umeinander laufenden und durch unzählige Zugänge unter sich verbundenen Gemächer fast alle einander gleichen . Die Wege sind sehr reinlich gehalten , die Wände glatt mit der Schere geschnitten , ziemlich hoch und oben gemeiniglich offen . Der Maler schritt in diesen angenehmen Schatten , seinen Gedanken nachhängend , von Zelle zu Zelle , und nachdem er lange vergeblich auf das Zentrum zu treffen gehofft hat , verfolgt er endlich eine bestimmte Richtung und gelangt auch bald in ein größeres rundes Gemach , worauf die verschiedenen Wege von allen Seiten zuführen ; es ist oben bis auf eine schmale Öffnung überwölbt , und diese sanfte Dämmerung , die Einsamkeit des Plätzchens , wo kaum das Summen einer Fliege die tiefe süße Mittagstille unterbrach , alles stimmte vollkommen zu den Gefühlen unseres Freundes . Er setzte sich auf eine Bank und schlug die Mappe auf . Verschiedene Aufsätze fanden sich da , meistens persönlichen Inhalts , Poesien , kleine Diarien , abgerissene Gedanken . Sehr viel schien sich auf Theobald selbst zu beziehen , anderes war durchaus unverständlich , auf frühere Lebensepochen hindeutend . Besonders anziehend aber war ein dünnes Heft mit kleinen Gedichten , fast lauter Sonette » an L. « , sehr sauber geschrieben . Nolten erriet , wem sie galten , denn der Verstorbene hatte ihm selbst von einer frühen Liebe zu der Tochter eines Geistlichen gesprochen . Es war allem nach ein höchst vortreffliches Mädchen , das in der schönsten Jugend gestorben . Wahrscheinlich fiel das Verhältnis in den Anfang von Larkens ' Universitätsjahren ; wie heilig ihm aber noch in der spätesten Zeit ihr Andenken gewesen , erkannte Theobald teils aus der Art , wie Larkens sich darüber äußerte ( er sprach ganz selten und auch dann nie ohne Rückhalt von der Sache ) , teils auch aus andern Zeichen , die er erst jetzt verstand . So lag z.B. in den zierlich geschriebenen Blättern ein hochrotes Band mit schmaler Goldverbrämung , das der Schauspieler von Zeit zu Zeit und , wie Nolten sich bestimmt erinnerte , immer nur an Freitagen , unter der Weste zu tragen pflegte ; der Maler legte die Gedichte zurück , um sie später mit Agnes zu genießen . Jetzt aber ward er durch die Aufschrift einiger andern Bogen aufs äußerste frappiert und eigentlich erschreckt . » Peregrinens Vermählung mit * . « Eine Note am Rand sagte deutlich , wer gemeint war ; er blätterte und entdeckte im ganzen eine unschuldige Phantasie über seine frühere Berührung mit Elisabeth . - Von jeher war es dem Schauspieler gewohntes Bedürfnis gewesen , alles , was ihn auf länger oder kürzere Zeit interessierte die Eigentümlichkeiten seines nächsten Umgangs , das ganze Leben mancher Freunde , durch Zutat seiner Einbildung mit einem magischen Firnis aufzuhöhen , sich näherzubringen und so alles auf zweifache Art zu genießen . Er trieb diesen idealen Unterschleif nicht leicht in solchem Maße , daß ihm dadurch die natürliche Ansicht von Dingen und Personen verrückt oder unschmackhaft geworden wäre , er beurteilte namentlich Theobalds Wesen bei alledem auf die nüchternste Weise und pflegte jener phantastischen Neigung so wenig auf Kosten der Freundschaft , daß er vielmehr mit ängstlicher Sorgfalt alles und jedes vor ihm versteckte , was auf die Gesundheit seines Gemüts irgend nachteilig von dorther hätte wirken können . So ließ er sich denn insbesondere von seiner Vorliebe für Elisabeth nichts gegen Theobald merken . Er beschäftigte sich lange Zeit mit dem Schicksale dieser Person , doch außer den getreu nach der Wahrheit verfaßten Memoiren , welche der Leser längst kennt , kam Nolten keine Zeile von den dahin einschlagenden Versuchen zu Gesicht . Ohne Zweifel hatte Larkens einmal die Absicht gehabt , die Geschichte mit der Zigeunerin für sich zu erweitern und ins Fabelhafte hinüberzuspielen ; dasjenige , was der Maler in Händen hielt , waren teils Fingerzeige zu Gedichten , teils ausgeführte Stücke , welche in loser und schwebender Verknüpfung , wie es der mythischen Komposition angemessen schien , zuletzt einen gewissen Lebenskreis erschöpfen sollten . Freilich geschah diese wunderliche Amplifikation der an sich schon wunderbaren Tatsachen mehr in seiner eignen als Noltens Sinnesweise . Der Maler konnte sich an der Fiktion als solcher ergötzen , doch brachte diese Reihe von seltsamen Bildern alsbald eine solche Beklemmung , Unruhe und Schwere über ihn , daß er die Blätter mehr als einmal ungeduldig wegwarf . Indem hier einige Stücke ausgehoben werden mögen , ist zum Verständnis des ersten Gedichts einer Randbemerkung zu erwähnen , wodurch auf eine gewisse Zeichnung hingewiesen wird , welche von Nolten zur Zeit , als er die Schule zu * * besuchte , entworfen , Elisabeths Gestalt in asiatischem Kostüm , mit Szenerie im ähnlichen Geschmack , darstellte ; später sah Larkens das Blatt und bat sich ' s aus , doch lag es nicht hier bei . Die Hochzeit4 Aufgeschmückt ist der Freudensaal ; Lichterhell , bunt , in laulicher Sommernacht Stehet das offene Gartengezelte ; Säulengleich steigen , Reichlich durchwirket mit Laubwerk , Die stolzen Leiber Sechs gezähmter , riesiger Schlangen , Tragend und stützend das Leicht gegitterte Dach . Aber die Braut noch wartet bescheiden In dem Kämmerlein ihres Hauses . Endlich bewegt sich der Zug der Hochzeit , Fackeln tragend , Feierlich stumm . Und in der Mitte , Mich an der linken Hand , Schwarzgekleidet geht einfach die Braut ; Schöngefaltet ein Scharlachtuch Liegt um den zierlichen Kopf geschlagen , Lächelnd geht sie dahin ; Das Mahl schon duftet . Später , im Lärmen des Fests , Stahlen wir seitwärts uns beide Weg , nach den Schatten des Gartens wandelnd , Wo im Gebüsche die Rosen brannten , Wo der Mondstrahl um Lilien zuckte , Wo die Bäume vom Nachttau troffen . Und nun strich sie mir , stillestehend , Seltsamen Blicks mit dem Finger die Schläfe : Jählings versank ich in tiefen Schlummer . Aber gestärkt vom Wunderschlafe Bin ich erwacht zu glückseligen Tagen , Führte die seltsame Braut in mein Haus ein . Warnung Der Spiegel dieser