dahinfließende Bäche , spiegelnde Seen und grüne Weiden , ich sah ernste Bauwerke , und ich sah das sogenannte stille Leben in Pflanzen , Blumen , Früchten , in Tieren und Tierchen . Ich bewunderte das Geschick und den Geist , womit alles zurechtgelegt und hervorgebracht ist . Ich erkannte , wie unsere Vorfahren Landschaften und Tiere malten . Ich erstaunte über den zarten Schmelz , womit einer mittelst Überfarben seinen Gebilden eine Durchsichtigkeit gab , oder über die Stärke , womit ein anderer undurchsichtige Farben hinstellte , daß sie einen Berg bildeten , der das Licht fängt und spiegelt , und es so zwingt , das Bild mit zu malen , zu dem ein Licht in dem Farbenkasten nicht war . Ich erkannte , wie der eine in durchsichtigen Farben untermalte und auf diese seine festen , körperigen Farben aufsetzte , oder wie ein anderer Farbe auf Farbe mit breitem Pinsel hinstellt und mit ihm die Übergänge vermittelt und mit ihm die Zeichnung umreißt . Daß alte Bilder düsterer sind , erschien mir einleuchtend , da das Öl die Farben nachdunkeln macht und der Firnis eine dunkle , bräunliche Farbe erhält . Beides haben umsichtige Meister mehr als voreilige zu vermeiden gewußt , und mein Gastfreund hatte Bilder , die in schöner Pracht und Farbenherrlichkeit leuchteten , obwohl auch bei ihnen die Würde bewahrt blieb , daß sie mehr die Kraft des Tones als auffallende oder etwa gar unwahre Farben brachten . Da ich schon viel mit Farben beschäftigt gewesen war , so verweilte ich oft lange bei einem Bilde , um zu ergründen , wie es gemalt ist , und auf welche Weise die Stoffe behandelt worden sind . In dem Rosenzimmerchen Mathildens , wohin mich mein Gastfreund führte , um auch dort die Bilder zu sehen , hingen vier kleine Gemälde , davon zwei von Tizian waren , eines von Dominichino und eines von Guido Reni . Sie waren an Größe fast gleich und hatten gleiche Rahmen . Sie waren die schönsten , die mein Gastfreund besaß . Je mehr man sie betrachtete , desto mehr fesselten sie die Seele . Ich bat ihn fast zu oft , mir diese vier Bildchen zu zeigen , und er ermüdete nicht , mir immer die Frauengemächer aufzuschließen , mich in das Zimmerchen zu führen , mich die Bilder betrachten zu lassen und mit mir darüber zu sprechen . Er nahm sie öfter herab und stellte sie auf dem Tische oder auf einem Sessel so auf , daß sie in dem besten Lichte standen . Ich brachte merkwürdige Tage in jener Zeit in dem Rosenhause meines Freundes zu . Mein Wesen war in einer hohen , in einer edlen und veredelnden Stimmung . Ich fragte ihn einmal , woher er denn die Bilder erhalten habe . » Sie sind recht nach und nach in das Haus gekommen , wie es der Sammelfleiß und mitunter auch der Zufall gefügt hat « , antwortete er . » Ich habe von einem Oheime mehrere geerbt ; sie waren aber nicht die besten , wie ich sie jetzt habe , ich verkaufte einen Teil davon , um mir andere , wenn auch wenigere , aber bessere zu kaufen . Ich habe Euch schon einmal gesagt , daß ich in Italien gewesen bin . Ich habe drei Reisen in dieses Land gemacht . Da hat sich manches gefunden . Ich habe stets nach Bildern gesucht , habe manches gekauft , manches wieder verkauft , Neues gekauft , und so war ein fortlaufender Wechsel , bis es so wurde , wie es jetzt ist . Nun aber verkaufe oder vertausche ich nichts mehr , selbst wenn mir etwas Außerordentliches vorkäme , das ich nicht ohne Weggabe eines Früheren erkaufen könnte . Mit dem Alter wird man so anhänglich an das Gewohnte , daß man es nicht missen kann , wenn es auch verbraucht zu werden beginnt und verschossen und verschollen ist . Ich lege alte Kleider nicht gerne ab , und wenn ich eines der Bilder , die mich nun so lange umgeben , aus dem Hause lassen müßte , so würde ich einem großen Schmerze nicht entgehen . Sie mögen nun bleiben , wie sie sind , und wo sie sind , bis ich scheide . Selbst der Gedanke , daß ein Nachfolger die Bilder so lasse und sie ehre , wie sie hier sind , hat für mich etwas sehr Angenehmes , obwohl er töricht ist und ich ihm aus dem Wege gehe ; denn darin besteht das Leben der Welt , daß ein Streben und Erringen und darum ein Wandel ist , welcher Wandel auch hier eintreten wird . Ich habe auch längere Zeit schon nichts mehr gekauft , außer einer recht lieben kleinen Landschaft von Ruysdael , die neben der Tür im Bilderzimmer hängt , und die Ihr so gerne anschaut . Ich würde nur etwas sehr Wertvolles kaufen , in so ferne es meine Kräfte zuließen . Ich habe oft Jahre lang auf ein Bild warten müssen , das mir sehr gefiel , und das ich zu haben wünschte , entweder , weil der Besitzer eigensinnig war und , obwohl er das Bild weggeben wollte , doch Bedingungen an die Hingabe knüpfte , die nicht zu erfüllen waren , oder weil er sich von dem Bilde nicht trennen wollte , obgleich er es mißhandelte und zu Grunde gehen ließ . Zuweilen mußte ich schlechtere Bilder kaufen , die durch Farbenreiz oder andere Eigenschaften das Auge ansprachen , um einen Vorrat zum Tausche zu haben . Es gibt nämlich Leute , welche Freude an Bildern haben , welche ältere , bedeutende Bilder nicht weggehen , wenn sie solche besitzen , sie aber doch nicht erkennen und sie durch schlechte Behandlung Schaden leiden lassen . Sie ziehen ein Gemälde vor , welches sie besser verstehen , welches ihnen mehr gefällt , wenn es auch im Werte minder ist , und sind zu einem Tausche bereit . Dieser macht ihnen Freude , und wenn