Familienvater war , er ging mit schwerer Ahnung , ich gab ihm ein Sacktuch , alten Wein und das Versprechen , zu schreiben , zum Abschied . Da wurde denn überlegt und all des Guten gedacht , was sich während dieser kurzen Bekanntschaft ereignet hatte , und da wurde überdacht , daß meine Worte über Dich , mein liebendes Wissen von Dir und der Mutter , ein heiliger Schatz sei , der nicht verloren gehen solle , in der äußern Schale der Armut würde ein solches Kleinod am heiligsten bewahrt sein , und so kam ' s , daß meine Briefe mit den einzelnen Anekdoten Deiner Jugend erfüllt waren , deren eine jede wie Geister zu rechter Zeit eintrat , und Laune und Verdruß verscheuchten . - Der Zufall , uns der geheiligte , trägt auf seinen tausendfach beladenen Schwingen auch diese Briefe , und vielleicht wird es so , daß , wenn Fülle und Üppigkeit einst sich wieder durch das mißhandelte Fruchtland empordrängen , auch er die goldne Frucht niederschüttelt ins allgemeine Wohl . Manches habe ich schon in dermaliger Zeit mit wenig Worten gedeutet , mehr zu Dir darüber sprechend , da ich Dich noch nicht kannte , nicht gesehen hatte , oder auch war ich mit dem Senkblei tief in eignes Wohl und Weh eingedrungen . - Verstehst Du mich ? - Da Du mich liebst ? - Willst Du so , daß ich Dir die ehemalige Zeit vortrage , wo , so wie mir Dein Geist erschien , ich mich meiner eignen Geistigkeit bemächtigte , um ihn zu fassen , zu lieben ? - Und warum sollte ich nicht schwindeln vor Begeisterung , ist denn das mögliche Hinabstürzen so furchtbar ? - Wie der Edelstein , vom einsamen Strahl berührt , tausendfache Farben ihm entgegenspiegelt , so auch wird Deine Schönheit vom Strahl der Begeisterung allein beleuchtet , tausendfach bereichert . Nur erst , wenn alles begriffen ist , kann das Etwas seinen vollen Wert erweisen , und somit begreifst Du mich , wenn ich Dir erzähle , daß das Wochenbett Deiner Mutter , worin sie Dich zur Welt brachte , blaugewürfelte Vorhänge hatte . Sie war damals achtzehn Jahre alt und ein Jahr verheiratet , hier bemerkte sie , Du würdest wohl ewig jung bleiben , und Dein Herz würde nie veralten , da Du die Jugend der Mutter mit in den Kauf habest . Drei Tage bedachtest Du Dich , eh Du ans Weltlicht kamst und machtest der Mutter schwere Stunden . Aus Zorn , daß Dich die Not aus dem eingebornen Wohnort trieb und durch die Mißhandlung der Amme kamst Du ganz schwarz und ohne Lebenszeichen . Sie legten Dich in einen sogenannten Fleischarden und bäheten Dir die Herzgrube mit Wein , ganz an Deinem Leben verzweifelnd . Deine Großmutter stand hinter dem Bett , als Du zuerst die Augen aufschlugst , rief sie hervor : » Rätin , er lebt ! « » Da erwachte mein mütterliches Herz und lebte seitdem in fortwährender Begeisterung bis zu dieser Stunde ! « sagte sie mir in ihrem fünfundsiebzigsten Jahre . Dein Großvater , der der Stadt ein herrlicher Bürger und damals Syndikus war , wendete stets Zufall und Unfall zum Wohl der Stadt an , und so wurde auch Deine schwere Geburt die Veranlassung , daß man einen Geburtshelfer für die Armen einsetzte . » Schon in der Wiege war er den Menschen eine Wohltat « , sagte die Mutter , sie legte Dich an ihre Brust , allein Du warst nicht zum Saugen zu bringen , da wurde Dir eine Amme gegeben . An dieser hat er mit rechtem Appetit und Behagen getrunken , da es sich nun fand , sagte sie , daß ich keine Milch hatte , so merkten wird bald , daß er gescheiter gewesen war wie wir alle , da er nicht an mir trinken wollte . Siehst Du , nun bist Du einmal geboren , nun kann ich schon immer ein wenig pausieren , nun bist Du einmal da , ein jeder Augenblick ist mir lieb genug , um dabei zu verweilen , ich mag den zweiten nicht herbei rufen , daß er mich vom ersten verdränge . - Wo Du bist , ist Lieb und Güte , wo Du bist Natur ! - Jetzt wart ich ' s erst ab , daß Du mir wieder schreibest : » Nun , erzähl weiter . « Dann werd ich erst fragen : Nun , wo sind wir denn geblieben ? - Und dann werd ich Dir erzählen von Deinen Großeltern , von Deinen Träumen , Schönheit , Stolz , Liebe usw. Amen . Rätin , er lebt ! Das Wort ging mir immer durch Mark und Bein , so oft es die Mutter im erhöhten Freudenton vortrug . Das Schwert der Gefahr Hängt oft an einem Haar , Aber der Segen einer Ewigkeit Liegt oft in einem Blick der Gnade bereit kann man bei Deiner Geburt wohl sagen . Bettine P.S. Schreib bald , Herzenskind , dann wirst Du auch bald wachsen , in die liebsten Jahre kommen , wo Dein Mutwille Dich allen gefährlich machte und über alle Gefahr hinweghob . - Soll ich Dir bekennen , daß dieses Geschäft mir Schmerzen macht , und daß die tausend Gedanken sich um mich herlagern , als wollten sie mich für ewig gefangennehmen ? Zelter läutet und bummelt mir Deine Lieder vor wie eine Glocke , die von einem faulen Küster angeläutet wird , es geht immer Bim und zu spät wieder Bam . Sie fallen alle übereinander her , Zelter über Reichard , dieser über Hummel , dieser über Righini und dieser wieder über den Zelter ; es könnte ein jeder sich selbst ausprügeln , so hätte er immer dem andern einen größeren Gefallen getan , als wenn er ihn zum Konzert eingeladen hätte . Nur die Toten sollen sie mir ruhen lassen und den Beethoven , der gleich bei seiner Geburt auf ihr Erbteil Verzicht getan hat .