Anfang ein schnelleres Erwachen einer zum Theil freilich nur erzwungenen Lust , und Lieder bald humoristischen , bald ernsthaften Inhalts wurden von Diesem und Jenem angestimmt . Dadurch erheiterte sich auch Burton ' s Laune . Man ließ Amerika leben und ein allbekanntes Nationallied ward mit steigendem Entzücken von der ganzen Gesellschaft gesungen . Der Castelan sah diesem Treiben mit nicht sehr billigenden Blicken zu , und wirklich lag auch in dem Kontrast , welchen die Lustigkeit Einzelner mit der Trauergewandung Aller hervorbrachte , für einen stillen Beobachter etwas unaussprechlich Beengendes . Dagegen zu reden , wäre freilich unnütz und , wenn man will , für den Wirth sogar beleidigend gewesen . Nach den ersten Gängen trat die Musik aus dem Nebenzimmer in den Saal , wo eine besondere Estrade für sie errichtet worden war . Alle Musiker waren schwarz gekleidet , trugen aber buntfarbige Bajazzokappen mit Schellen , was einen so allgewaltig komischen Eindruck auf die ganze Versammlung hervorbrachte , daß sich ein » unauslöschliches Göttergelächter « erhob . Da jeder Einzelne maskirt war , versuchten wir umsonst die Gesichter zu mustern . Bardeloh befahl inzwischen einen Straussischen Walzer , und bald flogen die Fiedelbogen , daß alle Mädchenfüße in zuckende Bewegung geriethen . Die Meisten der hervorragenden Anwesenden , unter Andern auch Steinhuder und Oskar , hatten Toaste ausgebracht , die sich freilich in feindseliger Rüstung trotzig gegenüber standen . Die Fastnacht war und blieb der allgemeine Versöhner . Wein und sonstige Aufregung hatte die Gemüther entflammt . Lauter ertönten die Stimmen , man wog nicht mehr das Wort und gestattete dem Gedanken eine ungewöhnliche Freiheit . Da erhob sich Bardeloh , ruhig , ernst , mit spöttischer Lippenbewegung . Schweigen fiel herab auf die Versammelten , denn man erwartete nicht mit Unrecht etwas Bedeutsames aus dem Munde des Geheimnißvollen zu vernehmen . » Es ist Fastnacht , « begann mit unsicherer Stimme der bleiche Mann , » und da ist es von jeher erlaubt gewesen , die Wahrheit zu sagen , ein Narr zu sein , ein Allerweltsnarr ! Auch ich fühle heut die Lust dazu in mir , bin aber nicht geneigt , viele Worte zu machen . Ich erhebe nur das Glas , und fordere meine ehrenwerthen Gäste auf , mit mir vereint die Idee leben zu lassen , welche in dem heut unterbliebenen Maskenzuge zur Erscheinung kommen sollte . Wer ein Freund der Wahrheit ist , der fülle sein Glas und stoße mit mir an ! Heda , Musik ! Es lebe diese verschleierte Idee ! « Die Musiker begannen zu spielen . Sie hatten die Masken abgeworfen , ich erkannte in ihrem Dirigenten den blödsinnigen Friedrich , dessen Bogenstriche übrigens jetzt in alter Weise sich wieder kenntlich machten . Die Gesellschaft war aufgestanden , doch rief es von allen Seiten wiederholt : » Sag ' an die Idee ! - Was sollte sie verwirklichen ? « - Wie zerstreut fuhr sich Bardeloh mit der Hand über die Stirn , griff im Busen und zog - Mardochai ' s Brief an mich hervor . Lächelnd reichte er denselben einem der zunächst Sitzenden . Es war ein Pietist . Der Mann gebot Ruhe und begann laut das Schreiben vorzulesen . Bardeloh erfaßte die Hand seines Sohnes , Mardochai stand ruhig auf , näherte sich unserm Gastfreunde und sprach fest , aber erbleichend : » Richard , was thun Sie ? « - » Was ich muß , « erwiederte der Gefragte . » Nach Gewißheit verlangt meine Seele . Ich muß noch in dieser Stunde erfahren , ob meine Gedanken auch die der Welt sind . « - » Der Segen Abrahams sei mit Dir ! « flüsterte Mardochai , » doch fürcht ' ich , Du hast nicht gut daran gethan . « - In diesem Moment erhob sich ein Murmeln , Schimpfen , Drohen . Der Pietist hatte den Brief fast zu Ende gelesen . Alles stand auf . » Lästerung ! Lästerung ! « schrien die Frömmler , Steinhuder an ihrer Spitze . » Ergreift sie ! « tobten Andere . » Den Juden faßt ! - Den reichen Nabob tödtet ! - - Schleppt sie vor Gericht ! - Nein , nieder mit ihnen ! Nieder mit ihnen ! « - Alle Schrecken des bigottesten Fanatismus schritten zügellos durch die schimmernden Säle . Mardochai war schon erfaßt worden , er wußte sich zu befreien , und schritt zwar fliehend , aber doch mit stolzer Haltung , der Thür zu , die nach Bardeloh ' s Kabinet führte . Dieser selbst bahnte sich , seinen zitternden Knaben im Arm , rasch den Weg eben dahin . Die Stimme des greisen Castelans sprach Worte des Friedens , die Frauen baten und suchten die Aufgeregten zu beruhigen , sich fest an sie klammernd . Burton , Oskar und ich , auch Gleichmuth , wir Alle boten die Kraft des Wortes auf , um die empörten Gemüther zu besänftigen . Allein der Aufstand war zu allgemein , die Gemüther verletzt in ihrem verborgensten Heiligthume . - Bardeloh öffnete die Thür seines Cabinets und stürzte mit Felix hinein , am Boden kniete in schwarzem Mönchsgewande , den Rosenkranz in der Hand , Bonifacius . Ein Druck gegen die Wand spregten die Tapetenthür , und es ward der bekannte Apparat sichtbar , beleuchtet von den dunkel flatternden Spiritusflammen . Hastig ergriff er einen Dolch , riß seinen Sohn zu sich empor , drückte ihn fest gegen seine linke Brust , und dann den blinkenden Stahl schwingend , rief er drohend gegen die Heranstürmenden , in deren Mitte ohnmächtig Mardochai gegen hundert Arme kämpfte : » Ich seh ' s , Euch ist nicht zu helfen . Die Wahrheit mögt Ihr nicht hören , selbst die Fastnacht darf sie nicht mehr laut aussprechen . Ihr lebt in der Lüge , im Wahn , in Unfreiheit ! Ich und mein Sohn aber , wir wollen frei sein . Gott sei Deiner Seele gnädig ! « Der Dolch zuckte in