man bereits Mitte Julii , meine Kräfte aber waren so gering , daß ich mich kaum fortschleppen konnte . Wenige Tage darauf besuchte mich Wegerer , des gnädigen Herrn Kammerdiener , der treue Konstantin . Gramvoll drückte er meine Hand und konnte zuerst kein ander Wörtlein herausbringen als immer nur : Trompeterhansel - es ist aus ! - Dann vernahm ich , wie abscheulich sie dem armen Herrn mitgespielt hatten . Sein Gefängnis war ein Stübel im Rathause , bewacht von zwei Dutzend Mann . Unten in der Erden aber war ein Gewölb , dessen Bekanntschaft dem Gefangenen nicht erspart geblieben . Ihr starret mich an - ja , Leute , gefoltert - gefoltert haben sie den edeln Schaffgotsch - haben ihm die Wippe beigebracht - zentnerschwere Steine an seine Füße gebunden und ihn mit einem Strick an den Armen hochgewunden , daß die Gelenke krachten . Dabei hat ihn ein Auditor der Obstination geziehen , weiterer Ungelegenheiten gewarnt und der Wahrheit erinnert . Ihr Schelme ! hat unser Herr geschrien - habet mich bereits verurteilt - und hinterher erst wollet ihr die Wahrheit herausbringen ? Oder vielmehr den Schein eurer Gerechtigkeit , da sie selber euch fehlet , soll ich euch geben , ihr henkermäßigen Erpresser ! Wie darf man einem schon Verurteilten noch die Tortur applizieren ? Schande über solchen Bruch des Rechtes ! - Hierauf so hat der Auditor mit der Tortur innehalten lassen und diese feige , saumäßig rechtsverdreherische Ausflucht ergriffen : Mein Herr Schaffgotsch tuet ihm selbsten unrecht , weil er nicht alle näheren Umstände seiner Missetat frei heraussaget und folglich Ursach gibt , daß man also strenge mit ihm prozedieren muß . Vermeinet vielleicht , durch Verschwiegenheit den guten Namen der Seinigen zu erhalten . Aber der Herr muß wissen , daß nicht allein Mutmaßungen , sondern Beweise für seine Schuld vorliegen . Darum ist er auch zum Tode verurteilt . Was aber diese Tortur betrifft , so soll sie Ihn zu mehrerer Heraussagung der Umstände und der Mitschuldigen anhalten . Befugt zur peinlichen Befragung ist das hohe Gericht , weil ein zum Tode Verurteilter bar des Rechtes ist , das nur Lebendigen zukommt . Drum mag der Henker mit Euer Gnaden verfahren wie mit einer toten Kreatur . Ihr seid so gut wie ein Leichnam ... « » Höllenhunde ! « schrie bei diesen Worten des Trompeterhans ein alter Schreiberhauer , und es jammerte , stöhnete , grollte die ganze Gemeinde . Nach einem keuchenden Husten fuhr der Erzähler fort : » Ja , Höllenhunde , teuflische Pharisäer sind sie alle , so auf den Wink der Pfaffen und Hofschranzen zu Regensburg das Recht verfälscht haben . So hat denn die Tortur ihren Fortgang genommen , und eilf Fragepunkte hat man dem Gefolterten vorgehalten . Der aber hat anfangs nur immer geschrien : Schelme ! Ist dann in Stöhnen verfallen und hat schließlich Antworten gegeben - als zum Exempel : Nein ! Ich weiß nichts ! Nicht doch ! Ist nicht wahr ! Ein einzig Mal ist er konfuse worden und hat gestammelt : Ja doch , ich will alles sagen - haltet ein ! Wie aber dann der Auditor gesprochen : So bekennet , Herr Schaffgotsch , - hat die Antwort gelautet : Tintenfresser ! Ich bin kein Herr mehr und bin kein Schaffgotsch mehr - ein Kadaver bin ich , den die Aasgeier zerfleischen - nehmet mir nun endlich meinen letzten Odem - je eher , je lieber - ich mag euch nimmer sehen , ihr Teufelslarven ! ... Da nun die Tortur schon drei Stunden gedauert und trotz aller Kunst des Scharfrichters nichts Neues effektuiert hatte , so wurden auf des Auditors Wink dem Opfer die Bande gelöst und die übel zugerichteten Gliedmaßen wieder eingerenket . Den Halbentblößten , der sich nicht aufrecht halten konnte , trugen sie in sein Gefängnis , wo er dem wehklagenden Konstantin die Worte zurief : Sieh , wie die Schinderknechte mich armen Wurm für meine dem Vaterlande geleisteten Dienste zugerichtet haben ! Mit Begier , ohne die Arme heben zu können , trank er dargereichtes Bier . Drei Wochen hat er die vom Scharfrichter gelieferten Salben brauchen müssen , bis endlich die Glieder wieder geschmeidiger waren und brauchbar zum allerletzten Gang . Drei Abgesandte des Kriegsgerichts traten ins Stübel und machten Komplimente , Exzellenz hin , Exzellenz her , ohne Worte für ihren traurigen Auftrag zu finden . Bis der edle Herr , ihres Kommens Ziel erratend , ihnen entgegenkam . Lieben Herren - meine Exzellenz ist mir mit Gewalt genommen , und ihr möget euren Auftrag nur geradeheraus sagen . Ich weiß ohnedies , daß mein Blut längst eingeschenket und nur noch ausgetrunken werden soll . Darauf haben sich die Offiziere ihrer Person halber entschuldiget und endlich ihm auf kaiserlichen Befehl das Leben abgesagt . Nun , o Wunder , hat des Herrn Antlitz gestrahlt . Welch angenehme Post ! so lautete seine sanfte Antwort . Wahrlich , so süß euch das Leben ist , mir ist es wie Galle , seit mich der Kaiser für meine Dienste also traktieren lassen . O balde , balde möcht ich mich scheiden vom Gelüsten und Hasten dieser eitlen , falschen Welt . Aus enttäuschtem Herzen quillet ein himmlisch Verlangen , alles Unreine hinwegspülend , bis sich am Menschenkinde das Wort erfüllt , so der Heiland bei Jakobs Brunnen gesprochen : Wer das Wasser trinket , das ich ihm gebe , den wird ewiglich nicht dürsten , sondern das Wasser , das ich ihm gebe , wird in ihm ein Brunnen ewigen Lebens . - Hierauf hat ein Offizier die Hände gefaltet und die Worte der Samariterin wiederholt : Herr , gib mir dasselbe Wasser ! Der Auditor war auch dabei und meinte herablassend : Kaiserliche Gnade wird erlauben , daß die Hinrichtung hier auf dem Zimmer stattfinde . - Nicht doch ! entgegnete aufrecht unser Herr . Mein Gewissen ist nicht scheu , und ich will nach meiner Lebensart lieber unter Gottes Himmel vor aller