stolz , wenn Du den reichen und vornehmen Herren kein Wort , keinen Blick schuldig bleibst . Wie Viele bücken sich und kriechen , Du gehst grade . - Nein , Walter , auch darum nicht , nicht weil ich Dir zu Hülfe kommen wollte . - Ach , hilf mir doch - das Schwerste ist heraus , das Allerschwerste steckt noch in der Brust . « Sie barg ihr Gesicht an seinem Halse . Er strich über ihre Stirn ; er bat sie zu denken , sie sei in der Kirche wie die fromme Katholikin , von der sie neulich gelesen , und er ihr Beichtvater . » Neulich , nach unserem Feste - Du weißt von dem unglücklichen Zufall . Ich verlor meine Besinnung , Jemand trug mich aus dem brennenden Zimmer . Hässliche , gleichgültige Menschen kamen und gingen ; aber in der Nacht , als es still ward , halb wachte ich , halb träumte ich - die Andern hatten mich wohl vergessen in dem Wirrwarr , und die Nachtlampe brannte dunkel , da schlich es herein . Er überraschte mich - « » Gerechter Gott ! « » Nein , Walter , erschrick nicht . « » Wer ? « » Ich kannte ihn , und darf ihn doch nicht nennen . Er umfasste meine Knie , wie der Orest das Bild der Göttin , und seine schönen Augen rollten , wie eines Wahnsinnigen . Ich wollte aufschreien , mich losmachen , aber ich konnte nicht , wenn ich ihm ins Auge sah . Ihn peinigten ja auch , wie den Sohn des Agamemnon - die Furien . « » Was wollte der Freche ? « » Er bat mich , daß ich vergessen , vergeben sollte . « » Was solltest Du ihm vergeben ? « » Das ist aus der alten schrecklichen Geschichte - « » Von der kein Wort ! - Die Geheimräthin erwähnte neulich eines Unverschämten , der Dich auf der Straße verfolgt - « » Ach , Walter , jetzt verstehe ich erst , was wir in den Gedichten lasen . Ist das Liebe so ist ja Liebe eine Krankheit , vor der Gott Dich und mich bewahre . So muß Orest krank gewesen sein . « » Er sprach seine Leidenschaft aus , er quälte , marterte Dich ? - Weiß Jemand darum ? « » Keiner soll davon wissen , außer Dir . Dich nehm ' ich aus . « » Du versprachst ihm Verschwiegenheit ? « » Ihm nicht , mir gelobte ich sie aus - einem Mitleid , das ich noch nie empfunden . Walter , o hättest Du ihm in das Gesicht gesehen , das schöne , fürchterliche Gesicht . Bald ein wildes Thier , das mich zerreißen konnte , bald wie ein Kind so sanft . - Ich bedurfte keines Beistandes , keiner Hülfe , glaube es mir , gewiß nicht . Ich wäre ihm wie eine Heilige , eine Göttin , eine Priesterin , deren Wünsche ihm Befehle sind - « » Das ist die Sprache der Wüsten ! Du kennst diese Menschen noch nicht . Wo ihre gewöhnlichen Künste nichts fruchten , sie einen Widerstand finden , den sie damit nicht bewältigen , stehlen sie aus der Seele ihres Opfers die edelsten Gefühle , um sie zu überlisten . Mit Thränen , empfindsamen Reden nesteln sie sich wie der Mehlthau an die Fasern und Fäden einer edlen Seele . Sie reißen die Brust auf , um Schmerzen zu zeigen , die sie erheuchelt , und indem sie das Mitleid aufrufen , spritzen sie Gift in die arglose Seele de Theilnehmenden . « Sie sah ihn ruhig an , und schüttelte den Kopf : » Du kennst ihn nicht ; den nicht . Nein , Walter , das war keine Täuschung . Er schüttete seine volle Seele , seinen brennenden Schmerz , seine Selbstanklagen aus . Und dahinter blieb nichts zurück , kein Fältchen . - Wie eines Wahnsinnigen Reden klang es ja : aber wie die Wahnsinnigen im Alterthum , sagtest Du , die Wahrheit verkündeten . So spricht Keiner , daß er unwürdig sei , so entsagt Keiner dem , was ihm das Liebste ist - so spricht Keiner von dem Stern , der ihm zu spät geleuchtet . So nicht vom Vaterlande , das untergeht , So klagt sich Keiner an , daß er zu früh verzweifelt und darum selbst in dem Sumpfe versank , wo keine Rettung ist . Ich reichte ihm meine Hand , ich sagte , ich wollte ihn aufziehen , er rief : berühre mich nicht , es ist zu spät ! Walter , das vergess ' ich nie , das klang wie das Parzenlied . Da ist ein edler Mensch verloren gegangen . « » Verloren ! « rief Walter , in sich hinbrütend , » das ist ein schrecklich Wort . « Sie ergriff seine Hand : » Und darum , Walter , darum habe ich gesprochen , wie ein Mädchen nicht sprechen soll . Und nun betrachte mich wie Dein Eigenthum ; ich bin ganz ruhig und zufrieden . Schalte und walte damit , wie Du willst , schilt mich , züchtige mich nicht , daß ich den Schleier der Schicklichkeit zerriß , daß ich nicht abwartete , bis Du gesprochen . Bin ich nicht auch , wie die griechische Fürstentochter , fortgerissen aus dem Hause der Eltern , in die Welt gestoßen ? Mein Gott hat es so gewollt , daß das Schrecklichste , Unerhörteste an einem armen Mädchen vorüberging . Da ward sie eine andere . Und Du bist der Mann , an den sich das schwache Mädchen lehnt , Du der Einzige , den ich werth fand , mich ihm zu geben , wie ich bin . War ' s Recht oder Unrecht , nun ist ' s an Dir , zu entscheiden . Du aber bist nun die Säule , an die der Epheu sich rankt , Du der