nach seiner Seele . Ist sie da , wenn er erwacht ? Ist sie da , wenn er in halber Betäubung leise Worte redet ? Wo ist sie , wenn ihm für lange , lange Zeit die Besinnung fehlt ? « » Und vor allen Dingen , wo ist die deinige , Hanneh ? Wo ist sie jetzt ? « Da schaute sie mich verwundert an . » Doch wohl hier , bei mir , in mir ! « antwortete sie . » Oder ist sie es nicht , die jetzt mit meinem Munde zu dir spricht ? « » Die Antwort auf diese deine Frage ist doch leicht ! « » Für mich ist sie so schwer , daß ich sie nicht finden kann . « » So bitte ich dich , zu überlegen ! Denke dir , daß du eine Freundin suchst , welche du finden willst ! Bist du selbst etwa diese Freundin ? « » Nein . « » Oder ist sie da ? « » Auch nicht . Denn wäre sie da , so würde ich sie doch nicht suchen , Effendi . « » Du sprichst von ihr . Sind das deine oder ihre Worte ? « » Die meinigen . « » Richtig ! Nun aber suchst du nach deiner Seele . Du sprichst von ihr mit mir , eben jetzt , in diesem Augenblick . Kann sie es sein , die mit mir redet ? « » Nein . Sie ist nicht ich , sondern wir sind ich und sie . Aber wer ist es , der sich jetzt meiner Lippen bedient , um von ihr zu sprechen ? « » Das ist Hanneh , die sich nach Allahs Himmel sehnt , der keinem Menschengeiste offen steht , wenn ihn nicht seine Seele aufwärts leitet . Sie kennt den Weg , denn sie ist bei Allah daheim . Nicht so der Geist , der nichts anderes weiß und nichts weiter anerkennt als nur das , was nicht über seine irdischen Begriffe geht . « » So meinst du also , daß Seele und Geist verschiedene - - - « Sie hielt inne , denn Schakara kam zur Thür herein . Sie hatte mit ihr zu sprechen und winkte sie von Halefs Lager zu sich hin . Ich ging hinaus , vor die Säulen , wohin inzwischen meine Kissen nach dem gewohnten Platz geschafft worden waren . Dort setzte ich mich nieder . Ein Beduinenweib ! Wie rührend dieses angstvolle Suchen nach jenem geheimnisvollen Wesen , dessen Hand uns den Schlüssel zu dem Menschheitsrätsel bietet , ohne daß wir uns die Mühe geben , seinen Flügelschlägen so zu lauschen , daß wir den rechten Augenblick erfassen könnten , den Schlüssel zu ergreifen . Der Orientale besitzt mehr Hinneigung zum Metaphysischen , als der Abendländer . Es darf darum nicht wunder nehmen , daß Hanneh , die nach unseren Begriffen fast gänzlich Ungebildete , der aber neben einem ungewöhnlichen Wissensdrange der leicht und schnell auffassende Scharfsinn verliehen war , ein so lebhaftes Interesse für Dinge besaß , welche jenseits des Bereiches unserer körperlichen Sinne liegen . Sie hatte schon in äußerer Beziehung Seltenes erlebt , und darum war auch ihr inneres Leben reich gestaltet . Für eine Frau von ihren Eigenschaften lag es nahe , sich über die Gesetze dieses Innenreiches klar zu werden . Und da man Alles , was sich auf dasselbe bezieht , » seelisch « zu nennen pflegt , so hatte sie eben die » Seele « zum besonderen Gegenstande ihres Nachdenkens gemacht . Freilich waren ihre Gedankenwege ganz andere , als sie der nüchterne Occidentale einzuschlagen pflegt , der ja von seinen Zielen und Idealen verlangt , von gleicher Nüchternheit wie er selbst zu sein , doch pflegt ja wohl ein Jeder gern zu behaupten , daß nur der von ihm eingeschlagene Weg der einzig rechte sei . Wohl dem , der vorwärts kommt ! Wer aber , weil er den Wald wegen der vielen Bäume nicht sieht , vor lauter topographischer Gelehrsamkeit im Dickicht stecken bleibt , dem ist allerdings ein nüchternes Ueberlegen anzuraten , falls er wirklich wünscht , endlich einmal in das Freie zu gelangen . - Um die Kuppen der Berge spielte jener sanfte , abschiednehmende Schimmer , welcher der kurzen Dämmerung voranzugehen pflegt , weil er der Scheidegruß der fernen Abendröte ist , da lenkte der Schall von Hufschlag mein Auge dem Thore zu . Kara und Tifl kehrten zurück . Bei ihnen waren der Scheik der Kalhuran und sein Weib , die ich nicht kannte . Schakara hatte das Pferdegetrappel auch gehört . Sie kam aus der Halle . Als sie die Frau Hafis Arams erblickte , stieß sie einen Ruf der Ueberraschung aus und eilte die Stufen hinunter , um sie zu begrüßen . Der Scheik fragte , sobald er abgestiegen war , wo der Pedehr zu finden sei , und wollte sich zu ihm führen lassen . Er kam nach der Halle herauf , erreichte mich aber nicht ganz , sondern hauchte auf der Mitte der Treppe nieder und schloß die Augen . Seine Frau kniete mit Schakara erschrocken neben ihm nieder und nahm seinen Kopf in ihren Arm . » Ich kann nicht mehr ! « sagte er , ohne daß er die Augen öffnete . » Tragt mich hinein ! « Tifl eilte fort und kam sehr schnell mit einigen Kurden zurück , welche den vor unerträglichem Schmerz fast Ohnmächtigen durch die Halle in das Innere des Hauses trugen . Die andern gingen mit . Kara allein blieb da . Ich fragte ihn , wer die Beiden seien , die mit ihm gekommen waren . Er ging zunächst hinein , um nach seinem Vater zu sehen , und kam dann , mir meine Frage zu beantworten , mit seiner Mutter wieder heraus . Sie setzten sich zu mir , und dann begann er , sein interessantes Erlebnis zu erzählen . Er berichtete sehr sachgemäß und bescheiden . Es fiel