kreucht . « Die Fliege auf dem Tische Hör ich deinen Kopf so brummen , Oder muß ich selbst so summen ? Trank vom allerbesten Wein , Schlief beim letzten Tropfen ein , Setz mich nun auf deine Nase , Daß ich höre , wie sie blase . Johanna schlägt ungeduldig nach der Fliege und liest weiter : Und Gott der Herr machet den Menschen aus dem Erdenkloß und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase . Und also ward der Mensch eine lebendige Seele . Die Mücken , die zum Fenster hinausfliegen Hab dich umflogen , Blutiges Feuer Glänzt mir im Leibe , Das ich beim Schreiben Dir ausgesogen ; Tieferes Feuer Glänzet im Abend , Tanz ich im Glanze , Vergeht es so labend . Johanna kratzt sich an Händen und Füßen , dann lieset sie weiter : Und Gott der Herr pflanzet einen Garten in Eden und setzet den Menschen drein . Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume , lustig anzusehen und gut zu essen , und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum des Erkenntnisses vom Guten und Bösen . Der Baum vor dem Fenster Über deinem Haupte Schweben die Sorgen , Über meinem belaubten Haupte wie Morgen Glänzet der Abend ; Kühlend und labend , Schwebet der Vogel , Rauschet der Wind . Liebliches Kind Steige geschwind Mir auf die Äste , Die ich im Weste Neige und zeige , Zeig dir ein Nest , Halte dich fest , Steige hinein , Alles ist dein ; Zeige dir Früchte , Glühend im Lichte , Kühlend im Mund Saftig und rund . Aller der Tage Arbeit und Plage Himmlischer Lohn , Gibt dir mein Thron ; Herrlich ist wohnen Hier in den Kronen . Johanna sieht ihn lange an und liest weiter : Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach : » Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten ; aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen , denn welches Tages du davon issest , wirst du des Todes sterben . « Ein Schmetterling , der durch die Fensterscheiben fliegen will Was gähnst du wieder Und streckst die Glieder ? Springe mir nach Heiter und wach ; Noch nimmermehr Kam ich hieher , Kann nicht heraus Hier aus dem Haus , Habe kein Bangen , Lasse mich fangen , Laß mich am Kranz Spielen im Glanz . Johanna Das ist ein Totenvogel gar , Den such ich schon ein ganzes Jahr , Er soll mich doch nicht stören , Ich will ihn gar nicht hören , Ich bin zwar von der Arbeit müd , Doch stören soll mich noch kein Lied . Marienwürmchen Sieben Punkte trag ich schwer , Mach doch einen Punkt daher , Daß die Arbeit schließe ; Bring dir viele Grüße Von den Nachbarskindern , Die sind viel geschwinder , Die sind alle fertig , Deiner schon gewärtig ; Hast du viel geschrieben ? Kann ja gar nichts finden , Sag , wo ist ' s geblieben , Kann das so verschwinden ? Johanna Hört mir nur einmal zu , ihr Tierlein , laßt das Singen , Ich fühl ' s , die Arbeit wird mir endlich doch gelingen , Ich war so ganz in Lust und Sonnenglanz versunken ; Vor meinem frohen Blick gestalteten sich Funken , In wunderbar Gespräch hört ich die Lichtgestalten . O könnt ich euch nur fest zu meiner Arbeit halten , Ein schönes Bild so schnell im schönern untergeht , Kaum weiß ich , wo ich bin , wo mir der Kopf jetzt steht ; Könnt ich bei einer Arbeit nur beständig bleiben , Doch andres wird mir lieb und andres soll ich treiben . Nun jetzt bleib ich dabei , bis ich zum Schluß gelange , Daß ich ein Prämium aus Meisters Hand empfange . Der Titel ist gemalt und das Papier gefalten , Mag nun der liebe Gott mit meinem Geiste walten , Daß all sein Schöpfungswerk , in sieben Tag verrichtet , An diesem Abend noch in Worten sei berichtet , Ein jedes Kraut genannt , die Vögel all beschrieben , Der ganze Frühling zeigt , wo Lücken sind geblieben , Im Alten Testament , das will ich alles fassen , Und eh ' nicht alles drein , nicht von der Arbeit lassen . Wie dumm nun geht das Licht , da ich es eben brauche , Ich las mich schon ganz trüb , als ob ' s im Zimmer rauche , So spielt der letzte Strahl und strahlt im Sonnenstaube Und draußen weht ' s so kühl in meiner Bohnenlaube ; Die Vögel betten sich lautrauschend in den Hecken , Wo mag mein Eichhörnlein wohl jetzo wieder stecken . Heida ihr Tauben bunt , kommt ihr vom Feld zurücke ? Ich öffne euer Haus - nun fliegt ihr fort aus Tücke ; Ins Freie will ich auch , zu fleißig tut kein gut , Ein kluges Kind stirbt jung , ich kühle meinen Mut . Der Wiesenplan steht voll von schöner gelber Blume , Die hau ich all herab zu meinem ew ' gen Ruhme , Als wär ' s die Heidenbrut im Turban farbig schön , Sie sollen sich gestreckt vor Christi Kreuze sehn ; Das sei zuerst geschmückt mit frischem Blumenkranz , Gewißlich macht es Freud dem guten Spiegelglanz , Im frischen Abendwind verspring ich dann die Füße Und dann der stillen Nacht zur Arbeit ganz genieße . Als sie nun gefunden , daß es ihr mit den Alexandrinern ziemlich leicht ginge , sprang sie noch leichter zur Türe hinaus , pflückte aus allen Blumenbeeten , die schön geordnet da standen , vorsichtig heraus , daß keines leerer schien , vielmehr seine neuen Knospen freier und wechselnder zum Licht ausstreckte . Der Kranz war schnell geflochten und das Christusbild bekränzt ; sie wollte ein kindisches Lied auf ihn anfangen : » Christus meine Puppe , segne heut die Suppe «