Leichnam zu sehen . Einige erkannten den Todten ; denn Casimir hatte es wol zuweilen geliebt , in die niedrigsten Winkel des geselligen Verkehrs herabzusteigen , um , wie er sich auszudrücken pflegte , » die Genialität der Zoten « zu studiren . Halb rasend fielen die einmal Erhitzten über die Leiche her . Sie entdeckten den Dolch und glaubten , man habe ihn damit ermordet . Sogleich rissen ihm ein paar die Oberkleider ab . Man sah die eingeschlagene Brust , fühlte die zerbrochenen Rippen . Geschrei , Getümmel , erfüllte die Hausflur . » Der Jude hat ihn ermordet - Casimir wollte sich rächen - Mardochai ist ein Mörder ! - Nieder , nieder mit ihm ! « - So tobte Alles wüst durcheinander . Im Gedränge ward der Katafalk verrückt , die Kandelaber wurden umgestürzt . Dunkel lodernd brannten sie trüb fort unter der finstern Bahre . - Die Leiche ward von den Neugierigen fast zerrissen , die Lichter ergriffen die Bahrtücher , durch Rauch und Qualm starrten die Gesichter der Erbitterten . Man wollte in die obern Gemächer - da erschienen Bardeloh und Burton . Beiden gelang es , die Tobenden zu besänftigen , indem sie klar und ruhig die Thorheit der Annahme darthaten . Die rohe Menge zog sich murrend zurück , und entfernte sich auf Bardeloh ' s Befehl , grollend im Herzen , und die Kleidung des todten Dichters fast in kleine Fetzen zerreißend . Der Tumult ward gestillt und beruhigt traten wir wieder in die Versammlung . Jetzt erst ward Bardeloh in einem gewissen Sinn lebhaft . Er klopfte mir vertraulich auf die Achsel , indem er sprach : » Nun ist ' s gut . Die Zeit der That ist gekommen . « - Die Menge der Gäste verhinderte mich , länger mit Richard zu sprechen . Es drängten sich so viele an den unergründlichen Mann , daß immer Einer dem Andern weichen mußte , um nicht nach unserer Ausdrucksweise unhöflich zu erscheinen . Während nun die schwarz gallonirten Diener die Tafel bereiteten , benutzte ich die Gunst des Augenblickes und plauderte mit Auguste . Lucie und Oskar hatten sich ebenfalls in eine Fensternische zurückgezogen und überließen sich harmlosen Scherzen und verliebten Neckereien , wie sie dem Naturell des ungewöhnlich lebhaften Mädchens zusagten . Zu mir und Auguste gesellte sich bald wieder Felix , der in seiner schwarzen Sammetkleidung ganz allerliebst unter der burlesken Ernsthaftigkeit so vieler Erwachsenen herumlief . » Tante , « sprach er , » heut soll ich eigentlich gefirmelt werden , wenn der Vater sein Wort hält , ich weiß aber immer noch nicht , wie er es anstellen will . Denn das sieht mir curios aus und gar nicht besonders heilig . Willst Du Dich nicht mit firmeln lassen , Tante ? So allein mag es mir gar nicht recht gefallen . « » Laß das gut sein , liebes Kind , « erwiederte Auguste . » Der Vater spricht oft Worte , die wir nicht verstehen , und da wird es mit Deiner Firmelung wol auch nicht anders gemeint sein . « » Vielleicht ist es grade so , wie mit dem Civilisationsgift , das der Vater ordentlich recht im Leibe hat . « » Das hat er , « sprach nahe bei uns Bardeloh ' s starke Stimme , » ich sage Dir aber , Kind , heut Abend noch wird es ihn verlassen . « Hierauf wandte er sich mit seiner gewöhnlichen graziösen Leichtigkeit zu Auguste , und reichte ihr den Arm . » Kommen Sie , liebe Schwägerin ; die Tafel ist bereit , für Toaste gesorgt . Sigismund , meine Frau wartet auf Sie . « Die übrigen Versammelten folgten unserm Beispiele und ordneten sich um die lange Tafel , die fast in Form eines Kreuzes sich durch den weiten Saal hinzog . Am obersten Ende war für Mardochai ein Sitz bereitet . Ihm zur Rechten saß Steinhuder , zur Linken Gleichmuth . Grade gegenüber am untersten Theile nahm Bardeloh selbst Platz zwischen Auguste und Felix . Ich saß mit Rosalie in der Mitte des Saales , uns gegenüber der greise Castelan . Neben ihm Lucie , der lustige Ephraim , Oskar und Burton . Auf beiden Seiten gemischt die recht- , irr- und ungläubige übrige Gesellschaft . Von den Bekannten vermißte ich nur Friedrichen und den Mönch . Ich fragte Rosalien , weshalb diese beiden nicht Theil nähmen an dem Mahle , da sie doch in der letztern Zeit meistentheils eine anständige Ruhe zur Schau getragen hätten . » Richard hat über sie verfügt , « antwortete sie achselzuckend . Bangigkeit lag in ihrem Auge , aber auch die Zuversicht eines gewissen , wenn auch noch fernen Glückes . Es herrschte Anfangs eine etwas peinliche Einsylbigkeit . Nur einzelne sprachen , doch meist leise mit ihren nächsten Nachbarn . Unter die Lautesten gehörte Klapperbein , der sehr bald seine gewöhnlichen Spaßhaftigkeit ein paar übermüthige Sprünge machen ließ und dadurch herzliches Gelächter erregte . Heut ist Fastnacht , das heißt , es fehlt nur noch ein Linschen , so ist ' s ganz Nacht . Man sieht ' s aber nicht , weil ' s zu hell ist , und eben darum wollen wir lustig sein und trinken . Alle tausende fällt mir da ein Lied ein , just ein Studentenlied . Es thut jedoch nichts , auch ein alter Kerl mit einem ganzen Herzen darf ' s immer noch mit singen . Heda , eingestimmt ! Jung und Alt , Gottlos und Fromm . Es ist Fastnacht , wo Jeder sagen darf , was er will . Wohlan denn , Gläselein klinget : » Stoßt an , Mann für Mann , Wer den Flammberg schwingen kann etc. « Und nun sang der alte , rüstige Bruder Lustig mit so munterer Kehle , als sei er noch keine zwanzig Jahre alt . Es stimmten Viele mit ein , wenn es auch nicht Jedem von Herzen ging . Indeß bewirkte dieser frische