sich in die Knie und rief , die Arme gegen den blauer werdenden Morgenhimmel ausgebreitet , unter strömenden Tränen : » Himmlischer Vater , gib uns deinen Segen um jenes Gerechten willen ! Du bist ja mit den unvernünftigen Geschöpfen , die unter deiner Sonne wimmeln , und gibst ihnen Nahrung und Kleidung auf ihre Zeit . Trag und erhalt auch uns , die wir deine Kinder sind , und gib uns unser Brot , uns und unsern armen Kleinen . Führ uns aus diesem Land , wo Vater und Mutter hart sind , in ein milderes , das du uns verheißen mögest , laß uns vor dir wandeln und behüte uns , daß wir nicht mehr in Anfechtung fallen . « Christine kniete neben ihm und schluchzte laut . Nachdem er geendet hatte , blieben beide noch lange auf den Knien liegen . Das Feuer sank allmählich in Kohlen und Asche zusammen , und durch die Gipfel der Bäume lächelte das Gestirn des Tages , das Wärme und Leben bringend über den Bergen aufgegangen war . » Jetzt komm , Christine , wollen aufbrechen , die Sonne ist herauf , und die Kälte läßt nach « , sagte Friedrich , ihr Bündel ergreifend . Sie zogen schweigend und voll Gedanken durch die Wälder hin , die vom Fuße der Alb zwischen dem Neckar- und Filstal in das Land hineinlaufen . Hie und da führte der Pfad an einem einsamen Hofe vorüber , schlängelte sich aber gleich wieder dem Walde zu . In einem dieser abgelegenen Gehöfte wagten sie sich mit gestandener ( saurer ) Milch und etwas Schwarzbrot zu erquicken , hielten sich aber , da sie von den Leuten mißtrauisch angesehen wurden , nicht lange auf . Als sie wieder auf der Wanderschaft waren , sagte er endlich : » Jetzt ist das Erzählen an dir , Christine . « » Das ist kurz beieinander « , versetzte sie , » mir ist nicht so viel vorkommen wie dir . Nach deiner Gefangennehmung , wo du nach Hohentwiel kommen bist , hat man mich auch ein wenig eintürmt . « » Aber nichts auf dich bringen können , das weiß ich schon von deiner Mutter . « » Nachher ist ' s eben wieder das alt Lied gewesen . Sie haben mich vor Kirchenkonvent zitiert und haben mich gefragt , wer der Vater zu dem Kind sei , mit dem ich geh . « » Dann hast du gesagt , dein Mann ? « » Durch solche Reden hätt ich sie nur noch mehr wider mich in Harnisch bracht , und ' s ist mir so schon schlecht g ' nug gangen . Mein Jerg , das muß ich ihm nachsagen , hat wie ein Vater an mir gehandelt ; er hat immer gegen mein Mutter gesagt , wenn du da wärst , so wär ' s dein Sach , für mich zu sorgen , aber wenn einer lebendig begraben sei , so könn man ihm nichts mehr zumuten . Das Wasser ist ihm aber selber oft bis an Hals gangen , und dann ist er oft fort gewesen , um sein Brot auswärts zu suchen . Ich hab vor Kirchenkonvent kaum stehen können , so schwach ist mir ' s gewesen . Der Schütz hat mich nachher mitgenommen , und er und sein Weib haben mir ein bißle zu essen geben ; ich hab ' s auch angenommen , denn ich hab vielmals denkt , ich werd das Kind nicht lebig zur Welt bringen . « » Er ist ein versoffener Lump « , sagte Friedrich , » aber er ist doch besser als mancher , der in der Tugend und in der