, hier ohne alle Umstände geradezu gehen zu dürfen . Er schwieg also verdrießlich . Der Arzt hatte auf diese Unterredung seines Freundes mit seiner Base wenig geachtet . Sein eigenes Schicksal beschäftigte ausschließend seine Gedanken . Der Besitz einer bedeutenden Bibliothek , eines ansehnlichen Naturalienkabinets beglückte sein Herz . Er dachte daran , wie er dieß alles wolle hieher kommen lassen , und dabei fiel ihm die Nothwendigkeit ein , ein eigenes Haus zu haben , wenn er seine Schätze recht genießen wollte . An diesen Gedanken knüpfte sich der andere , daß alsdann eine Frau im Hause nothwendig sein würde , und er blinzelte so oft nach der schlanken Marie hinüber , daß diese trotz ihrer großen Jugend erröthete . Auf solche Weise war die Unterhaltung den Frauen überlassen , und die Frau des Predigers vertiefte sich mit der Base des Arztes bald in ein Gespräch über häusliche Einrichtungen , welches immer wärmer und lebhafter wurde , je mehr beide Frauen ihre gegenseitigen Einsichten erkannten , und man wechselte laut und lebhaft mit Fragen und Rathschlägen ab , worauf die beiden anwesenden Männer nicht zu achten schienen , sondern gedankenvoll und stillschweigend Tabak rauchten , indeß die jungen Mädchen in dieser langweiligen Umgebung nicht recht wußten , was sie mit sich anfangen sollten . Wie ein Sonnenstrahl durch den Nebel dämmert , so wurde die drückende Langeweile , die sich auf die Gesellschaft zu lagern begann , ein wenig durch einen rasch vorfahrenden Wagen zerstreut , dessen zierliche , der neusten Mode entsprechende Form sich im hellen Mondenschein bemerken ließ . Der Prediger eilte erstaunt den neuen Gästen entgegen , denen ein gut gekleideter Diener den Schlag des Wagens öffnete , worauf ein junger , sehr zierlich gekleideter Mann heraussprang , dem ein alter etwas mühsam folgte . Der Herr sei gelobt , der uns so weit geführt hat , sagte dieser mit heuchlerischer Stimme , und der Prediger erkannte den alten Lorenz . Er war zweifelhaft , wie er ihn aufnehmen sollte , als dieser mit großer Unbefangenheit auf ihn zutrat und ihm die Hand mit Vertraulichkeit bot , die der Prediger , überrascht , nicht ausschlug . Wir fuhren so nahe bei Ihnen vorbei , lieber Herr Prediger , begann Lorenz , daß ich es nicht unterlassen konnte , Ihnen meinen Besuch zu machen , um so weniger , da auch mein Sohn sehr wünschte , Ihnen nach so langer Zeit ein Mal wieder seine Achtung zu beweisen . Die Neugier , diesen Sohn zu sehen , war in dem Augenblick das überwiegende Gefühl des Predigers , und er nöthigte die Angekommenen höflich , einzutreten . Der junge Mann näherte sich mit leichten Schritten und sicheren Gebehrden den Frauen , um sie zu begrüßen , und nach einigen höflichen Worten , mit denen er seinen späten Besuch bei der Frau des Predigers entschuldigte , musterte er mit dreistem Blicke die Gruppe der jungen Mädchen , von welchen keine seinen besonderen Beifall zu erhalten schien . Er fuhr sich hierauf mit den weißen Fingern durch die schwarzen Locken , ordnete vor dem Spiegel ohne Umstände seine Halsbinde und gesellte sich zu den Männern . Der Prediger konnte sein Erstaunen weder beherrschen noch verbergen , indem er seine neuen Gäste betrachtete . Jede Spur von Armuth war verschwunden ; die feinsten Kleider trug heute der alte Lorenz statt des abgetragenen Ueberrockes , dessen er sich noch vor Kurzem bediente . Sie waren seinem Alter angemessen , aber doch nach der Mode ; den kahlen Scheitel deckte eine künstliche Perücke , und statt des im Walde geschnittenen Stockes diente ihm jetzt ein mit einem goldenen Knopfe versehenes Rohr als Stütze . Der Arzt war durch das Geräusch der Eintretenden ebenfalls aufgeregt worden , und indem er die neu Angekommenen begrüßte , betrachtete er mit scharfen , stechenden Blicken den jungen Mann , der seine großen schwarzen Augen dafür höchst ruhig auf ihn richtete . Irre ich nicht , redete ihn der Arzt mit vor Zorn flammenden Wangen an , so habe ich schon ein Mal die Ehre gehabt , Ihnen zu begegnen . Ich wüßte nicht , antwortete der junge Lorenz ; ich bin jetzt erst kurze Zeit wieder hier im Lande . Indem er diese Antwort höchst gleichgültig gab , nahm er aus einer goldenen Dose ruhig Tabak . Der Arzt ergriff seine eigene , viel schönere goldene Dose , und indem er heftig auf den Deckel schlug , rief er mit funkelnden , halb zugekniffenen Augen : Ich dächte doch , Sie müßten sich erinnern , was in Krumbach vorfiel , als ich Sie dort in der Schenke traf . Ich halte mich nicht anders in Schenken auf , sagte der Andere verächtlich , als wenn auf Reisen meine Pferde Ruhe bedürfen , und so kann es wohl sein , wenn Sie solche Orte besuchen , daß Sie mich ein Mal in der in Krumbach vorhandenen getroffen haben , denn mein Weg hat mich mehrmals durch dieses Dorf geführt . Und Sie hätten ganz vergessen , sagte der Arzt , indem er nahe auf ihn zutrat , was Sie damals alles sprachen , als ich durch mein Pflichtgefühl getrieben die Schenke besuchte , aus Menschlichkeit , die der Arzt niemals verläugnen darf , denn Wehe dem , der sich zu vornehm dünkt , an das Schmerzenslager zu treten , mag es stehen , wo es will . So können Sie mich in Schenken und an noch niedrigeren Orten antreffen , wenn Pflicht und Menschenliebe es mir gebieten ; wenn ich aber zu meiner Erholung unter Menschen gehe , so werden Sie mich immer in der besten Gesellschaft finden , zu der ich gehöre . Es ist gut , daß Sie mir das sagen , antwortete der junge Lorenz gleichgültig , denn Ihre unnütze , unbegreifliche Heftigkeit würde mich das zum Beispiel nicht haben errathen lassen . Der Arzt bemühte sich nun ebenfalls gleichgültig zu sprechen und fuhr deßhalb mit schlecht unterdrückter Heftigkeit fort : Es scheint also