aber bist das Kind , geboren im Land , wo Milch und Honig fleußt , die Sorge ist da überflüssig , die Trauben hängen Dir in den Mund , alles ist Gedeihen und Klima Deiner Wiege , alles trägt Dich und nährt und schützt Dich , solang Du das Klima nicht wechselst , und ob das , was Du dadurch erbeutest , der Welt genießbar sei , darauf kömmt es hier fürs erste gar nicht an , wenn Du nur durch eigne Sünde nicht im Werden gestört wirst , denn das ist die einzige Sünde . - Schweig über Dich und gelte ihnen , für was sie wollen , versprich mir das heilig , denn sonst würden sie Dich aus Deinem ursprünglichen Land verpflanzen , sie würden Dich aus Deiner Kindheit herausheben und etwas aus Dir machen wollen . - Und wie klagevoll wär ' s , wenn Du selbst Deinem inneren Leben , Deiner eignen Religion , die so sanft , so glücklich Dir dient , Dich aus eigner Schuld entfremdetest , o nein , ich will ' s nicht hoffen , bleib immerdar mit Deinen Geistern im Bund , die Dir Speise bringen , und verwerfe sie nicht um fremde Kost . Ich hab mir schon oft Vorwürfe machen lassen um Dich , wie hätte ich mich wehren können ? Es wär Verrat an Dir gewesen , nein , ich ließ Dich unberührt von ihren Augen . Was bist Du auch ? - Nichts als nur wie die Natur sich tausendfältig ausspricht - wie jene Schmetterlingshülle , die Du diesen Sommer aus dem Schlangenbad mitbrachtest , die äußerlich so fest war , daß nichts Fremdes sie verletzen konnte , und beim geringsten Berühren des Schmetterlings sich auftat , ihn zu entlassen , und dann sich wieder schloß . Wenn die Natur sich so eigen dazu verwendet , jede Störung ihrer Bildungen zu verhüten , sogar die leere Kammer , woraus sie ihr geflügeltes Geschöpf entläßt , sorgsam wieder schließt , wie sehr muß da der Instinkt in dies lebende Wesen eingeprägt sein , daß es sich keiner fremden Gewalt hingebe . - Du verstehst die Natur ja mannigfach , so wirst Du mich auch hier begreifen , nicht besser , nicht mehr kommst Du mir vor als alles , was in der Natur lebt , denn alles Leben hat gleiche Ansprüche ans Göttliche ; aber sorge nur , daß Du Dein eignes Naturleben nicht verletzest , und daß es sich ohne Störung entwickle . Dein klein Gedicht , was Du bei Gelegenheit der Langenweile gemacht , beweist mir , daß wir beide recht haben , für jeden andern wollt ich es als Gedicht rechnen , aber für Dich nicht , denn Du sprichst darin eine äußere Situation aus , nicht die innere , und ein Gedicht ist doch wohl nur dann lebendig wirkend , wenn es das Innerste in lebendiger Gestalt hervortreten macht , je reiner , je entschiedner dies innere Leben sich ausspricht , je tiefer ist der Eindruck , die Gewalt des Gedichts . Auf die Gewalt kommt alles an , sie wirft alle Kritik zu Boden und tut das ihre . Was liegt dann dran , ob es so gebaut sei , wie es die angenommne Kunstverfassung nicht verletze ? - Gewalt schafft höhere Gesetze , die keiner vielleicht früher ahnte oder auszusprechen vermochte ; höhere Gesetze stoßen allemal die alten um , und - wir sind doch noch nicht am End ! - Wenn doch der Spielplatz , wo sich die Kräfte jetzt nach hergebrachten Grundsätzen üben , freigegeben wäre , um der Natur leichter zu machen , ihre Gesetze zu wandlen ! Ich will nicht , daß Du auf meine Produkte in der Poesie anwendest , was ich hier sage ; ich habe mich auch zusammengenommen und gehorchen lernen ; und es war gut , denn es sammelte meinen Stoff in meinem Geist , der mir vielleicht als Inhalt nicht genügt haben würde , wenn mir die Form , die ich der Anmut zu verweben strebte , nicht den Wert dazu geliehen hätte ; ich glaube , daß nichts wesentlicher in der Poesie sei , als daß ihr Keim aus dem Inneren entspringe ; ein Funke aus der Natur des Geistes sich erzeugend ist Begeistrung , sei es aus welchem tiefen Grund der Gefühle es wolle , sei er auch noch so gering scheinend . Das Wichtige an der Poesie ist , was an der Rede es auch ist , nämlich die wahrhaftige unmittelbare Empfindung , die wirklich in der Seele vorgeht ; sollte die Seele einfach klar empfinden und man wollte ihre Empfindung steigern , so würde dadurch ihre geistige Wirkung verloren gehen . - Der größte Meister in der Poesie ist gewiß der , der die einfachsten äußeren Formen bedarf , um das innerlich Empfangne zu gebären , ja dem die Formen sich zugleich mit erzeugen im Gefühl innerer Übereinstimmung . Wie gesagt , wende nichts auf mich an von dem , was ich hier sage , Du könntest sonst in einen Irrtum verfallen . Ob zwar ich grad durch mein Inneres dies so habe verstehen lernen . Ich mußte selbst oft die Kargheit der Bilder , in die ich meine poetischen Stimmungen auffaßte , anerkennen , ich dachte mir manchmal , daß ja dicht nebenan üppigere Formen , schönere Gewande bereit liegen , auch daß ich leicht einen bedeutenderen Stoff zur Hand habe , nur war er nicht als erste Stimmung in der Seele entstanden , und so hab ich es immer zurückgewiesen und hab mich an das gehalten , was am wenigsten abschweift von dem , was in mir wirklich Regung war ; daher kam es auch , daß ich wagte , sie drucken zu lassen , sie hatten jenen Wert für mich , jenen heiligen der geprägten Wahrheit , alle kleinen Fragmente sind mir in diesem Sinn Gedicht . Du wirst wohl auch dies einfache Phänomen in Dir erfahren haben , daß tragische Momente Dir durch die Seele