hartes kleines Ding angeredet , und es wurde hinzugefügt , jedes andere Frauenzimmer würde geschmolzen sein , wenn sie solche Strophen zu ihrem Ruhme hätte singen hören . Ich versicherte ihm , ich sei von Natur hart wie ein Kiesel , und er werde mich oft so finden ; überdies sei ich entschlossen , ihm noch verschiedene eckige Punkte meines Charakters zu zeigen , ehe die bestimmten vier Wochen um wären , und er solle genau erfahren , welchen Handel er gemacht , so lange es noch Zeit sei , ihn zurückgehen zu lassen . Er fragte , ob ich nicht ruhig sein und vernünftig reden wolle . Ich sagte , ich wolle ruhig sein , wenn er es wünsche , und was das vernünftige Reden anbetreffe , so schmeichle ich nur , daß ich es jetzt schon thue . Er wurde ärgerlich und machte Grimassen . " Sehr gut , " dachte ich , " ärgere Dich nur und werde ungeduldig , wie Du willst ; aber ich bin gewiß , dies ist der beste Plan , den man bei Dir anwenden kann , dessen bin ich gewiß . Ich liebe Dich mehr , als ich es sagen kann ; aber ich will nicht in Sentimentalität versinken , und auch Dich durch meine scharfen Erwiderungen von diesem Abgrunde zurückhalten ; überdies suche ich dadurch jene Entfernung zwischen uns aufrecht zu erhalten , die zu unserm gegenseitigen wahren Vortheil gereicht . Nach und nach versetzte ich ihn in beträchtlichen Aerger , und nachdem er sich im Zorn ganz auf die andere Seite des Zimmers zurückgezogen , stand ich auf , sagte auf meine natürliche und gewohnte respectvolle Weise : " Ich wünsche Ihnen gute Nacht , mein Herr , " und schlüpfte zur Seitenthür hinaus . Dieses System befolgte ich während der ganzen Probezeit , und zwar mit dem besten Erfolge . Er war freilich kurz und trotzig aber im Ganzen sah ich doch , daß es ihn vortrefflich unterhielt , und daß eine lammfromme Unterwürfigkeit und eine turteltaubenähnliche Empfindsamkeit , die seinen Despotismus noch mehr genährt , seinem Urtheil weniger würde gefallen , seinen Verstand weniger befriedigt und für seinen Geschmack sich weniger geeignet hätte . In Gegenwart anderer Leute war ich , wie früher , rücksichtvoll und ruhig , und nur in den Abendunterhaltungen zeigte ich mich so widerspänstig und ärgerte ihn . Er ließ mich beständig pünktlich rufen , sobald die Uhr sieben schlug , obgleich er , wenn ich jetzt vor ihm erschien , keine honigsüßen Ausdrücke von Liebe und Zärtlichkeit auf den Lippen hatte , und die besten Worte , die mir zu Theil wurden , waren widerwärtige Puppe , boshafte Fee , Elfe , Wechselkind u. s. w. Anstatt der Lieblosungen erhielt ich jetzt Grimassen , statt eines Händedrucks kniff er mir in den Arm , anstatt eines Kusses auf die Wange drückte er mir das Ohr . Es war Alles richtig : für jetzt zog ich entschieden diese zornigen Gunstbezeugungen jeder zärtlicheren vor . Ich bemerkte wie Mistreß Fairfax mein Betragen billigte , denn ihre Aengstlichkeit hinsichtlich meiner verschwand , und daran sah ich , daß ich recht handelte . Inzwischen versicherte Herr Rochester , ich behandle ihn sehr schlecht , und drohte mir mit schrecklicher Rache wegen meines gegenwärtigen Betragens in einer kurz bevorstehenden Zeit . Ich lachte ins Fäustchen über seine Drohungen . Ich kann Dich jetzt ganz hübsch im Zaume halten , und zweifle nicht , auch später dazu im Stande zu sein : wenn ein Mittel seine Kraft verliert , muß man ein anderes erdenken . Doch bei alledem war meine Aufgabe nicht so leicht , und oft hätte ich ihm lieber gefallen , als ihn geärgert . Mein künftiger Gatte sollte für mich meine ganze Welt werden , und mehr als die Welt : fast meine Hoffnung auf den Himmel . Er stand zwischen mir und jedem religiösen Gedanken , gleich einer Finsterniß zwischen dem Menschen und der hellen Sonne . Ich konnte in jenen Tagen Gott vor seinem Geschöpfe , aus dem ich mein Idol gemacht , nicht sehen . Zehntes Kapitel . Der Monat des Brautstandes näherte sich seinem Ende : seine letzten Stunden waren gezählt . Der Hochzeitstag ließ sich nicht aufschieben , und alle Vorbereitungen waren vollendet . Ich wenigstens hatte Nichts weiter zu thun : da standen meine Koffer gepackt , verschlossen und zugebunden an der Wand meines kleinen Zimmers in einer Reihe aufgestellt : morgen um diese Zeit sollten sie weit weg auf dem Wege nach London sein , und so auch ich mit Gottes Willen -- oder vielmehr nicht ich , sondern eine gewisse Johanna Rochester , eine Person , die ich noch nicht kannte . Die Karten waren allein noch aufzunageln : die vier kleinen viereckigen Stücken Pappe lagen auf der Kommode . Herr Rochester hatte selber darauf geschrieben : " Mistreß Rochester -- Hotel , London . Ich konnte mich nicht entschließen , sie anzuheften oder anheften zu lassen . Mistreß Rochester ! die existirte noch nicht : sie sollte erst morgen nach acht Uhr Vormittags geboren werden , und ich wollte warten , um mich zu überzeugen , ob sie auch lebendig zur Welt kommen werde , ehe ich ihr all ihr Recht einräumte . Es war genug , das in jenem Schranke , meinem Toilettentisch gegenüber , für sie bestimmte Kleider bereits mein schwarzes wollenes Kleid aus Lowood und meinen Strohhut verdrängt hatten , denn mir gehörte nicht jenes Hochzeitsgewand , die perlenfarbige Robe , der nebelartige Schleier , der an dem angemaßten Haken hing . Ich schloß den Schrank , um den seltsamen , traumartigen Schmuck , den er enthielt , zu verbergen , der zu dieser Abendstunde , um neun Uhr , gewiß einen sehr geisterhaften Schimmer durch den Schatten meines Gemaches verbreiten mußte . " Ich will Dich Dir selber überlassen , weißer Traum , sagte ich . " Ich bin fieberhaft : ich höre den Wind wehen : ich will zur Thür hinausgehen