' s vielleicht noch nachholen . Ich weiß nur nicht , ob ' s gut ist - ' s ist auch kein Pferd da . « Herr Gottfried schien nur die ersten Worte gehört zu haben . Er ließ das Kinn auf die Hand sinken , und so saß er träumend : » Wie soll ich mich denn zusammennehmen ? Ist ' s Einem denn noch nicht schwer genug gemacht - Kaspar , denkst Du denn auch bisweilen ? « » Wenn ' s mir befohlen wird . « » Das sag ich ja auch . Aber - ' s ist mir in den Magen gefahren . « » Ihr solltet Eins trinken auf den Schreck . « Der Herr nickte ihm Beifall . Der Wein war süß , aber über den Lippen glitt etwas Bitteres dem guten Herrn Götz : » Als schnürte er mir die Kehle zu ! Einmal war ' s mir doch , als stäk ich schon in einem Brunnen . « » Da muß man sich selber helfen , « brummte der Knecht . » Ich stak auch tief , aber ich buttelte mir ein Loch , und da kam ich raus . « » Du ! - Sahst du denn auch Flämmchen ? « » Wie ich erst das Sonnenlicht sah , da ging ' s risch , rasch . « Der gute Herr schüttelte den Kopf , so trübselig hatte er nie am Morgen nach einem guten Trunk ausgeschaut ; nie hatte er den Knecht , auch in seiner weichmüthigsten Laune , so weichmüthig , nein so wehmüthig angeschaut . » Kaspar ! Wenn er nur das nicht vom Brunnen geredet hätte ! Weiß Gott , seit er das gesprochen , ' s rührt sich Alles in mir . « » Ihr habt zu wenig auf ' s Essen getrunken . « » Und wie er mich mit den gläsernen Augen ansah , mir war ' s doch wie in der Storkower Fehde , weißt Du noch , als Abends das Sandtreiben kam , und ich lag verwundet und rings um kein Mensch , glaubte , es sei mein letzter Tag . Da dachte ich auch - Kaspar , toll ist er , aber ' s ist mir , als ob ' s was wäre ! « » Ja , ' s ist schon was , « sagte der Knecht . » Nu sage mal , Kaspar ! Hab ' s mein Lebtag nicht gehört : die Seele im Brunnen zugeschüttet ! Werde ja an keinem Brunnen mehr vorbei gehn , daß mir ' s nicht über die Haut rieselt . « Der Knecht Kaspar sann eine Weile nach , dann hub er an : » Ich meine so , gestrenger Herr , zweierlei . Das Denken ist schon gut , aber Manchermann meint , daß er denken thäte , und ist ' s doch nur , daß ihm im Kopfe rum surrt , was ein Anderer vor ihm gedacht hat , und er hat ' s aufgeschnappt , er weiß nicht wie , und wenn ' s in ihm losgeht , dann verschwört er Stein und Bein , ' s ' s wär sein eigener Gedanke . Darum ist ' s kein so groß Unglück , wenn Einer gar nicht denken thut . Und dann denk ' ich , eins schickt sich nicht für Alle . Wenn zum Exempel der Bauer immer denken wollte : warum sitzt der Junker im Schloß und trinkt , und ich muß robotten und dürsten , oder der Pracher : warum muß ich nackt auf ' s Betteln gehn , und der Bürger liegt in der Wolle bis über ' s Ohr , da kam Alles aus dem Schick . Oder wo kriegten denn die Fürsten und die Hauptleute ihre Diener , so Jedermann immer an seine Seele dächte und nicht an seines Herrn Vortheil . Dazu kriegen die Priester ihren Decem , und wollte Jeder für seine Seele allein denken , möcht ich mal sehen , ob sie den Priestern noch lange ihren Decem geben thäten , und wenn die nicht ihren Decem kriegten , dann schrien sie Zeter , und wo die Zeter über ein Land schreien , dann kommt die Pestilenz und Interdicte und was nicht Alles . « Herr Gottfried nickte zu dem Allen , aber daß es gerade der Hans Jochem war , und wo der es her hatte , das konnte er nicht begreifen . » Wißt Ihr , Gestrenger , als der Kapuziner predigen that zu Fasten , da sah ' s nachher bei uns doch aus , wie ein Haferfeld , wo die Schloosen drein schlugen . Es dauerte lang , bis das Volk die Köpfe wieder aufrichten that . Der Junker Hans Jochem lachte dazumal , als die Andern heulten und schrien . Nun mein , ich so : eingeschlagen hat ' s ; beim Einen schlägt ' s oben auf die Haut und beim Andern unter die Haut . Bei dem , da sieht man ' s , hier aber sieht man ' s nicht . Wie war ' s mit dem Gewitter im Ruppiner Thurm : Sie suchten ' s lang und fanden ' s nicht . Aber unter ' m Blech glimmte es fort , bis am dritten Tage die Sparren in lichter Lohe standen , da schlug ' s denn auch durch ' s Blech . Beim Junker hat ' s drei Monate unter ' m Blech geglimmt . « » Kaspar , wenn ' s bei mir auch ' raus schlüge ! « » Bei Gott ist kein Ding unmöglich , aber dafür , mein ' ich , läßt man den lieben Gott sorgen . Und was der fügt , das muß der Mensch nicht ändern . Und was man findet , das muß man nehmen . Warum wär es sonst vor uns hingelegt ? Und der Tisch ist nicht umsonst gedeckt , und der Wein ist auch nicht aus dem Keller geholt