, « schloß endlich Eugenia , des Streitens müde , » Sie mögen Recht haben , und Gabriele äußerte schon damals Spuren jener Festigkeit , überhaupt jenes vernünftigen Ueberlegens , das sie später bewieß , als sie drei Monate , nachdem sie aus Schmerz über die Trennung von einem gewissen Herrn hatte sterben wollen , sich plötzlich eines andern bedachte , der Auszehrung , in die sie zu verfallen drohte , und überhaupt der ganzen traurigen Liebesgeschichte den Abschied gab , und kurz und gut diesen etwas poßirlichen Herrn Vetter heirathete , der sie bei alle dem zur reichsten Frau im Lande machte , und auch sonst , wie ich höre , sich ziemlich lenken läßt . « » Gräfin ! Gräfin ! « unterbrach sie unwillig der Professor . » Stille , stille , lieber Freund ! « erwiderte Eugenia und drückte ihre Hand auf seine Lippen , » ich weiß was ich weiß , und behaupte nichts , als was ich mit Beweisen belegen kann . Ich war mit dem Rosenbergischen Hause zu genau liirt , als daß mir diese Geschichte hätte verborgen bleiben können . « Gabrielens Rückkehr zur Gesellschaft zwang Eugenien mitten im Strome ihrer Rede zu verstummen . Alles brach auf um die letzten Stunden des milden Herbstabends noch im Freien zu genießen . Doch mochte das , was Eugenia noch etwa zu erzählen haben konnte , nicht für alle verloren gehen , denn einige der im Pavillon gegenwärtig gewesnen Damen bemächtigten sich ihrer mit ungemeinem Eifer , um ihr noch bei Mondenschein die Schönheiten des altvätrischen Schloßgartens zu zeigen . Auf Hippoliten hatte niemand geachtet ; ausser sich vor Zorn über die Erzählerin , deren unverkennbare Bosheit seine ganze Verachtung erregte , unfähig ihr zu glauben , und doch von ihr tief in der Seele verwundet , war er auf seinem Platze stehen geblieben , bis der Professor , der letzte welcher den Pavillon verließ , an ihm vorüberging . Mit einem freudigen Auffahren ergriff er diesen am Arm , und zog ihn mit sich fort , ins Schloß hinein . Ein Blick in Hippolits bittendes Auge , und einzelne abgebrochene Worte bewogen den freundlichen Mann , sich ihm unbedingt hinzugeben , und , freilich etwas verwundert über sein seltsames Benehmen , ihm zu folgen , wohin er ihn führen möchte . So wie sie in Hippolits Zimmer angelangt waren begann dieser , noch athemlos von äußerer und innerer Bewegung , dieses sein unziemend erscheinendes Betragen gegen seinen Gast so gut er es vermochte zu entschuldigen . » Es war mir unmöglich , « sprach er , » eine Frau welche die Anbetung der ganzen Welt verdient , so lästern zu hören « - » Dann bedürfen Sie bei mir keiner Entschuldigung , Herr Graf , « unterbrach ihn der Professor ; » konnte ich selbst es doch auch nicht , und ließ mich , wie Sie werden bemerkt haben , dadurch verleiten , mitten unter mir ganz Unbekannten als ihr Vertheidiger aufzutreten . Und doch habe ich sie nur als ein halbes Kind gekannt . Jetzt stehe ich wirklich geblendet vor ihr . « » O könnten Sie jetzt erst sie recht kennen lernen ! Würde es Ihnen vergönnt wie mir , ein Augenzeuge ihres Lebens zu seyn ! « rief Hippolit , von seinem Gefühl hingerissen , und der eben aufgehende Mond spiegelte sich in seinem glänzenden , himmelwärts gerichtetem Auge . Es entstand eine kleine Pause , während welcher der Professor Hippoliten aufmerksam und mit Wohlgefallen betrachtete . Dann nahm dieser gefaßter wieder das Wort . » Mag denn die freudige Empfindung , mit der ich Ihnen zuhörte , mir und meinem Ungestüm das Wort reden , « sprach er , » und mich auch entschuldigen , daß ich Sie , mit dem ich so zusammentraf , nicht gleich wieder verlassen kann ; daß ich sogar es wage , Sie als einen längst gekannten Freund zu betrachten , und mit vielleicht zu jugendlicher Zutraulichkeit Sie um die Gewährung einer Bitte zu ersuchen . « » Es sollte mich in Erstaunen setzen , wenn ich im Stande wäre Ihnen eine zu gewähren , Herr Graf ! obgleich ich fühle , daß ich Ihnen schwerlich eine abschlagen könnte , « erwiderte der Professor , indem er Hippoliten freundlich die Hand bot . » Die Macht der Verläumdung ist groß , « sprach Hippolit verwirrt nach Worten suchend , und mit abgewendetem Gesicht ; » sie ist darum so über allen Ausdruck entsetzlich , weil sie unser Heiligstes untergräbt , ohne daß es möglich wäre , ihr entgegen zu arbeiten . Man glaubt ihr nicht , man bauet fest auf seinen Freund , man stößt mit Abscheu jeden aufkeimenden Verdacht von sich , und doch bleibt ein geheimer Stachel tief im Verborgensten der Brust zurück , und gräbt und gräbt leis ' und unmerklich , bis das alte Vertrauen wankt . « - » Versteh ' ich Sie , Herr Graf ? « unterbrach ihn der Professor , und sah mit weniger freundlichem Blick ihn forschend an . » Wäre es möglich ? Sie ? Wie ! Sie ? der Sie Gabrielen genau zu kennen vorgeben , Sie könnten die Möglichkeit sich denken , daß elendes Berechnen von Rang und Vermögen sie dahin bringen konnte , sich diesem Herrn von Aarheim zu verkaufen ? « » O sprechen Sie das entsetzliche Wort nicht aus ! « rief Hippolit , » schon dieß allein ist ein Verbrechen gegen jenes himmlisch reine Wesen ! Wie konnten Sie mich so mißverstehen ! Ich , der ich , und vielleicht besser als sie selbst den schauerlich-dunkeln Weg kenne , den das Schicksal mit Gabrielen nahm , um sie in dieses Elend zu führen , ich - « » Ich weiß nichts von den nähern Umständen , die bei der Vermählung der Frau von Aarheim sich zugetragen haben mögen , auf die Sie anzuspielen scheinen , und verlange auch nichts davon zu wissen , « unterbrach der Professor ihn