, Deinen Atem . Bettine An Bettine Lücke in der Korrespondenz Nun bin ich , liebe Bettine , wieder in Weimar ansässig und hätte Dir schon lange für Deine lieben Blätter11 danken sollen , die mir alle nach und nach zugekommen sind , besonders für Dein Andenken vom 27. August . Anstatt nun also Dir zu sagen , wie es mir geht , wovon nicht viel zu sagen ist , so bring ich eine freundliche Bitte an Dich . Da Du doch nicht aufhören wirst , mir gern zu schreiben , und ich nicht aufhören werde , Dich gern zu lesen , so könntest Du mir noch nebenher einen Gefallen tun . Ich will Dir nämlich bekennen , daß ich im Begriff bin , meine Bekenntnisse zu schreiben , daraus mag nun ein Roman oder eine Geschichte werden , das läßt sich nicht voraussehen , aber in jedem Fall bedarf ich Deiner Beihilfe . Meine gute Mutter ist abgeschieden und so manche andre , die mir das Vergangne wieder hervorrufen könnten , das ich meistens vergessen habe . Nun hast Du eine schöne Zeit mit der teuern Mutter gelebt , hast ihre Märchen und Anekdoten wiederholt vernommen und trägst und hegst alles im frischen belebenden Gedächtnis . Setze Dich also nur gleich hin und schreibe nieder , was sich auf mich und die Meinigen bezieht , und Du wirst mich dadurch sehr erfreuen und verbinden . Schicke von Zeit zu Zeit etwas und sprich mir dabei von Dir und Deiner Umgebung . Liebe mich bis zum Wiedersehn . Weimar , am 25. Oktober 1810 G. Am 4. November Du hast doch immer eine Ursache , mir zu schreiben , ich hab aber nichts behalten , noch in Betracht gezogen als nur das Ende : » Liebe mich bis zum Wiedersehn . « Hättest Du diese letzten Worte nicht hingesetzt , so hätt ich vielleicht noch Rücksicht genommen aufs Vorhergehende ; diese einzige Freundlichkeit hat mich überschwemmt , hat mich gefangen gehalten in tausend süßen Gedanken von gestern abend an bis wieder heut abend . Aus dem allen kannst Du schließen , daß mir Dein Brief ungefähr vor vierundzwanzig Stunden frische Luft ins Zimmer gebracht hat . Nun war ich aber seitdem wie ein Dachs , dem die Winterwelt zu schlecht ist , und habe mich in den warmen Boden meiner eignen Gedanken vergraben . Was Du verlangst , hat für mich immer den Wert , daß ich es der Gabe würdig achte ; ich gebe daher die Nahrung , das Leben zweier regen Jahre gern in Dein Gewahrsam , es ist wenig in bezug auf viel , aber unendlich , weil es einzig ist ; Du selber könntest Dich vielleicht wundern , daß ich Dinge in den Tempel eintrug und mein Dasein durch sie weihte , die man doch allerorten findet ; an jeder Hecke kann man in der Frühlingszeit Blüten abbrechen ; aber wie , lieber Herr ! So unscheinbar die Blüte auch ist , wenn sie nun nach Jahren immer noch duftet und grünt ? - Deine Mutter gebar Dich in ihrem siebzehnten Jahr , und im sechsundsiebzigsten konnte sie alles noch mitleben , was in Deinen ersten Jahren vorging , und sie besäte das junge Feld , das guten Boden , aber keine Blumen hatte , mit diesen ewigen Blüten ; und so kann ich Dir wohl gefallen , da ich gleichsam ein duftender Garten dieser Erinnerungen bin , worunter Deiner Mutter Zärtlichkeit die schönste Blüte ist , und - darf ich ' s sagen ? - meine Treue die gewaltigste . - Ich trug nun schon früher Sorge darum , daß , was bei der Mutter so kräftig Wurzeln schlug und bei mir Blüten trieb , endlich auch in süßer Frucht vom hohen Stamm an die Erde niederrollen möchte . Nun höre ! - Da lernte ich in München einen jungen Arzt kennen , verbranntes , von Blattern zerrissenes Gesicht , arm wie Hiob , fremd mit allen , große ausgebreitete Natur , aber grade darum in sich fertig und geschlossen , konnte den Teufel nicht als das absolut Böse erfassen , aber wohl als einen Kerl mit zwei Hörnern und Bocksfüßen ( natürlich an den Hörnern läßt sich einer packen , wenn man Courage hat ) , der Weg seiner Begeisterung ging nicht auf einer Himmels- , aber wohl auf einer Hühnerleiter in seine Kammer , allwo er auf eigne Kosten mit armen Kranken darbte und freudig das Seinige mit ihnen teilte , seine junge , enthusiastische Kunst an ihnen gedeihen machte ; - er war stumm durch Krankheit bis in sein viertes Jahr , ein Donnerschlag löste ihm die Zunge , mit fünfzehn Jahren sollte er Soldat werden ; dafür , daß er des Generals wildes Pferd zähmte , gab ihn dieser frei , dadurch , daß er einen Wahnwitzigen kurierte , bekam er eine kleine unbequeme Stelle in München , in dieser Lage lernte ich ihn kennen , bald ging er bei mir aus und ein , dieser gute Geist , reich an Edelmut , der außerdem nichts hatte als seine Einsamkeit ; nach beschwerlicher Tageslast , aus hilfreicher Leidenschaft lief er oft noch abends spät meilenweite Strecken , um die gefangnen Tiroler zu begegnen und ihnen Geld zuzustecken , oder er begleitete mich auf den Schneckenturm , wo man die fernen Alpen sehen kann , da haben wir überlegt , wenn wir Nebel oder rötlichen Schein am Himmel bemerkten , ob ' s Feuer sein könnte , da hab ich ihm auch oft meine Pläne mitgeteilt , daß ich hinüber möchte zu den Tirolern , da haben wir auf der Karte einen Weg ausstudiert , und ich sah es ihm auf dem Gesicht geschrieben , daß er nur meiner Befehle harre . So war ' s , da in Augsburg die pestartigen Lazarette sich häuften und in kurzer Zeit die Ärzte mit den Kranken wegrafften ; mein junger Eisbrecher wanderte hin , um Last und Gefahr einem alten Lehrer abzunehmen , der