du Zeit ? « » Ja . Wir haben zwei Wege ; einen vom Dorfe aus , und einer führt von hier aus um den Wartturm herum . Beide treffen später zusammen . Hast du Lust , zu gehen ? « » Ja . Komm ! « Das Tal der Dschamikun stand nach drei Seiten hin mit der Außenwelt in Verbindung . Ostwärts ging es nach dem Hasen- und Kurierpaß . Nordwestlich nach dem Gebiete der Takikurden , zugleich aber auch zu den im Norden halbansässigen Dschamikun . Und südwärts nach dem Daraeh-y-Dschib , dem Tale des Sackes . Durch das letztere waren wir , von Nordwesten aber Hanneh und Kara gekommen . Der Weg nach dem Tale des Sackes führte zwischen dem Tempel- und dem Ruinenberge hindurch . Beide traten hier so eng zusammen , daß sie nur durch eine schmale Schlucht geschieden wurden . Unten lief der Duarpfad , etwas höher derjenige , auf dem wir uns befanden . Er führte durch einen steil ansteigenden Wald . Tief unten eilte rauschendes Wasser nach dem See . Es kam aus dem Felsenrisse , über den wir mit unsern Pferden gesprungen waren . Nach einiger Zeit stieg der Duarweg zu uns heran , und dann hatten wir nur noch eine kurze Strecke bis zu der Stelle , wo wir unser Leben gewagt hatten , um den Massaban zu entkommen . Es war jetzt eine neue Brücke da . Als ich auf ihr stand , in die Tiefe schaute , in welche sich von drüben her das Wasser stürzte , und die Breite des Risses mit den Augen maß , überkam mich nachträglich die Angst , von der ich damals keine Spur empfunden hatte . Wie war es doch nur möglich gewesen , sich ein solches Wagnis zuzutrauen ! Der Pedehr mochte meine Gedanken erraten , denn er sagte : » Das hat Euch keiner vorgemacht und wird Euch wohl auch Keiner nachmachen ! Schau dir die Brücke an , Effendi ! Bemerkst du Etwas ? « » Natürlich ! Sie ist zum Aufziehen . « » Ja . Nach den Erfahrungen mit den Massaban konnten wir uns nicht zu einem neuen , festen Uebergang entschließen , der im Kriegsfalle immer zerstört werden muß . Der Ustad ließ von unserm Nälbänd73 Ketten machen und vom Najjar74 die starken Rollen dort an der Eiche . Jetzt genügt die Kraft eines einzelnen Mannes , die Brücke aufzuziehen . Das ist ein Wunder , welches ich nicht begreife , denn sie ist ja zehnmal schwerer als der Mann selbst . « » Es ist kein Wunder sondern sehr einfach . Diese Rollen bilden ein Suhulet75 , durch welches die Kraft des Menschen derart vervielfältigt wird , daß ein Einzelner genügt , die Brücke zu heben . Der Ustad kennt dieses Naturgesetz sehr wohl . « » Und hältst du so eine Brücke für gut ? « » Ja . Doch wie diese liegt , hat man dafür zu sorgen , daß man nicht einmal selbst auch abgesperrt wird ! « Als wir zurückkehrten , wählten wir den Weg nach dem Duar . Dort angekommen , konnten wir Dschafar beobachten , welcher nun schon unten war und uns nicht sogleich bemerkte . Er hatte gehört , daß ich mit dem Pedehr fortgegangen sei , und war darum auch gegangen , um uns vielleicht zu treffen . Er hatte das Boot am Landeplatz entdeckt und sich den Chodj-y-Dschuna holen lassen . Nun segelten sie bei gutem Winde mit einem halben Dutzend Lastkamelen um die Wette , welche , hoch mit Heu beladen , für das Wettrennen eingeübt wurden . Wie man sich erinnern wird , hatte der Pedehr auf Halefs Frage , was für Pferde laufen würden , folgendermaßen geantwortet : » Es werden nicht bloß Pferde sein . Wir lassen alle Arten der Tiere laufen , die es bei uns gibt , Schafe , Ziegen , Esel , Maultiere , Lastkamele , Reitkamele , gewöhnliche Pferde , und zum Schlusse wird es mehrere Rennen zwischen Tieren edelster Rasse geben . « Der Wettkampf sollte also scherzhaft beginnen , um ernst und würdig zu enden . Als man diese Disposition traf , hatte man nicht geahnt , daß sich aus dem beabsichtigten Rennen unter Freunden ein erbitterter Wettkampf zwischen Freund und Feind entwickeln werde , war aber trotzdem bei der ursprünglichen Bestimmung geblieben , daß der Anfang heiter zu sein habe , möge er enden , wie er wolle . Daher jetzt die Uebung mit den Lastkamelen . Es konnte hierbei nicht etwa von Tierquälerei die Rede sein . Die Dschimal76 waren zwar so hoch und so breit beladen , daß von ihnen nur die Beine zu sehen waren , aber man hatte das Heu so leicht und duftig gepackt , daß es für die starken Tiere nichts weniger als eine Last zu nennen war . Vorn gab es in dem Heuballen eine Oeffnung , aus welcher über dem sonderbaren Maule die Konvexbrillenaugen des Tieres den Weg überschauen konnten . Hoch oben war nur der Kopf des tief im Heu vergrabenen Führers zu sehen , der sein Kamel nur durch Zurufe zu leiten hatte . Es war also vorauszusehen gewesen , daß sich die Sache höchst drollig ausnehmen werde , und die jetzige , erste Probe zeigte , daß man sich hierin nicht getäuscht hatte . Wir sahen die langen Beine , die großen , plumpen Füße und sämtliche Heubündel in eiligster Bewegung , als ob es beabsichtigt sei , binnen zwei Stunden dreimal rund um die Erde zu jagen . Da blieb plötzlich eines der Kamele mitten im Laufe stehen , um in der größten Gemütsruhe sich ein Maulvoll aus der eigenen Last zu raufen und gemächlich zu verzehren . Der Kopf hoch oben begann zu bitten , zu flehen , zu jammern , zu schimpfen , zu drohen . Da besann sich das Kamel auf seine Pflicht und warf die Beine wieder vorwärts , daß der Staub nur so flog , bis es an