ihres Zustandes sie hielt . Mit andächtiger Strenge ertrug sie die Qual einer Pflege , die ihr Schweigen , ihr Lager und das verhängte Zimmer gebot ; und so wurde Leonin oft von ihr getrennt und ihrem Zauber entzogen , den sie nur entwickeln konnte , wenn sie umher wandelnd die Dinge um sich her mit ihrem eigenthümlichen Geiste belebte . Dazu kam , daß der Gegensatz dieses Lebens zu dem eben verlassenen so ungeheuer groß war , daß auf die fieberhafteste Aufregung , die dort seine Tage belebt hatte , jetzt eine Abspannung eintreten mußte , die er nicht der vorangegangenen Extase , sondern dem jetzigen , ihm trostlos leeren und gehaltlos erscheinenden Leben zuschrieb , welches allerdings durch Fennimor ' s Zurückgezogenheit seines Hauptimpulses entbehrte . Er hatte in der daraus entstehenden Einsamkeit Zeit , sich zu wiederholen , daß er hier nicht mehr leben und glücklich sein könne - und es war vorläufig Alles , was er für Fennimor in sich erhielt , daß er bedauerte , sie nicht von Verhältnissen trennen zu können , die ihm jetzt niederbeugend schienen , nachdem er gelernt hatte , das äußere Leben über das innere zu stellen . Bald nahte der Augenblick , der ihn zuerst zwang , seine bedingte Stellung zu seinen jetzigen Verhältnissen anzudeuten . Der Vikar erinnerte nämlich nach dem vierten Tage , daß die Taufe des Neugebornen nach den Vorschriften der Kirche nicht länger verschoben werden könnte , und Leonin war dazu mit eben dem Leichtsinne bereit , wie er sie ohne Erinnerung vergessen haben würde . Er bat den Vikar , darüber mit Emmy Gray die Verabredung für den nächsten Morgen zu nehmen , und wollte sich eben beurlauben , als der Vikar ihn um die Namen bat ; da er noch heute das Kirchenbuch ausfüllen wolle , um in der Kirche dann die Unterschriften erfolgen zu lassen . Vor dieser Erinnerung blieb der junge Graf , wie vom Blitze getroffen stehen ! Der Trost jedes schwachen , unmännlichen Treibens , das Verschieben , das Hinhalten der Zustände , wie sie uns noch schonen und zu keiner Entscheidung zwingen , war ihm damit plötzlich entrissen - und wir dürfen ihm die Gerechtigkeit nicht versagen , daß er vor der Größe des nächsten Schrittes erbebte und seinen Inhalt fast mit Verzweiflung erkannte . Aber ihm war keine Rückkehr mehr denklich , obwol er auch dort weder Genuß , noch Lebensreiz erwartete . Er sagte sich daher , sein Paradies sei für ewig verschüttet - der Sinn , durch den er es einst gefunden , sei verloren , und was alle Schwächlinge thun : er gab sich auf , um fortsündigen zu können ! Wie schnell seine Gedanken auch die Vorstellungen durchliefen , die wir hier andeuteten , die Lücke des Stillschweigens war dennoch da , und er traf auf einen Blick des Vikars , der ihm sagte , der kluge Mann beobachte ihn . Dies reizte seinen Stolz , und er hatte schon die Miene der vornehmen Welt gelernt , die eine Ueberlegenheit andeuten soll , die durch nichts denkt vertreten werden zu müssen und sich geschickt glaubt , die Anforderungen bloß menschlicher Rechte , die ihnen unbequem sind , damit zurückzuweisen , als über die Grenzen ihrer besondern Bevorrechtung streifend . » Herr Vikar , « sagte er mit dem dazu passenden Tone , » ich werde Ihnen Ihre Weisung darüber zusenden - richten Sie das ein , was außerdem nöthig . « » Das werden zwei Zeugen sein , « erwiederte dieser kalt . » Haben Euer Gnaden darüber bestimmt ? « Leonin biß sich in die Lippen - er mußte wieder entscheiden ! » Nun , « sagte er , indem seine Gedanken im Fluge alle diesem kleinen Kreise angehörigen Personen durchflogen , » Mademoiselle Veronika und der Arzt werden vielleicht diese Ceremonie vervollständigen , ich werde Beide persönlich darum bitten . « Der Vikar neigte kaum merklich sein Haupt , und der junge Graf enteilte dieser peinlichen Unterredung . Aber er wagte nicht zu der Stelle zurück zu kehren , wo Fennimor ihr unschuldiges Haupt mit lieblichen Träumen ihres Glückes wiegte . Er eilte in die Wälder , die in ihrer duftenden Juli-Fülle den Verirrten zu fragen schienen , ob er ein Recht habe , sich in ihrem Bereiche unbefriedigt zu fühlen . Aber er sah und empfand ihren schönen Anspruch nicht . Bisher war er unthätig zum Bösen fortgetrieben worden ; jetzt zuerst sollte er selbstständig aussprechen , was er so lange sich selbst abläugnend um sich her geduldet hatte . Er fühlte sich in einer Zerrüttung , es ruhte eine Bürde auf ihm , die unleidlich schien ; - und der ewig gelenkte und bevormundete Jüngling war in einer Erbitterung , selbst entscheiden zu müssen , welche ihn hätte warnen können , da sie vielleicht der letzte Versuch seines guten Engels war , ihn aufzuhalten . Als er später , wie gewöhnlich , an Fennimor ' s Lager trat , war die Entscheidung in ihm vollendet . Kalt und ruhig blickte er auf sein Weib und das schlummernde Kind an ihrer Brust - er fühlte innerlich , daß er sich von ihnen geschieden hatte ; und in dem Maaße , wie er vor der Größe seines Frevels erbebte , in dem Maaße erkältete es ihn gegen die Gegenstände desselben . Fennimor lag in einem Fieberschauer , ihrem Zustande gemäß , der auch die Gestalt des Lieblings verhüllte ; er berührte das Kind nicht , was Emmy Gray ihm übergeben wollte , und fragte nur kurz und trocken , ob sie mit dem Vikar Verabredung genommen habe . Er wollte sich verhärten , um der Reue zu entgehen , und erfuhr das Schicksal aller schwankenden , unentschlossenen Menschen . - Einmal zum Handeln gezwungen , überholte er sich selbst und steigerte seinen Vorsatz über das erforderliche Bedürfniß ! - Als am andern Morgen der Vikar vor den Stufen des Altars den Grafen um die Namen des Kindes befragte , rief derselbe