und Hadern mit Gott und der Welt , auf ein fromm ergebenes Gemüth deutet . Er floh die Gesellschaft , doch nicht die Menschen ; oft saß er Stundenlang mit Vicktorinen an Angelikas Hügel und ließ sich von dem schönen Zusammenleben der beiden Freundinnen erzählen , oder er sprach zu Vicktorinen von Raimund und seiner Errettung durch diesen , und von dem sehnlichen Wunsche , ihn noch einmal im Leben zu sehen , dessen Gestalt nur wie ein dunkles Traumbild aus seinen Fieberphantasien ihm vorschwebte . Den wackern Horst und dessen fröhliche Braut sah er ebenfalls gern und freute sich des frisch erblühenden Lebens dieser Beiden ; sogar der alte Kleeborn war ihm lieb geworden , denn dieser fühlte das tiefste Mitleid für den Armen und trat immer so leise an ihn heran , als befände er sich in einer Kirche . So ward er allen ein lieber milder Gefährte , und jeder ehrte seinen Schmerz , weil er auf so edle Weise ihn zu tragen wußte und niemanden durch denselben lästig fiel . Sie besuchten ihn gern an seinem stillen Hügel , zwischen dessen dunklen Cypressen sich unter seiner Leitung ein großes einfaches Kreuz von weißem Marmor erhob . Nur Babet ging ihm aus dem Wege , aber sie ließ es dennoch an schönen rührenden Redensarten nicht fehlen , wenn sie so glücklich war , durch Erzählung seiner traurigen Geschichte die Aufmerksamkeit der Gesellschaft sich zuwenden zu können . Horst hatte den schweren Auftrag erhalten , der Tante den Verlust ihrer Angelika zu melden , denn Vicktorine vermochte es in den ersten Tagen nicht die Feder zu führen . Er suchte auf die schonendste Weise ihr die traurige Nachricht zu verkünden , aber Annas Herz blutete dennoch bei dieser Botschaft aus tausend Wunden . Mein süßes Kind ! meine holde weiße Rose ! ach warum mußte ich fern von Dir seyn , als Du das schöne Haupt zum ewigen Schlummer neigtest , schrieb Anna in ihrer Antwort an den Rittmeister . Jetzt erst verstehe ich , was mich immer so vorahnend ergriff , wenn ich den Namen Klarenau nennen hörte . Immer mußte ich denn aufzufinden suchen , wo ich früher ihn gehört , was mir ihn merkwürdig gemacht haben könne , und doch kam ich nie darüber zum klaren Bewußtseyn . Ganze Nächte hindurch hat dieser Name mich verfolgt , jetzt weiß ich , daß Baron von Sternwald ihn mir einmal genannt hat , als er Angelikas hartes Geschick mir vertraute . Sie selbst nannte den Geliebten nie so , sie sprach immer nur von Ferdinand , und war von seinem Untergange so fest überzeugt , daß auch in mir kein Zweifel daran aufkommen konnte . Hätte man mir in dieser Zeit , da ich wegen einer Angelegenheit , in die auch ich verwickelt bin , ihn oft nennen hörte , nur ein einzigesmal als Ferdinand von Klarenau ihn bezeichnet , und dabei die lange Reihe seiner übrigen Vornamen weggelassen , die mich irre machten , ich glaube , daß mein Gedächtniß wieder erwacht wäre . Dann hätte ich die arme Angelika auf das Glück vorbereiten können , das ihr so nahe bevorstand , und die überraschende Freude hätte das weiche , nur an Leiden gewohnte Herz nicht gebrochen . Angelika lebte noch - ach wahrscheinlich doch nur , um einige Wochen oder Monate später die Welt mit bangem Widerstreben , im harten Kampfe zu verlassen , die Ferdinands Liebe ihr erst zum Paradiese umgewandelt hätte ! O meine Angelika ! im höchsten Lichtpunkt Deines sonst immer trüben Lebens , dem kein zweiter in solcher Herrlichkeit folgen kann , schlang Dein reiner Geist sich hinauf , Dein Herz brach in Wonne ! Wer möchte nicht sterben wie Du ? Nach dem , was Sie , lieber Horst , von des armen Klarenau jetzigem Zustande mir schreiben , und dem , was ich sonst noch von seinem frühern Geschicke erfuhr , darf er hoffen , nicht lange mehr über den Hügel zu trauern , unter dem das Leben seines Lebens ruht . Seine Leiden während der fürchterlichen Gefangenschaft , in der er Jahre lang schmachtete , mußten seine Lebenskraft ohne Rettung untergraben . Ach , ich weine um meine Angelika und dennoch fiel ihr auch in dieser Hinsicht ein glückliches Loos . Du weiche sanfte Seele , wie hättest Du es tragen wollen , den Geliebten zweimal zu überleben . Der Winter kam heran , doch weder Bitten noch Vorstellungen vermochten es , den armen Klarenau zu bewegen , sich von seinem Cypressenhügel und der kleinen Wohnung in der Nähe desselben zu trennen ; seine Freunde mußten sich entschließen , ihn einsam zurückzulassen , als sie ihr Haus in der Stadt wieder bezogen . Agathens Hochzeit war durch den Tod der von allen betrauerten Angelika verschoben worden , selbst Horst hatte sich mit guter Art darin ergeben , denn die ihm eigne Gutmüthigkeit erlaubte ihm nicht , in der Nähe eines so Unglücklichen , wie Klarenau , ein fröhliches Fest zu begehen . Jetzt aber wurde , zu Anfange des Winters , der feierliche Tag von Herrn Kleeborn unwiderruflich bestimmt , so viel auch Agathe dagegen einwenden mochte , die durchaus erst die Ankunft der Tante abwarten wollte . Selbst am Hochzeitsmorgen war indessen Agathe noch fest überzeugt , daß Anna sich zur rechten Zeit einstellen werde ; » denn , « sagte sie , » sie hat es einmal versprochen und den Tag weiß sie auch . Glaubt mir nur , sie kommt gewiß und daher könnt ihr es mit dem Anziehen noch immer anstehen lassen , ihr versteht es doch alle nicht wie sie , und wenn die Tante mich heute nicht anziehen soll , so braucht meinetwegen gar nichts daraus zu werden , heute . « Jedoch die Zeit verging , die Stunde der Trauung rückte immer näher , das um Agathen versammelte Heer der Jugendfreundinnen , das nicht minder zahlreiche der Kammerjungfern wurde immer dringender in seinen Ermahnungen . Schon griff Babet mit sauersüßer Miene