auf ihre Hand , die sie ihm willig ließ , von unnennbaren Gefühlen fast betäubt . Da riß sie aus ihren geisterhaften Schwärmereien ein lautes , helles Schluchzen dicht an ihrer Seite . Ormond sprang auf ; Maria blickte hin . Ollonie Dorset stand mit schlaff niederhängenden Armen ihnen gegenüber , und mit dem Ausdruck der Verzweiflung im bleichen Gesicht weinten ihre schönen Augen Ströme bitterer Thränen . Als sie sich bemerkt sah , flog sie auf Maria zu , umschlang in voller Qual ihren Nacken und seufzte : Du liebst ihn ! O Du Glückliche ! Und Dich , wie liebt er Dich ! O nimm ihn , nimm ihn ! Ollonie kann sterben für Euch beide . Ja , Ihr gehört zusammen , es mußte so kommen ; wie konnte er mich lieb behalten neben Euch . O Maria , ich selbst , ich wollte Euch hassen , wie Ihr so sorglos mein Glück zerstörtet ; doch auch ich , auch ich konnte Euch nicht hassen ! Ja , ich mußte Euch nur heftiger lieben , denn liebenswerther scheint Ihr mir noch durch das Lob seiner Liebe . O Gott ! rief Ormond hier , ganz außer sich , das theure Wesen in diesem Schmerz zu sehen . So war denn ausgesprochen , was er aus ihrem Zustande nur zu wahr errathen ; sie hatte Richmond in der Stille lange geliebt und erst ihr Gefühl verrathen , seitdem sie ihn für Maria glühend wähnte . Wie theilte sich in diesem Augenblick sein Herz zwischen diesem geliebten Mädchen und dem theuren Gegenstand seiner Liebe ! Still hielt Maria das holde Kind an ihrem Busen fest , ohne Worte , tiefsinnend . Sie wird ohnmächtig , sagte sie dann leise und hob sie mit Ormonds Hülfe auf ihren Sitz . O ! seufzte Ormond tief und schmerzlich , mußt Du schönes Herz auch die Qual unglücklicher Liebe leiden ! Wie habe ich vergeblich gefleht , es möchte ihr erspart bleiben ; doch immer ahnte ich ihre Liebe , ja , ich wünschte sie , ehe ich wähnen konnte , daß meinem edlen Richmond der höchste Preis zu Theil geworden . Still , sprach Maria leise , Ihr seid im Irrthum , Lord Richmond liebt mich nicht , und mein Gefühl , das Ihr mich kennen lehrtet , hat damit nichts gemein . Doch Ollonie liebt Richmond nicht , Euch liebt sie , theurer Ormond , Euch ! Und unbegreiflich habt Ihr Euch getäuscht und dies bis diesen Augenblick übersehen . Ohne Euch zu nennen , hat sie mir längst ihr Geheimniß verrathen , und ich hoffte , Ihr theiltet ihr Gefühl . Ormonds Erstaunen raubte ihm die Sprache . Ihre einfachen und bestimmten Worte ließen keine Mißdeutung zu , und vor ihm selbst that sich die Ueberzeugung auf , mit tausend schnell gegenwärtigen Beweisen . Doch er behielt nur wenig Zeit , diese Gedanken zu verfolgen . Die leichte Erschöpfung wich von Ollonie , sie schlug die Augen auf und blickte Beide zärtlich an ; dann nahm sie Ormonds Hand , drückte sie sanft in Maria ' s Rechte , und lispelte leise und schwach : So gehört Euch denn ! Und Du , lieber , bester aller Menschen , Du werde glücklich ! Sie wollte aufstehen , aber matt geworden , ward sie von Beiden unterstützt . Ollonie , sagte Maria sanft , Du hast zwei Hände vereint , die es schon in Freundschaft waren ; nicht Liebe wird ihr folgen . - Nun aber überlaßt mir die Pflege unserer theuern Ollonie , ich führe sie sicher . Ormond drückte in stummer Sprache die Hände Beider an sein Herz und eilte dann mit seiner vielfach angeregten Qual von dannen . Der Tag , der diesem Morgen folgte , war nun der letzte , den Maria unter dem ehrwürdigen Schutze ihrer großmüthigen Freunde verleben sollte , und es war ihr die Aufgabe gestellt , unter einem ruhigen Aeußern ihr tief bewegtes Herz zu verbergen . Wenn etwas diesen überwältigenden Umständen das Gleichgewicht zu erhalten vermochte , war es die bestimmte Richtung , die seit Ormonds Worten das Gefühl ihres Herzens erhalten hatte . Sie gewann , trotz den andrängenden äußern Umständen Zeit , sich hierüber mit sich völlig zu verständigen . Wie sie es so lange in sich als unverstandenes Geheimniß hatte tragen können , überraschte sie , und sie bat sich selbst um Verzeihung , daß sie in Verworrenheit und Unruhe und unverständlichem Wechsel von Freude und Leid hatte verderben können , was nun , verstanden , zu einem schönen vollständigen Schatz ihrer Seele gehörte , sie adelte und ihr eine neue erhebende Weihe zu geben schien . Daß zur selben Zeit diesen Empfindungen der Eintritt ins Leben und jede glückliche äußere Beziehung abgeschnitten ward , erkannte bei flüchtiger Betrachtung ihr klarer Verstand zu bestimmt , um eine Träumerei darüber zuzulassen , und sie fühlte , daß sie nur dann , ihrer selbst würdig , sich als Besitzerin dieses Gefühls anerkennen könnte , wenn sie eben so bestimmt und aufrichtig ihm die vollständigste Resignation zur Seite setzte . So heiligte sie beide Gefühle in ihrer Brust , und als sie nach diesem festen Abschluß mit sich das übrige Leben anblickte , fühlte sie sich ihm viel ruhiger gegenüber gestellt , als früher , und nur , ob sie das Rechte zu thun vorhabe , das nur flößte ihr Bedenken oder Sorge ein , nicht mehr die damit verknüpften Opfer . Nur der Brief , der die theuren Schriftzüge trug , konnte immer wieder aufs Neue die Bedenklichkeiten besiegen , die in jeder andern Beziehung ihr der bevorstehende Schritt einflößte . Aber ihren Widerwillen , sich auch nur in vorübergehende Gemeinschaft mit diesem Mann zu setzen , diesen zu überwinden , fühlte sie sich außer Stande . und ließ darin endlich ihr Herz gewähren . Seltsam traf sie Richmonds Anblick , als sie ihn bei der Tafel zuerst wieder sah , und sie würde ihn schwerlich ohne den Tribut der