geheimnißvoll mit den Augen blinzelnd . gemeint ; wen , das wisse sie nicht ; sie habe nur den Auftrag erhalten , das Fremdenzimmer mit hübschen , neuen Möbeln zu versehen . Und dabei hatte sie stolz die breite , weißglänzende Flügelthür zurückgeschlagen , und Käthe war in einen Thränenstrom ausgebrochen – sie mußte an ihre Henriette denken , die hier gelitten hatte , und doch noch einmal in ihrem armen Leben so glücklich , so stillselig gewesen war . Neben dieser schmerzvollen Erinnerung rang sich aber auch noch eine nie gekannte , heißaufquellende Eifersucht empor . Wer war sie , die sich an das Herz der Tante gedrängt und die alte Frau so sehr für sich eingenommen hatte , daß sie als Besuch mitkommen durfte ? Die rosenbestreuten Gardinen und die schaukelnden Blumenampeln waren an den Fenstern verblieben ; die altmodische , mühsam zusammengesuchte Zimmereinrichtung dagegen hatte modernen , hübschen , wenn auch sehr einfachen Kirschbaummöbeln weichen müssen , und statt der verblichenen Bilder aus Voß ’ „ Luise “ hingen einige schöne Landschaften an den helltapezierten Wänden . Der , ach , so wohlbekannte Raum war in ein trauliches Wohnzimmer umgewandelt und ein anstoßendes , früher vollkommen leerstehendes Cabinet als Schlafgemach eingerichtet worden . Dies Alles hatte Käthe noch einmal mit thränenverdunkelten Augen überblickt , dann war sie heimgegangen , um an den Schreibtisch zu treten und noch einige nöthige Geschäftsbriefe zu schreiben . Kaufmann Lenz sollte am Abende von seiner geschäftlichen Rundreise zurückkehren ; bis dahin hatte die junge Herrin noch Manches zu erledigen , um dann , abgelöst von ihrem Posten , auf vierzehn Tage nach Dresden zu ihren Pflegeeltern zu reisen . Ach , wie entsetzlich zerstreut war sie doch heute ! Wie klopften ihre Pulse , und wie abscheulich zerfahren kamen die sonst so sicheren Gedanken und Buchstaben aus ihrer Feder ! Und nun trat auch noch die Jungfer der Präsidentin ein ; sie hatte den großen , leeren Marktkorb am Arme , “ weil sie eben das bißchen Bedarf für die Festtage in der Stadt einkaufen wollte ; es sei ja nur ein kleiner Umweg über die Mühle , habe die gnädige Frau gemeint und ihr einen eben eingelaufenen Brief von Fräulein Flora zum Durchlesen für das “ liebe Fräulein Käthchen ” mitgegeben . Suse wurde sofort beordert , den Korb bis an den Rand mit ihren schöngerathenen Napfkuchen und allen möglichen guten Dingen aus der Speisekammer zu füllen , der Brief aber lag noch unberührt auf dem Schreibtische , als die Jungfer längst in die Stadt zurückgekehrt war . Die Präsidentin hatte dem jungen Mädchen schon einige Male die Zuschriften der Stiefschwester mitgetheilt -- es war Käthe zwar stets zu Mute gewesen , als glühe das Briefblatt zwischen ihren Fingern , aber sie hatte pflichtschuldigst gelesen , um nicht feindselig zu erscheinen . Auch jetzt überschlich sie das Gefühl , als müsse aus dem starkparfümierten Kouvert da neben ihr eine Flamme züngeln , um sie zu verletzen . Unwillig schob sie das widerwärtige kleine Viereck mit dem Ellenbogen weiter , sodaß es unter einem Stoße von Rechnungsformularen verschwand -- sie sah nicht ein , weshalb sie sich auch noch durch das Lesen einer der meist sehr frivolen und von Anmaßung und Uebermut strotzenden Episteln aufregen solle , wie es bisher stets der Fall gewesen war . Die Feder wurde wieder aufgenommen , aber nur für wenige Augenblicke . Erregt griff das junge Mädchen wie nach einem schützenden Talisman nach den mitgebrachten Veilchen , die vor ihr im Glase standen , und atmete den kühlen , süßen Duft ein . Sie trat an ihren Flügel und spielte zur inneren Beschwichtigung eine harmlose , sanfte Melodie ; sie öffnete eines der Fenster und streichelte die kirren Tauben , die draußen auf dem Sims hockten , und dabei sagte sie sich wiederholt , daß die Uebermittelung des Briefes im Grunde ja nur ein maskiertes Attentat auf ihre Speisekammer gewesen sei -- aber es mußte ein böser Zauber in dem unseligen Kouvert stecken . Das Blut stürmte ihr immer heißer nach dem Kopfe , bis sie , glühend wie im Fieber , plötzlich die Formulare wegstieß und mit hastigen Fingern den Brief ergriff . Beim Entfalten des Papierbogens fiel ein verfiegelter Zettel heraus -- sie bemerkte es nicht -- ihre Augen irrten über den Anfang der Zuschrift ; sie wurden groß und weit , und unwillkürlich griff das starke Mädchen nach einer Stütze , um sich eine festere Haltung zu geben . Flora schrieb von Berlin aus . “ — Du wirft wohl lache und triumphieren , liebe Großmama , aber ich sehe ein , es ist besser so -- ich habe mich vor einer Stunde mit Deinem ehemaligen Protege , Karl von Stetten , verlobt . Er ist häßlicher und körperlich verkommener als je und trägt in seinem Bullennbeißergesicht jetzt auch noch eine blaue Brille – fi donc , ich werde mich zeitlebens genieren , an seinem Arm zu gehen , aber seine hündisch trene , wirkliche närrische Leidenschaft für mich erweckte mir schließlich doch ein menschliches Rühren , und weil er durch den unerwarteten Tod seines jungen Vetters plötzlich Majoratsherr auf Lingen und Stromberg geworden ist , hier zu Hofe geht , und in der Gesellschaft gut angeschrieben zu sein scheint , so hatte ich sonst nicht viel mehr gegen die Partie einzuwenden – ” Der Brief flog auf den Schreibtisch -- Bruck war frei , dergestalt von seiner Kette erlöst , daß er nun auch -- in die Schloßmühle kommen durfte . War das denkbar ? Eine so jähe , ungeahnte Wendung , nachdem man sich sieben entsetzliche Monate hindurch gemartert , nachdem man alle innere Kraft aufgeboten hatte , um das widerspenstige Herz , ja , jeden abirrenden Gedanke zu knebeln , damit man endlich zu der stoischen , toten Ruhe gelange , mit der man den verhaßte Ring in die Hand der Auserwählten legen und dann seinen rauhen Lebensweg einsam , aber ohne Schuld zu Ende gehen konnte ! Sie schlug