sein Herz drücken . Aber sie entwand sich sanft seinen Armen . » Keinen Kuß auf eine Unwahrheit . Es muß jetzt volle Wahrheit zwischen uns sein . « » Unwahrheit ! « Sie nickte mit einem thränenfeuchten Blick . » Laß mich nur einen Augenblick Athem schöpfen . « Sie hatte sich an den Tisch gesetzt , der Kopf gleitete in die Arme . Er hatte sich leise an ihren Stuhl gestellt und legte sanft den Arm auf ihre Schulter . » Ich habe Dich lieb und bin bei Dir und Du hast mich auch lieb . Was hindert Dich noch ? « » Ich habe Dich lieb gehabt , seitdem ich Dich gekannt . « sagte sie ruhig sich zurücklehnend , » wie einen Bruder , vor dem ich mein Herz offen legen konnte . Habe ich ' s nicht gethan ? Und wenn ich ' s nicht that , war es , weil ich dachte , Du läsest ja schon in meiner Seele wie in einem offenen Buche . Aber seit der - der fürchterlichen Geschichte ward es noch anders . Du allein bliebest immer derselbe gegen mich . Die Andern - erst wussten sie nicht wie sie mich ansehen sollten , und wichen mir aus . Nachher überschütteten sie mich mit Liebkosungen und Bewunderung , und machten aus mir wunder was , was ich nicht bin . Ich war doch nicht schlechter , nicht besser , Gott weiß es - aber was ich nun bin , nun ja , was ich besser bin , bin ich durch Dich . Seit ich das fühlte ward mir bange . Du hattest es mir vorausgesagt , durch große Leiden werde der Mensch geläutert , seine Sinne gehen auf für das Edle und Schöne und sein inneres Auge für das Ewige und Wahre . Und da sah ich , wie Du viel sorgsamer und liebevoller wardst , und mit jeder Schülerin würdest Du Dir nicht so viele Mühe geben . Und Dein Unterricht ward auch so besonders . Und da , Walter , da kam dann - ich weiß nicht wie - der Gedanke , daß es so sein müsste - « » Und erschrakst Du vor dem Gedanken ? « Sie schwieg einen Augenblick : - » Nein gewiß nicht , Walter . - Wo konnte ich besser aufgehoben sein , dachte ich , wer sollte mich besser zum Rechten führen und schützen ! Ich gewöhnte mich so daran , daß - « » Du gewöhntest Dich nur daran ! « Jetzt erschrak sie vor dem Ton der Frage . Sie legte sanft die Hand auf seine , und blickte ihn klar an : » Hast Du nicht zuweilen gemerkt , daß ich lächelte ? Ich dachte dann an das , was Du oft gesagt , der Mensch erzieht sich selbst , und man kann keine Natur ändern . Und Du wolltest mich doch ändern , so wie Du mich wünschtest . Und dann widersprach ich aus Uebermuth . Nur aus Schelmerei , ich nahm mir im Herzen doch vor , zu werden , wie Du es wünschtest . « » Das hattest Du Dir vorgenommen und ich war der Gegenstand Deiner Gedanken ! « » Und da kam ich auf kuriose Dinge . Ob ich Dir auch würde auf die Schulter klopfen , wie Mutter thut , wenn sie der Vater anfährt , ob Du auch zornig werden könntest ? Und ob ich dann auch so machen dürfte , wie Mutter thut , um ihn wieder gut zu machen . Ich muß Dir sagen , es kam mir nicht ganz recht vor , wenn auch Mutter sagt : so muß man die Männer behandeln , wenn man Friede im Hause haben will . Du bist doch ein ganz anderer Mann , und ich meinte , wir müssten uns jeder dem andern grad heraus sagen , was er denkt . Ach und tausend Dinge . Aber , Walter , das dachte ich alles weit entfernt . « » Hast Du nicht auch gedacht , daß Du jetzt in einem glänzenden Hause bist , eine gefeierte Schönheit , von Bewerbern umschwirrt , die von ihrer Anbetung sprechen ? Hast Du nicht an Dein Herz gefühlt , ob , wenn der Eine oder der Andere ernst spräche - « » Nein , « fiel sie rasch ein . » Sie sind mir alle gleichgültig . « » Aber die Geheimräthin ! Du bist ihr Augapfel . Sie wünscht , daß Du eine gute Partie machst , sie sucht vielleicht schon nach einem passenden Gatten , der Dich über Deinen Stand erhebt . Vielleicht auch , sie ist kinderlos , reich , das große Vermögen kommt von ihr - « Sie fasste mit Heftigkeit seine Hand . » Nein , Walter , das denke um Gottes Willen nicht . Ich habe nie daran gedacht . « » Und der Gedanke ist so natürlich . Du schauderst ja fast . « » Ich begreife es oft nicht , warum ich nicht mehr Dank für sie fühle , aber - aber lassen wir das ! Walter , verrathe mich nicht , und deute es mir nicht schlimm , es ist mir oft , als möchte ich je eher je lieber aus diesem Hause fort . Es ist mir so heiß , so bang oft - « » Aber weißt Du , in welches ich Dich führen könnte ? Ein armer Gelehrter , - würdest Du aus Deinem Reichthum mir in eine Hütte folgen ? « Sie sah ihn mit ihrem klaren Lächeln an : » Ja , Walter . Ich bin ja nicht für den Reichthum geboren . Wer weiß , wenn sie meiner überdrüssig wird , setzt sie mich hinaus . Da müsste ich mir vorsorglich ein Obdach suchen . - O pfui ! keinen Scherz . - Aber ich habe mir es auch gedacht , daß Du zu stolz sein könntest , weil Du arm bist . O ich liebe Dich so