, an die vierzig oder fünfzig , brachten keine mordlustige Kriegerseele mit . Sehr friedfertig ritten sie einher , bei gemütlichem Schritt der müden , reichlich verpflasterten Gäule . Keine Waffe blitzte , und kein Harnisch funkelte . Der Glanz des Eisens , das sie trugen , war erloschen unter Staub , Morast und Blutrost . Die meisten hatten ihre Eisenhüte am Sattel hängen . Und neben den bunten Farben der Mäntel und Wämser war sehr viel Weiß zu sehen : Stirnverbände , Backenbinden , Schulterwülste , Armschlingen und Kniebauschen . Die vierzig oder fünfzig , die da kamen , waren Spittelreiter , die der Herzog nach Burghausen schickte . Malimmes ließ den Falben ein paar Sprünge machen , hob den Bidenhänder und schrie mit gellender Stimme den Namen seines Herrn . Im Reiterschwarm antwortete eine rauhe Kehle , ein Arm erhob sich . Lachend warf Malimmes den Bidenhänder auf den Rasen , sprengte zum Fenster hin und rief in die Stube : » Bub ! Auf ! Der Bauer kommt . « In der Stube ein erstickter Freudenlaut . » Tu dich rüsten ! Steht alles auf der Bank , was du brauchst . Das Eisenhütl häng an den Arm ! Das mußt nit aufsetzen . Es tät dich kratzen . Tummel dich ! Ich reit dem Bauer entgegen . « Er ließ den steifbeinigen Falben im feinen Geriesel des Regens über die Straße hinausklappern . Runotter , völlig gerüstet , den rechten Arm in einer breiten Leinenschlinge , kam auf dem starr hopsenden Schimmel dem Schwarm der anderen voraus . Die erste Frage des Malimmes war : » Herr ? Sind am Arm die Flaxen noch ganz ? « » Wohl . Der Knochen hat ausgehalten . Sechs Wochen , meint der Feldscher . « Die heißen Augen des Bauern suchten . » Wo ist der Bub ? « » Der lacht . Wird gleich bei dir sein . « Runotter atmete tief . » Vergelt ' s Gott ! « Dann ritten sie nebeneinander zu dem einsamen Bauernhaus . Der brennende Glanz in den Augen des Runotter schien dem Malimmes nicht zu gefallen . Er fragte in einer seltsamen Spannung : » Herr ? Hast du heut schon wieder den Krug gelupft ? « » Heut bin ich nüchtern . Und gestern hab ich gelobt , daß ich außer lauterem Wasser keinen Tropfen nimmer trink , eh mein Krieg nit zu End ist . « Die Augen des Malimmes erweiterten sich . » Dein Krieg ? « » Mein Krieg ! Wohl ! « Das erschöpfte Gesicht des Bauern spannte sich zu einer Strenge , die wie Andacht war . Und seine Stimme dämpfte sich . » Lus , Malimmes ! Gestern , im Gefecht bei Aufham , bin ich dem Chorherren Hartneid Aschacher begegnet . « » Hab mir ' s eh schon gedacht . « » Achtzehn Jahr ist ' s her . Heut schaut er anders aus . Mir hat ' s ein Zittern in meiner Seel gesagt : Der ist ' s ! Und wie ich das Eisen auflupf , krieg ich von einem anderen den Streich auf den Arm da . Der Aschacher ist mir entronnen . Malimmes ! Jetzt weiß ich , warum Krieg ist . Daß ich den Hartneid Aschacher wieder find . « Ein Schauer des brennenden Zornes , der in dieser Stimme zitterte , faßte auch den Malimmes . Doch er zwang sich zu einem heiteren Wort : » Freilich ! Wenn nur jedes Häfelein seinen Deckel findt . Nachher ist die Welt so gut eingerichtet , daß sie der Herrgott nimmer besser hätt machen können . « Er wurde wieder ernst . » Verschweigt vor dem Buben ! Der hat ' s eh schon im Wind gehabt . Ich hab lügen müssen . « Der Bauer verhielt den Gaul . » Lügen ? « » Bei dem Schwarm , der uns fürgestern vor dem Waginger See in den Weg gerumpelt ist , muß der Aschacher gewesen sein . Ich hab einen adligen Jungherren in den Graben hinuntergeschlagen . Der hat mit einer süßen Stimm gekreistet : Aschacher , hilf mir ! - Der und der Aschacher ? Brüder sind das nit gewesen . « » Ich versteh nit . Was meinst ? « » Sei Kriegsknecht an die achtzehn Jahr lang , nachher verstehst du schon . Einmal , da hab ich auch nit verstanden . Und bin neugierig worden . Im Clevischen . « Malimmes plusterte ein bißchen den Hals . » Aber du kommst allein ? Wo sind die unseren ? « Erst nach einer Weile gab der Bauer Antwort . » Ich weiß nit . Der Altknecht ist nimmer nachgekommen . Dem Heiner haben sie im ersten Anlauf den Gaul erstochen . Kann sein , die zwei haben sich durchgeschlagen mit den Spießknechten . Kann sein , sie haben saufen müssen - von meiner Treu . Gott soll sie gnädig haben . Jetzt geht ' s über alles weg . Bis ich den Aschacher find . « Von der Bauernstube klang der heiße Schrei einer Mädchenstimme . Doch aus der Haustür kam ein schlanker Bub in schwerem Eisen heraus . Und während Runotter aus dem Sattel stieg , mußte Malimmes lustig lachen , weil Jul in diesem plumpen , unpassenden Wehrzeug aussah wie ein junger Vogel , der mit kurzem Hals aus dem Kobel guckt . Jul und Runotter standen Hand in Hand ; nur ein paar Worte sprachen sie ; ihre Augen redeten ; und das Gesicht des Buben war weiß wie Linnen , als seine Finger über die Armbinde des anderen herunterstrichen . Malimmes klaubte in Hast sein Zeug zusammen , hängte die Eisenschaller an seinen Arm , gab der Bäuerin die paar Silberbleche , die er im Hosensack hatte , und holte den Ingolstädter aus dem Stall . Auf der Straße kroch der Zug der Spittelreiter vorüber ; die meisten saßen stumm und gebeugt im Sattel ; nur wenige schwatzten ;