gemalt hatte ; und als ich endlich weinend an seine Brust sank , und ihm sagte , ich könnte nicht leben ohne ihn , da schloß er mich heftig und mit nassen Augen an sein Herz , und gestand mir , daß es sein heißer Wunsch gewesen sey , sich nicht von mir trennen zu dürfen , daß er vor meinem Ausspruch gezittert , und nur aus ängstlicher Sorge für meine Gesundheit und seine Vaterhoffnungen sich verpflichtet gefühlt habe , mir Alles vorzustellen , was ich wagte , und unternahm . O Junia ! Welche Leiden , welche Beschwerlichkeiten müßten das seyn , die ich nicht mit Freuden ertrüge , um seine Gegenwart , das Glück , mit ihm zu leben , damit zu erkaufen ! So war denn unsere Abreise fest bestimmt , als plötzlich , ich kann eben nicht sagen , ein unerwartetes , aber doch ein überraschendes Ereigniß sie noch eine Weile verschob . Die Königin von Armenien endigte vor einigen Monaten ihr schwermuthvolles Leben , und wenn ich mir denke , wie wenig glücklich sie sich selbst bei der Erfüllung aller ihrer Wünsche fand , so kann ich bei diesem Verlust , wie du mir einst sagtest , wieder nur die Zurückgelassenen bedauern , und auch diese in dem gegenwärtigen Falle nicht tief . Der König kam vor zwei Monaten hieher , um seinem Schmerz zu entfliehen , um sich zu zerstreuen , und wirklich sah ich noch nie einen Menschen , dem dies Bestreben so bald und vollständig gelungen wäre , als ihm . Die schöne Calpurnia , die Freundin seiner verstorbenen Frau , war natürlicher Weise die erste Person , bei welcher er Trost und Beruhigung suchte . Sie weinte mit ihm , sie hörte seine Klagen an , in der Liebe für die Entrissene begegneten sich ihre Seelen , und was können die Seelen dafür , wenn ein solches Zusammentreffen länger währt , als gerade der Schmerz erforderte , wenn man sich einander wieder , und abermals wieder zu begegnen wünscht , und wenn endlich die Seelen in so reizende Hüllen eingeschlossen sind , daß sie vor Vergnügen , einander in diesen Hüllen zu bewundern , gar nicht mehr von einander scheiden wollen ? Ich muß gestehen , Tiridates ist vielleicht die schönste männliche Gestalt , die ich je gesehen habe ; die Art und die ausnehmende Pracht seiner Kleidung trägt noch mehr bei , sie im vortheilhaftesten , im wahren königlichen Glanz und Anstand zu zeigen . Dennoch glaube ich , wenn ich noch in der Blüthe meiner Jugendgefühle wäre , diese kolossalen Formen , diese lebhaft und munter blitzenden Augen , dieser Ausdruck von Lebenslust und Fröhlichkeit würde mich nie angezogen haben . Calpurnia denkt anders . Nur kann ich nicht recht fassen , wie der Ausdruck so entgegengesetzter Gemüther , so ganz verschiedene Erscheinungen , als Agathokles und der König sind , so schnell hintereinander dieselbe Person in derselben Stärke rühren konnten . Doch wer ergründet das menschliche Herz in seinen Widersprüchen und Inconsequenzen ! Es ist hierüber nichts zu sagen , und Niemand zu tadeln , weil er auf eine Weise fühlt , die wir nicht begreifen können . Schon bei dem ersten Besuch , den sie uns einige Tage nach Tiridates Ankunft auf der Villa machten , war es mir sehr wahrscheinlich , der König werde sich bei Calpurnien über seinen Verlust trösten , und sie den ihrigen gern und leicht über einen so schimmernden Ersatz vergessen . Er hatte nichts beobachtet . Du weißt , Männeraugen sehen in dergleichen Dingen nie scharf , nur in unsere Seelen hat die Natur über solche Dinge ein gar zu feines , sicheres Gefühl gelegt . Wir ahnen , wir erkennen diese Erscheinungen bei uns und Andern leicht , wenn wir auch von den Gründen oder Merkmalen keine deutliche Rechenschaft zu geben wissen . Bei der zweiten , dritten Zusammenkunft blieb mir kein Zweifel übrig . Tiridates redete mit meinem Gemahl von unserm Glück , von unsern Hoffnungen , mit feuriger , nicht wehmüthiger Begeisterung , er sprach von der Nothwendigkeit , seines Volkes Glück durch eine unbestreitbare ruhige Thronfolge zu sichern ; von dem traurigen Loose der Regenten , die so selten den Neigungen ihres Herzens folgen dürften , von der Nothwendigkeit , seine liebsten Gefühle , den gerechtesten Schmerz zu besiegen , wenn es höhere Rücksichten fordern u.s.w. , und Calpurnia ward von dieser Zeit an von der Augusta und des Cäsars Gemahlin mit vorzüglicher Aufmerksamkeit behandelt . Indessen verbreitete sich das Gerücht , und wurde bald zur Gewißheit , Diocletian wolle das zwanzigste Jahr seiner glücklichen Regierung , und den Sieg über die Perser durch einen feierlichen Triumph in Rom , das er , wie ich glaube , als Augustus gar noch nicht gesehen hat , feiern . Es wurden glänzende Anstalten dazu gemacht , der Abendländische Augustus ebenfalls dazu aufgefordert , und Tiridates fand es nun nöthig , einen Entschluß , der langst schon fest in seiner Seele lag , öffentlich zu erklären , bevor der Kaiser Nikomedien verließe . Er warb feierlich um Calpurnia bei ihrem Vater , und dem Kaiser , der den Proconsul außerordentlich schätzt , und seine Einwilligung so schnell und freudig gab , daß es wohl scheint , diese Anwerbung sey nichts als eine Förmlichkeit , und die Sache selbst schon vorher unter den Hauptpersonen verabredet gewesen . Als er mit freundlicher Wärme in Algathokles drang , seine Abreise zu verschieben , um Zeuge eines Zeitpunkts zu seyn , der für das Glück seines Freundes so wichtig wäre , mochte er wohl fühlen , daß diese schnelle Wahl , diese noch schnellere Vollziehung Agathokles befremdete . Mit leichtem Ton , und noch leichterem Sinn entschuldigte er diese Uebereilung durch seine Verhältnisse , die Forderungen der Pflicht , die gähe Abreise des Kaisers , und sagte , daß , da er nun einmal hätte wählen müssen , alte Freundschaft , Achtung für Sulpiciens Andenken , und des Proconsuls bedeutender Einfluß seine Wahl auf