Tante ! immer so viel Achtung für die Schreiberin einflößten , die sind es , welche jetzt Hugo ' s und meinen Frieden mit den unversöhnlich Gesinntesten machen . Der vortreffliche Oheim hat Eduard geschrieben , ihm in die Seele geredet , und mir wenigstens eine verzeihende Aeußerung von ihm gewonnen . Auch in der Stadt , am Hofe , zeigte sich der würdige Mann unsertwegen . Ihm ward eine lange Unterredung mit der Fürstin Mutter , in welcher diese zuletzt eingestand : Es sei so viel für die Bewahrung der Sitten gewonnen , daß nun jedes andere Gerücht zum Schweigen gebracht werde . Auch hat sie mich grüßen lassen , und geäußert : Der Zutritt an Hof stehe mir frei , wenn ich ihn suchen wollte . Alles dies schreibe ich Ihnen , weil es auch Sie vielleicht gütiger stimmt . Werden Sie mir wohl antworten ? Und sollte ich diese Antwort fürchten müssen ? Oder - ich weiß es nicht , aber ich denke manchmal , mein Glück muß Sie rühren ! und am Ende , wenn Alle aufhören , mich zu schelten , wollen Sie , die früher Andere , ihrer Strenge wegen , tadelte , jetzt erst anfangen , es diesen gleich zu thun ? Geben Sie mir Ihre Hand , lassen Sie mich sie küssen . Sein Sie wie immer , die Gütige , die nicht zürnen kann . Hugo an Elise Der Einfall , den schönen Frühlingstag in Wehrheim zubringen zu wollen , ist vortrefflich . Wissen Sie , daß der gestrige , warme Regen alle Knospen der Mandelblüthen geöffnet hat ? Wie ein rothes Wölkchen zieht es sich unten an den Bergen hin ! Und am Boden , der frische Rasenteppich ! und darüber , den Glanz der klaren , milden Merzsonne ! Ich sage Ihnen , Elise ! das helle Wehrheim tritt wie ein Zaubergarten aus den blauen Wellen unsers Stroms herauf . Nun , Sie werden ja sehen ! Ich kam eben von dort , als ich Ihr Billet fand . Wir hatten einen Gedanken ! Es ist sonderbar , sagen Sie mir , wie die Natur oft in so frappantem Zusammenhange mit dem Geschick der Menschen zu stehen scheint ! Dieses hat auch seine Abschnitte , und nicht selten correspondiren Jahreszeiten und Lebensepochen höchst wunderbar ! Ich erinnerte mich auch heute der starren , verwilderten Stimmung , in der ich den lieben Ort , unter Winterstürmen und Eisnebeln , vor wenigen Monaten durchstrich , und freute mich , den schönen Frühling in ruhiger Brust aufnehmen zu können . Lassen Sie es uns vergessen , daß die Stunden zeitlich und auch der Frühling vergänglich ist ! Wir wollen heute thun , als könne weder ihm noch uns der Wechsel etwas anhaben ! Sophie begleitet Sie doch ? Sie gehört so sehr zu uns . Der Oheim kommt auch , vielleicht später ! immer indeß vor Abend . Sie haben auch die Nachtluft zu scheuen . Ob mir gleich nichts über das Hineindämmern in die geheimnißvollen Dunstbilder des Thaues und die breiter fallenden Schatten geht . Könnten wir die Rückfahrt nicht zu Wasser machen ? Aber ich besinne mich ! Nein ! Nein ! Sie scheuen das . So fahren Sie mit dem Oheim , und ich bringe Ihnen Sophie nach . Guten Morgen , Liebe ! Elise an Hugo Welch ' einen Tag haben wir verlebt ! Ich kann noch nicht schlafen gehen . Es ist Alles wach in mir ! Haben Sie es denn empfunden , wie mir ward , als mich der Comthur die Treppe zum Schlosse hinauf führte ? Und ich nun eintrat , nun da war , da sein durfte , in der neuen Heimath . - Ich hatte früher das nie gedacht , nie geträumt , die Empfindung überwältigte mich , man ist sich fremd in den ganz neuen Lebensbeziehungen , ich zitterte , ob aus Schwäche , aus Freude oder einer höhern Macht , die mich bis hierher führte ? ich weiß es nicht zu sagen . Mein sanfter Begleiter schien mir über alles , so wie über die Stufen der Treppe weg , und nur vorwärts helfen zu wollen . Dann ließ er mich , und trat einige Schritte seitwärts , als wir innerhalb standen , und ich gleichsam eingeweiht war , und Besitz von meiner künftigen Wohnung genommen hatte ! Hugo ! wie ist es denn möglich , daß plötzlich alles so anders werden , die Vergangenheit versinken , und eine Gegenwart da sein kann , die mit dem schon gelebten Theil des Daseins in keiner äußern Verbindung steht , und doch ganz da ist , vollständig , bindungslos , wie die Ewigkeit ihr unbegreifliches Leben um uns verbreitet ? Ich habe den ganzen Tag über diese Frage nicht hinausgekonnt . Daß ich das nur fragen mußte ! Es waren überschwengliche Stunden , in denen ein Menschenherz brechen könnte , weil es das nicht faßt , was es zu reich beseligt ! Sehen Sie , wie wir nun nach und nach häuslicher in dem unbewohnten Schlosse wurden , wir bei einander saßen , das Auge mit allen Gegenständen außer uns vertraut ward , Niemand gerade sprechen mochte , der Fluß so eintönig rauschte , als sage er uns seit Jahren dasselbe , unsere Hände in einander lagen , die Blicke über die Landschaft hinglitten , die Mandelbäume ihre rothen Kronen leise bewegten , und das Wasser frische Lüftchen heraufschickte , um uns den milden Blüthenduft näher zu bringen , ich hätte denken können , es sei immer so gewesen ! Und dann erschrack ich doch wieder , und fragte mich , ist es denn nun erlaubt , daß ich hier bin ? daß ich seine Hand in die meine schließe ? daß ich es zeige und sage , wie ich ihn liebe ? Diese innere Ruhe , diese Sicherheit ist kein Traum ! Hugo , lieber Hugo ! Der Himmel hat mir viel Muth , und durch lange Zeit Kraft im Unglück gegeben