und ihre Trauer bewegte sich in der einförmigsten Umgebung ; hätte sie weniger Leben in sich gehabt , sie würde wohl den Verstand verloren haben - aber sie sehnte sich dennoch nach Liebe , obschon nicht nach der ewigen ; sie bildete neue Reize in sich , die weniger witzelten und herrschten , jenen stummen tiefen Reiz , dem man sich ergiebt wie dem Schlummer an heißen Tagen , und dem man am kühlen Abend rüstig entgeht - . Sie konnte diese Schwermut nicht bewegen , und war selbst leidend , wenn sie reizte , - dabei ein Bewußtsein bei allem diesem , das sie zur Frevlerin machte . Ihre Liebe zu meinem Vater war nicht ohne Leben geblieben , sie gebar einen Sohn , ( Sie kennen ihn unter dem Namen Römer ) , und liebte ihr Kind - . In der Nacht seiner Geburt verschwand Kordelia von dem Landhause , ohne daß irgend eine Nachricht von ihr zu finden war . Nun war sie ganz allein , und sehr unglücklich : sie schrieb mehreremal an meinen Vater , ohne Antwort zu erhalten , er möge sich ihrer erbarmen ; aber von seinem Kinde meldete sie nichts : sie gehe auf bösen Wegen , schrieb sie , ihre Ehre sei verloren , und sie werde noch tiefer sinken ohne ihn , er möge sie wieder aufrichten ; sie erhielt keine Antwort - . Um der Verzweiflung zu entgehen , zog sie in die nahgelegne Stadt , machte vielen Aufwand , und war eine galante Frau , mit einem armen zerrissenen Herzen . Man gewöhnt sich an alles , sie gewöhnte sich an den freien Umgang mit Männern , an ihren üblen Ruf und seine Folge , ihren üblen Beruf , sie hörte ihr Leben auf und fing eine Lebensart an . Sie war also keine exemplarische Frau , aber dennoch eine vortreffliche Mutter : ihr Sohn erhielt die schlichteste reinste Erziehung , von ihr getrennt ; jährlich sah sie ihn mehrmal , und wer sie in den Minuten gesehen hätte , wo sie ihn in den Armen hielt , er hätte ihre Lebensart eine Lügnerin gescholten . So lebte sie mehrere Jahre : ihr letzter Günstling war Carl von Felsen , ein Deutscher ; er brannte so heftig für sie , und die schönen Trümmer ihres ehemaligen Gemütes rührten ihn so tief , daß er sie verließ , ohne ihr zu sagen wie er meinen Vater aufsuche , um ihn zur Rechenschaft zu ziehen ; - er reiste ihm lange nach , denn er hatte keinen festen Aufenthalt mehr . - Molly konnte das plötzliche Verschwinden ihres Geliebten nicht begreifen , und es schmerzte sie um so mehr , da sie den Entschluß gefaßt hatte , sich mit ihm zu verbinden , und in ihm ihr unruhiges Leben zu lösen . Einige Monate nach seiner Entfernung besuchte sie ein Mann , den Felsen empfohlen hatte wie seinen einzigen Freund , dieser war niemand als Joseph , der aus Deutschland nun einige Monate weg war - . In dem Briefe , den er von Felsen mitbrachte , standen folgende Zeilen - » Geben Sie diesem Menschen Ihr ganzes Vertrauen ; ich hoffe , daß er vieles in Ihrem Herzen wieder erbauet , was ich nicht kenne , und doch vermisse , denn ich liebe Sie : aus seinen Händen empfange ich Sie gern , er soll unser Mittler werden . « Joseph konnte ihr nicht sagen , wo Felsen war , er hatte seinen Brief in London ohne Anzeige seines Aufenthalts erhalten - . Wie Joseph auf sie wirkte , wissen wir aus ihrem Briefe im ersten Bande dieses Romans , Seite 81 - . Sie ging als ein neues Wesen aus seiner Hand hervor , und war entschlossen , einstens in Deutschland zu leben , wo er sein werde . - Joseph reiste nun nach Amerika . Molly harrte und harrte auf Felsen , aber es sollte ihr nicht werden , sich ihm als ein ruhiges entschloßnes Weib zu geben . Felsen hatte meinen Vater gefunden , hart mit ihm gerechtet , und es kam zum Zweikampf : mein Vater wäre so gerne totgeschossen worden , aber er sollte seinen Gegner töten - . Molly erhielt diese Nachricht , ohne zu erschrecken ; sie sagte nur : » Warum mußte dieser sterben , und ich darf leben ? « - Denn sie hatte nur gehört , daß er getötet worden sei : da sie aber einen Brief von meinem Vater erhielt : » daß er ihren Geliebten erschlagen habe , und nun sehr gestraft sei für das , was er an ihr begangen habe « , wollte sie verzweifeln - . Mein Vater floh nun nach Deutschland : er hatte sich fest entschlossen , alles in sich zu verschließen , und ruhig ein neues einfaches Leben zu beginnen . Sie wissen , was er tat , aus Mariens Geschichte ; Sie müssen aber noch wissen , warum Joseph ausblieb . Er hatte einen Sturm erlitten , war lange verschlagen gewesen , und fing dann wieder an zu schreiben . - Diese Briefe hat mein Vater aufgefangen , und der Totenschein war falsch . - Als Joseph nach England kam , besuchte er Molly , er fand sie wieder auf ihrem Landhause , mit wenigen Freunden umgeben , und hörte Carl von Felsens Tod durch Godwis Hand . Mit Molly traf er die Verabredung , ihr aus Deutschland zu schreiben , ob und wo sie hinkommen solle - . Was er dort fand , wissen Sie . - Dreißigstes Kapitel Joseph war eine Zeitlang umhergeirrt , verband sich endlich mit der Tochter eines Amtmanns in einem kleinen Städtchen , arbeitete mit seinem Vater zugleich : da dieser und bald darauf sein Weib gestorben war , zog er auf den Berg , wo wir ihn unter dem Namen Werde Senne kennen gelernt haben . Godwi wendete sich hier lächelnd mit folgenden Worten zu mir : » Sie sind wunderbar mit dem