ein mit großen Diamanten besetztes Brustschild , da wo der Rockkragen sich schloß . Alle seine Begleiter trugen gleichfalls den abscheulichen Feß , diese unkleidsame und zweckwidrige Tracht , welche die Reform des verstorbenen Sultans für die Civilbeamten und das Militair eingeführt hat . Mit dem letzten Janitscharen sank die malerische Kleidung der türkischen Krieger . Als der Großherr über die Schwelle des untern Gemachs trat , fiel die Reihe der Dienerinnen und Eunuchen knieend zu Boden , mit der Stirn fast die Erde berührend , auch die Odalisken beugten sich tief und verharrten , Alle das » Selam Aleikum « 26 murmelnd , in dieser Stellung , bis der Sultan , der nie den Gruß eines Unterthanen erwiedern darf , durch ihre Reihe hin- und zu dem Ehrensitz in der Ecke geschritten war , auf dem er Platz nahm . Ein rascher kurzer Seitenblick , als er an Mariam vorüberging , der nicht blos von dieser , sondern auch von den beiden Sultaninnen sehr wohl bemerkt worden war , bewies , daß er trotz seiner äußern Gleichgültigkeit auf seine Umgebung achtete . - Der jetzige Großherr hat , wie gesagt , in seinem Wesen keineswegs das Entschlossene , Gebietende des Despoten , was man wohl an dem unumschränkten Herrscher des Orients erwartet und was in den meisten Gliedern seiner Familie ausgeprägt war . Vielmehr liegt etwas Schüchternes , Unentschlossenes in seinem Wesen und er ist nicht einmal der Gebieter in seinem Harem . Die Erfahrungen seiner Jugend mögen daran schuld sein , zuerst der Druck seines despotischen , keinen Willen neben dem seinen duldenden Vaters , und die Erziehung nicht im Feldlager , sondern im Harem , in dessen Genüsse er bereits mit seinem dreizehnten Jahre eingeweiht wurde . Etwa anderthalb Jahre vor seinem Tode27 schenkte ihm Sultan Mahmud eine wunderschöne Circassierin , zu welcher der Jüngling eine heftige Liebe faßte , die bald auch Folgen hatte . Wir haben oben bereits das unnatürliche Regierungsprinzip erwähnt , daß die Söhne und Brüder des Sultans bei seinen Lebzeiten keine Kinder haben dürfen . Die Circassierin weigerte sich , eines jener abscheulichen Mittel anzuwenden , welches das Kind unter ihrem Herzen tödten sollte , und der Prinz konnte sich nicht entschließen , sie dazu zu zwingen . Er rechnete auf den Tod des Sultans , der sich bekanntlich dein Trunk ergeben und schon mehrere Anfälle des delirium tremens gehabt hatte , um dann als Herr und Gebieter die Sclavin und ihr Kind anzuerkennen . Bis dahin suchten Beide auf alle mögliche Weise die Schwangerschaft zu verbergen . Aber der Neid der Odalisken brachte sie an den Tag , und der Sultan stellte die grauenvolle Wahl , daß entweder das ungeborene Kind oder die Sclavin geopfert werden müsse . Die Geliebte des Prinzen weigerte auch jetzt noch standhaft das Verbrechen gegen die Natur , und als der junge Abdul zwei Abende darauf den Harem besuchte - war sie verschwunden : man hatte sie erdrosselt . Vier Wochen nachher starb Sultan Mahmud am Delirium in seinem Kiosk auf den Höhen von Goksu am asiatischen Ufer des Bosporus . Abdul Medschid gelangte mit sechszehn Jahren zum Sultanat , doch hatte er damit kaum den Herrn gewechselt , denn die Sultanin Valide , seine Mutter , und die Intriguen des alten Chosrew-Pascha hielten ihn unter ihrem Druck , bis zwischen Beiden selbst Feindschaft ausbrach . Auch nachher noch gönnte er seiner Mutter einen großen Einfluß auf die Regierungsgeschäfte , bis sie im Frühjahr 1853 starb . Kurz vorher , ehe sie erkrankte , hatte der Großherr von Ali Pascha , dem Gouverneur von Brussa , die Odaliske Mariam zum Geschenk erhalten und ihr alsbald eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet , da sie seiner gemordeten ersten Geliebten auffallend ähnlich sein sollte . Dieser Vorzug hatte natürlich unter den Frauen des Harems bedeutende Aufregung und Eifersucht hervorgerufen und ihre Intriguen und die Herrschsucht der Mutter des Thronfolgers erschwerten den Umgang des Sultans mit seiner neuen Geliebten auf alle mögliche Weise . Man sah in ihr nicht nur die gefährliche Nebenbuhlerin um die persönliche Gunst des Sultans , sondern auch um den politischen Einfluß , und es ging das Gerücht im Harem , daß sie eine heimliche Christin und von der russischen Partei in den Harem gebracht sei . Wir haben bereits angedeutet , daß man einer Schwangerschaft zuvorgekommen war , da sie die Geburt eines Kindes den Sultaninnen mindestens gleichgestellt hätte , während die Unfruchtbarkeit der Kadinen für eine Schmach gehalten wird und diese ohne Rechte nur in der Lage einer begünstigten Sclavin verbleiben läßt . Selbst der Wille und die Macht des Sultans vermochten sie kaum genügend gegen die Angriffe ihrer Feindinnen zu schützen . Wir haben oben die eigenthümliche Schönheit der jungen Odaliske beschrieben . Sie war eine Mingrelierin von Geburt , mit ihrer Mutter - einer Russin - als Kind in die Hände kurdischer Räuber gefallen und später unter den Schutz Ali Pascha ' s gekommen , der sie dem Harem seines Gebieters bei passender Gelegenheit zum Geschenk machte . Näheres wußte und erfuhr man nicht von ihr , doch war es bald offenbar , daß sie dankbar für die Gunst des Großherrn diesem mit ganzem Herzen anhing und ihn hingebend liebte . - Ein Schlag der Silberbecken , die während des Ganges durch das Gemach geschwiegen hatten , verkündete , daß der Großherr Platz genommen , und auf dies Zeichen erhoben Alle das Haupt und es bildete sich eine Gruppe um den Padischah . Die Favorit-Sultana und die Schwester des Großherrn nahmen auf Kissen am Boden an seiner Seite Platz und neben ihnen die beiden andern Kadinen , während die Odalisken jenseits der Fenster an den Wänden entlang auf dem Divan sich reihten . Neben den Kadinen nahmen der Kislar-Aga und der Kapu-Agassi ihre Stelle ein , während der Tschannador alsbald eine mit Edelsteinen reich verzierte Pfeife mit einem Rohr von Jasminholz , das mindestens sieben Fuß lang war , auf dem Mittelfinger der rechten Hand wiegend , feierlich heranschritt . Ein Offizier der