Wißt Ihr nicht ein sicheres Versteck , Herr Propst ? « » Wir wollen das morgen überlegen ! « sagte dieser . » Sein Rausch war zwar vorüber durch dies geistige Uebergewicht der Ueberraschung und Aufregung , aber jetzt folgte eine schlummerbedürftige Abspannung darauf . » Vor morgen Abend kann er doch nicht fort : ich will ihn in die Bibliothek zur Ruhe geleiten - es steht eine Polsterbank drinnen . Laßt es uns beschlafen ; gute Gedanken kommen über Nacht , und nicht , wenn man sie so im Augenblick herbeirufen will . Dort könnt Ihr bis zur nächsten Nacht bleiben - und Ihr , Ulrich , schlaf ' t hier drüben ; wer weiß , ist die Haushälterin nicht munter , ehe Ihr in die Hütte müßt ; sie darf nichts verändert und Euch nicht wo anders finden , als Euch diesen Abend angewiesen worden . « Was Amadeus und Ulrich jetzt noch gegenreden mochten , es half nichts - sie mußten ihrem Wirth gehorchen , der Jeden in sein Gemach führte . Viertes Capitel Gelübde Im Hofe am Steig bei den zwölf Brüdern ging der Riesen-Jacob vor der Werkstatt Meister Adam Kraft ' s müssig auf und nieder . Wie das Frühjahr gekommen war , sehnte er sich von der städtischen Maurerarbeit wieder hinaus auf die freien Felder des Benediktinerklosters , wo er , wenn auch nicht lohnendere , ja nicht einmal leichtere , aber ihm doch besser zusagende Arbeit fand , als in der Werkstatt des wunderlichen Künstlers , der ihn eigentlich zum Gespött seiner Gesellen machte . Von dem Meister war er schon in aller Form entlassen worden und hatte seinen Lohn erhalten , aber er begehrte noch die Meisterin zu sprechen und wartete , bis sie zur gewohnten Stunde über den Hof kommen würde , wo sie ihrem Manne das Vesperbrod zu bringen pflegte . Jetzt erschien sie auch , aber nicht allein , die Frau Vischerin war bei ihr , die eilig herbeigelaufen war , um zu verkünden , daß ihr Ehemann , Peter Vischer , gestern wieder aus Italien heimgekehrt sei , und daß sie ihm eine Ueberraschung bereiten und seine besten Freunde die Meister Adam Kraft und Sebastian Lindenast ihm zum Nachtmahl laden wolle , denn er selbst sei dermaßen ermüdet von der weiten , meist zu Fuß zurückgelegten Reise , daß er nicht aus dem Hause könne und daheim nur seine Freude an den Buben habe , die indeß gar groß und verständig geworden , und dazu noch einer gekommen , den er zuvor noch gar nicht gesehen . Der Riesen-Jacob mußte warten , bis dies Gespräch beendet war ; die Zeit war ihm dabei etwas lang und er selbst immer ärgerlicher darin in seinem Vorsatz bestärkt , die Meisterin noch bei seinem Weggange zu ärgern , und sich selbst nicht nur über sie , sondern auch durch sie einen Triumph zu bereiten . Als sich die Vischerin von Frau Eva Kraft verabschiedet hatte , trat Jacob auf diese zu und sagte : » Nun , Meisterin , ich wollte nicht weggehen , ohne Euch auch zum Abschied gesehen zu haben . « » Nun Gott geleite Euch ! « sagte sie kurz und gab ihm die Hand . » Seht , « begann er , » ich habe immer , wenn ich den steinernen Drachen da draußen vor der Thür sah , an Euch denken müssen . « » Unverschämter Mensch ! « fiel ihm die Meisterin in ' s Wort , » mach ' Er , daß Er fort kommt ! « » Nun , nun , laßt mich nur erst ausreden , « sagte Jacob und hielt sie zurück ; » ich habe das nicht zuerst gesagt , der hochwürdige Herr Propst Anton Kreß hat das aufgebracht ! Ich mein ' es mit Euch besser , als der , und will Euch nur noch einen Rath geben , wie Ihr Euer Müthchen an ihm kühlen könnt ! « » Ach , laßt mich in Ruhe ! « sagte die Meisterin , und blieb doch stehen , um neugierig zu hören , was eigentlich kommen sollte . » Ihr wißt , « begann dieser , » damals kam ein Benediktinermönch hierher , den Propst abzurufen ; ich kannte ihn wohl und meinte , daß es nicht recht richtig mit ihm sein möge - nun , gestern hab ' ich denselben Mönch , den Bruder Amadeus in Laienkleidung bei Nachtzeit sich in das Haus des Propstes schleichen sehen - das ist doch ganz wider die Ordnung . Nun will ich im Kloster nachfragen , was das eigentlich ist mit diesem Amadeus ; ich kann mir doch gar nicht anders denken , als daß er aus dem Kloster entwischt ist , der Propst und die Baubrüder mit ihm unter einer Decke stecken . « » Auch die Baubrüder ? « sagte Frau Kraft besonders gespannt , denn zwischen den profanen Bauleuten und den freien Steinmetzen bestand immer eine stille Feindschaft ; die Letztern sahen hochmüthig in ihrer Abgeschlossenheit auf jene herab , und die Erstern waren eifersüchtig auf den Nimbus , der die Letztern umgab - sie ergriffen gern jede Gelegenheit , denselben vor dem Volke zu zerstören und sich ihnen mindestens gleich zu stellen . Ein echter Künstler , wie Meister Kraft , war wohl frei von diesem kleinlichen Neid und ließ auch den freien Steinmetzen Gerechtigkeit widerfahren , und sein größter Triumph war , nur durch die eigenen Leistungen seiner Kunst ihnen beweisen zu können , daß auch ohne Mystik und Abgeschiedenheit von allen weltlichen Freuden Kunstwerke hervorgebracht werden könnten von profanen Händen - aber seine Gesellen und Umgebung , auch seine Frau vermochte er nicht auf diesen höheren und friedfertigen Standpunkt zu erheben ; sie kannte keine größere Freude , als wenn Jemand einem Baubruder Uebels nachsagen oder die ganze Genossenschaft lächerlich oder verdächtig machen konnte , mochte es von dieser oder jener Seite geschehen , mochte man ihnen nachsagen , daß sie Kopfhänger wären , überspannte