Weiblichkeit ertragen haben , hätte ihre wahrhaft feste und vollständige Resignation ihn nicht ohne alle Beziehungen zu sich , blos als das schöne Urbild ihrer Liebe ihr erscheinen lassen . Als er sie anblickte , drang das unaussprechlichste Gefühl der Befriedigung durch ihr Herz , und sie gewahrte den tiefen schwermüthigen Ausdruck seines Blickes mit der schmerzlichen Ueberzeugung , daß er dem Mitleiden angehöre , womit er sie in Bezug zu Membrocke sah . Bald , sagte sie sich , wird der Schritt geschehen , der mich fürs Leben aus Deiner reinen Nähe treibt und meinen Namen den Verworfenen beigesellen wird ; Du wirst erröthen , mich unter diesem Dache einst gesehen zu haben . Ein Seufzer bezeichnete die Schwere des Opfers , das ihr auferlegt war , und sie fühlte sich fast getröstet , daß ihr Gefühl nie in seinem Herzen Wiederklang gefunden , und so ihm der Schmerz erspart blieb , an ihr sich scheinbar geirrt zu haben . Fast war es ein Glück , daß Ollonie ' s Zustand ihre Sorgfalt erforderte . Maria besaß vollkommen die Eigenschaft der Frauen , das eigene Interesse zurück zu drängen , und frei und hingebend sich einem fremden aufzuschließen . Ihr war mit der gütigen Empfindung zugleich der Takt verliehen , unscheinbar und ohne den Leidenden außer eigne Thätigkeit zu setzen , blos ergänzend oder stützend einzutreten , und namentlich war sie , schnell Olloniens Wesen überschauend , sie zur Kraft zu wecken bemüht . Eine lange Unterredung , in der sie doch , die eigentliche Vertraute zu werden , vorsichtig vermied , hatte Ollonie nicht allein überzeugt , daß Maria sich ihrem theuern Oheim nicht vermählen wolle , sondern auch in ihr jene jungfräuliche Empfindung geweckt , die sie fürs Erste zur Selbstbeherrschung zwingen konnte . So hoffte Maria sie aus dem leidenschaftlichen Zustand zu erlösen , den ihr die Eifersucht gegeben , und für Ormond Zeit zu gewinnen , von der sie das Glück Beider hoffen zu dürfen glaubte . So dem fremden Interesse hingegeben , hatte die junge Heldin fast keinen Blick für ihre eigene Zukunft übrig , fiel er aber darauf , dann schaute sie in ein undurchdringliches Dunkel , worin sie nur das eine Bild ihres theuern verfolgten Oheims als Ziel und Lichtpunkt erblickte . Dahin wandten sich dann alle Kräfte ihrer edeln Seele , und verliehen ihr den ruhigen Ernst , der zwar alle Blüten des Glückes verschließt , aber desto freier und stärker jede Tugend der Seele zur Reife bringt . Sie schien sich seit diesem Morgen weit über die Zeit der Jugend hinaus entrückt , und wie jede Bewegung ihrer Seele sich ihrem Aeußeren mittheilte , so trug ihr ganzes Wesen jene ernste und ruhige Würde , welche die Abfindung mit dem Leben bezeichnet . Membrocke konnte dies nicht übersehen , und es gehörte nicht zu seinen angenehmen Beobachtungen ; er hätte sie lieber hinfällig und außer sich erblickt . Diese feste Haltung schien ihm wenig Rechte über sie lassen zu wollen , und er verwünschte dies ihm stets neue Aufgaben bereitende Mädchen . Als die Tafel aufgehoben war und die jüngeren Personen sich dem fröhlichen Beisammensein überlassen wollten , fühlte Maria sich unfähig , daran Theil zu nehmen . Ihr Herz sehnte sich mit kindlicher Innigkeit nach dem Beisammensein mit der Herzogin von Nottingham . In ihrer Nähe wollte sie die letzten Stunden durchleben und sich stärken zu dem großen Schritt , der ihr bevorstand . Schaudernd sah sie , wie Membrocke sich nach der Tafel von Allen beurlaubte . Indem er sich auch ihr ehrerbietig zum Abschiede näherte , warf er ihr einen vertraulichen Blick zu und flüsterte : Um neun Uhr bin ich zurück . Maria vergaß , tief beleidigt , ihr ganzes Verhältniß zu ihm und antwortete ihm blos durch einen Blick voll Verachtung . Aber ihr Gesicht war , Allen sichtbar , mit Blut übergossen , und Richmond wendete sich von ihr ab und verließ die Gesellschaft . Als die beiden Herzoginnen sich entfernt hatten , blieb Maria in dem schmerzlichen Gefühl , alle hier Versammelten zum letzten Male zu sehen , wie gefangen zurück . Von Allen nahm sie im Geiste Abschied ; ach , Keiner schien ihr mehr unbedeutend oder unliebenswürdig . Selbst die Pagen , die Diener , die noch mit dem Dienste beschäftigt hin und wieder gingen , Alle flößten ihrer Seele das schmerzlichste Interesse des nahen Abschieds ein . Lucie hing sich in ihre Arme und begehrte morgen früh den Spaziergang mit ihr , und nun ward sie von allen Mädchen umgeben , die sie liebevoll drängten , den Jagdzug mitzumachen , den Richmond für morgen vorgeschlagen und Maria , unfähig ihn zu belügen , abgelehnt hatte . - Da entschlüpfte sie rasch den ungestümen Liebesbeweisen , die ihre Brust zerrissen , und eben so wenig fähig , allein zu bleiben , führte sie ihren Vorsatz aus , zur jüngeren Herzogin sich zu begeben , in deren ernster , gemäßigter Nähe sie gegen neue Erschütterung der Art sich gesichert hielt . Als sie , von dem meldenden Pagen geführt , in das lange gothische Zimmer eintrat , in dessen Fenstervertiefung die Herzogin saß , gewahrte sie zu ihrer Ueberraschung Lord Richmond vor ihren Füßen auf einem niedern Fensterbänkchen sitzen . Willkommen , Lady Maria , sprach die Herzogin , während Richmond schnell aufsprang . Ihr seid gütig , mir Euern Nachmittag schenken zu wollen , da Alle , wie ich höre , sich auf eine Cavalcade begeben . Damit reichte sie Maria die Hand entgegen , welche diese mit beklommenem Herzen an ihre Lippen drückte . Und doch , Mylady , sprach Maria , fürchte ich , seid Ihr zu gütig gewesen , mich anzunehmen . Ihr hattet liebe Gesellschaft , Ihr hattet vielleicht Geschäfte , setzte sie hinzu , auf Richmond blickend , der , mehrere Papiere in der Hand haltend , stumm grüßend ihr gegenüber stand . Ich hätte in diesem Fall es Euch aufrichtig gesagt , erwiederte die Herzogin