ich . Er misverstand meinen Unmuth , glaubte , ich neckte ihn und ließ mich die Folter ausstehen , daß er mir nach Tisch , er nahm Ihre Stelle ein , in einer Fensternische Dinge sagte , wie sie Prinz Egon der Gräfin d ' Azimont nicht feuriger vortragen kann . Alles Das kommt von Ihrer Gräfin , die in Paris vergessen hat , daß sie verheirathet ist ! O gehen Sie , Wildungen , mit Ihrer leichtsinnigen Gräfin d ' Azimont ! Fräulein ... Ja , ja , Sie .... Schämen Sie sich solcher Verhältnisse .... Welcher ? Eine verheirathete Diplomatin ! Gewiß ist sie sehr schön , aber auch gewiß sehr intriguant ! Gewiß sehr coquett ! Ich habe das Schlimmste von der Gräfin d ' Azimont erfahren .... Und wenn sie nun gar der Fürstin Amanda gleicht , kann ich nur noch viel Schlimmeres von ihr denken . Ich muß gestehen : Sie haben die Phantasie dafür ! sagte Dankmar . Gleichviel ! Sie mögen mich nun tadeln oder den Maler des Bildes oder den gütigen Schöpfer .... Wenn die Gräfin d ' Azimont dem Bilde gleicht ... ich tadle sie doch .... Die Nase auf dem Pastellgemälde war nicht schön . Dankmar mußte über diese Wendung lachen . Melanie boudirte künstlich .... Er war entzückt von der Coquette-rie des eifersüchtigen Mädchens . Mit halb künstlichem , halb natürlichem Ärger und von einer Eifersucht gefoltert , als wenn sie alle die Menschen , die sie doch nur dem Namen nach kannte , leibhaftig schon vor sich sähe , hüpfte Melanie fort . Dankmar ihr nach .... Melanie sprang Stufe von Stufe die Terrassen herab bis zu jenem griechischen Tempel hinunter , der einen so stillen Fernblick in das waldige Gebirge und die unterhaltende Nähe der sich hier kreuzenden Wege erlaubte . Melanie war so geeilt , so hastig an der alten , eben von dem kranken Gärtner kommenden und kopfschüttelnd stehenbleibenden Brigitte vorübergeschritten , daß sie auf eine Bank des Pavillons niedersank und Dankmarn das schöne Schauspiel ihrer mächtigsten Erregung bot . Den Überwurf hatte sie im raschen Gehen und dem Herabspringen von den Stufen , eine zweite Atalante , um ihn aufzuhalten , unterwegs fallen lassen . Er mußte auch , während sie lachte , innehalten und ihn aufheben ; jetzt schlug er den Überwurf über den Nacken und die wogend sich hebende Brust . Auf der Erde suchte er eine große goldene Nadel , die gleichfalls ihrem Haar entfallen war und die zurückgesteckten Locken gehalten hatte ... Lassen Sie nur , sagte sie und strich sich die Haare hinters Ohr , wo sie nicht halten wollten , und von der einen Seite nach vorn fallend , ihr einen schwärmerischen Ausdruck gaben ... Lassen Sie nur ! ... Sie müssen mir jetzt sagen , fuhr sie nach einer Weile , während sie Dankmar glückselig betrachtete , gesammelt fort ; Sie müssen mir jetzt sagen , wie die Gräfin d ' Azimont das Haar trägt . Ich will gar keine künstliche Frisur mehr tragen , bis ich nicht weiß , wie diese abscheuliche Coquette sie trägt .... Dankmar war in der That von der Liebenswürdigkeit des Mädchens , das sich in den gewagtesten Capricen gefiel , bezaubert .... Gehen Sie doch , theure Melanie , sagte er unternehmend und sich ihr zur Seite niederlassend ; gehen Sie doch mit diesen Erinnerungen . Diese Zeiten sind vorüber . Egon hat sich dem Vaterland zurückgegeben . Er wird es lieben , trotzdem daß es ihn so unfreundlich begrüßt . Sie haben Recht , auch der Intendant gehört zu seinen Feinden und wenn Sie versprechen könnten .... Ich verspreche nichts , sagte Melanie und meinte doch das Gegentheil . Eben wollte Dankmar sich zu einer Erklärung zusammennehmen , als er aufhorchen mußte . Getrappel von Pferden und noch mehr ein Geklirr von Waffen schien an sein Ohr zu dringen . Er stand auf und beugte sich über die Balustrade des Pavillons . Von Randhartingen her sah er die zwei Gendarmen reiten , die wahrscheinlich den Transport des Mobiliars schützend begleiten sollten . Die beiden Schnurrbärte grüßten militairisch und wandten sich dem großen Aufgang zum Schlosse zu . Die gewaltigste Unruhe folterte Dankmarn . Schon sah er alle seine Hoffnungen vernichtet , schon den Preis der Rolle , die er hier , wenn auch ohne Mühe , doch zur Qual seines Wahrheittriebes durchführte , seiner Hand entwunden . Unwillkürlich stand er da wie Jemand , den ein Geheimniß preßt , zu dessen Entdeckung er gern von einem prüfenden Blick in das Auge Dessen , dem er sich zu vertrauen im Begriffe steht , ermuthigt werden mochte .... Was haben Sie ? fragte Melanie , diesen Zustand nachfühlend . Wann reist der Intendant ab ? fragte Dankmar entschlossen . Noch heute Abend ! Er , der Sie liebt , bewundert , ... trennt sich sobald ? Da ich ihn über Das , was er heute in der Nische zu mir sprach , ausgelacht habe , noch heute Abend .... Er kann sich trennen ? Von Ihnen , Melanie ? Von Ihnen , die Sie Alle zu fesseln , Alle zu bezaubern verstehen .... Er kann ' s und hofft morgen Abend in der Residenz zu sein .... Nein , nein , er bleibt ! Er bleibt , weil er die Schönheit bewundert , er bleibt , weil er nichts fürchtet , als ... Er fürchtet Alles . Wie Sie sehen , diese Gendarmen hat er sich vom nächsten Landrath erbeten , weil er fürchtet ! Sie sehen daraus , rief Dankmar , daß die Entführung dieser Angedenken an eine unglückliche Frau , die man noch im Tode verfolgt , ein Act der Gewaltthat ist ! Jenes Bild , das Sie in Händen hatten , das der Gefangene im Thurme sich aneignen wollte , ist mir über Alles , über Alles werth und theuer . Es enthält das wichtigste Geheimniß einer edeln Familie ! Wir müssen es besitzen . Sagen Sie ein Mittel