wackres Angesicht , und gewißlich seyd Ihr brav geblieben , wie Ihr ' s wart . Ach , sagte oft mein Seliger : wenn ich ' s nur erleben könnte , den kleinen Junker als unsern Herrn zu sehen . Sein Vater ist zwar gut , aber zehnmal besser würde der Sohn . Nun freilich , « fuhr sie fort mit einem Seufzer : » diese Zeit hat mein Alter nicht erlebt ; er würde sie auch nicht erlebt haben , wenn er noch so alt geworden wäre ; wir wußten damals noch nicht , daß Eure Mutter , der Gott gnädig seyn wolle , Euch der Kirche verlobt habe . « - » Gott erhalte Euch meinen Vater noch lange , « erwiederte Dagobert : » einen bessern Gebieter findest Du schwerlich wieder . « - » Mag seyn , « versetzte Crescentia trocken : » das Bessre , sagt ein Sprichwort kömmt nicht immer nach . - Eure Schwester , das Fräulein Wallrade , war kürzlich hier . « - » So ? « fragte Dagobert gleichgültig : » Wie kam ' s , daß sie sich hieher verirrte ? « - » Ei , « fuhr die Schaffnerin fort : » in solchen Angelegenheiten mag sich ' s wohl der Mühe verlohnen , auch dem kleinen Schellenhof einen Besuch zu schenken . Das Fräulein hat alle Baulichkeiten und Ländereien betrachtet , Stall und Garten besichtigt , und nach allen Einkünften und Zinsen des Guts gefragt . Das ist eine genaue Herrin , und wird Vieles ändern , wenn sie den Hof antritt . « - » Wallrade ? « fragte Dagobert , mit mehrerer Theilnahme schon : » Wallrade ? Ei , wie käme sie dazu ? « - » Sie hat mir versichert , « sprach die Alte , » daß sonder Zweifel die Meierei an sie fallen würde ; und sich überhaupt so herrisch und stolz betragen , als ob Euer Vater schon auf dem Schragen läge , und sie die einzige Erbin sey . « - » Hm ! « schaltete Dagobert ein : » Nicht übel . Es dürfte aber leicht anders kommen , gute Crescenz . Laß uns von andern Dingen reden , denn - Du weißt wohl - Geschwister hören nicht gerne von Geschwistern sprechen . - Ich bin gekommen , Eins mit Dir , zu plaudern , gute Seele , von Deinen kleinen Sorgen , von Deinem bescheidnen Wohlstande , von Deinen Leiden und Freuden , mit einem Worte . « - » Ach , « versetzte die Alte lächelnd : » was soll ich Euch denn sagen , lieber Junker , das Euerm gelehrten Verstande nicht langweilig vorkommen sollte ? Der Leiden habe ich , dem Himmel sey Dank , nur wenig . Die Vergangenheit hatte mir deren mehr bescheert . Die wenigen Freuden schaffe ich mir selbst , oder die Jahreszeit bringt sie . Damals war eine böse Zeit , als mein Wolfram starb . Euer Vater hatte just zum zweiten Male gefreit , und Eure Stiefmutter war eingezogen in aller Pracht und Herrlichkeit , aber auch mit allem Übermuth einer leichtsinnigen Jugend . Da sollte Alles neu erstehen und aufgeputzt werden ; da war Alles zu alt und zu verjährt . Das alte Geräthe aus dem Hause , und die alten Diener hinterdrein , hieß es damals . Ich hatte das Unglück , den Groll der schönen Frau auf mich zu ziehen , weil ich ihr nicht den gehörigen Reverenz erwiesen , da sie den Schellenhof zum Erstenmal besucht . Aber , Du lieber Gott , - mein Wolfram war gerade gestorben , - im Hause Alles drunter und drüber ; ich fand kaum ein Wort für mich , geschweige denn für die gestrenge Frau . Sie zürnte deßhalb auf mich , und ich war die Erste , die aus Euers Vaters Dienst entlassen wurde , - eine arme Wittib , ohne Habe , und Mutter eines noch unerwachsnen Mägdleins . Zudem hatte mein Alter noch Schulden hinterlassen , die ich nicht tilgen konnte , und schon wollte ich , das Kleid , das ich auf dem Leibe trug , allein behaltend , meinen Rosenkranz auf meines Mannes Grab legen1 und dann mit meinem Kinde betteln gehen , als ein Menschenfreund durch seine unvermuthete Hülfe uns von der bittersten Armuth rettete . Wir zogen auf das nahe Dorf , und lebten von der Unterstützung des biedern Helfers . Meiner Hände Arbeit versorgte den Mund , die Milde jenes Edeln half unsern übrigen Bedürfnissen ab . Indessen hatte hier ein Gärtner aus Wälschland sein Wesen getrieben , des Meierhofs Nutzen verkleinert , die Herrschaft betrogen . Durch unsern Freund kam die Schelmerei an den Tag , durch unsers Freundes Fürbitte wurde ich wieder hier eingesetzt , nachdem ich sechs Monden lang dies Haus hatte meiden müssen . Die gestrenge Frau , die ihre Voreiligkeit in ihrer Herzensgüte gerne wieder verbesserte , hat mich seither gut behandelt , und vor zwei Jahren meine Else zu sich als Gürtelmagd genommen . So gut ich meiner Else Arme hier im Hause hätte brauchen können , so wollte ich doch ihre Dienste einer Gebieterin nicht weigern , die mit einer alten Frau menschlich umgeht . Von jener Zeit an lebe ich hier allein und einsam . Der Lenz erfreut mich mit seinen Blumen , der Sommer mit seinen Garben , im Herbste breche ich die Früchte der Bäume , ... « - » Und im Winter ? « fiel Dagobert ein : » im Winter ? Wie steht es da ? Nicht dem Sturme des Nords allein bist Du Preis gegeben , sondern auch dem Muthwillen , der Raublust böser Gesellen , denen Du in Deiner Einsamkeit nicht widerstehen könntest . « - » Ei warum denn nicht ? « fragte Crescentia lächelnd : » Glaubt ja nicht , daß ich so ganz Mutterseelen allein sey . Mit nichten . Ein Paar rüstige , Knechte sind immer hier zur Hand . Nicht