hoher Dank den holden Musen , Dem kühnen Flug der Phantasie . Mir ist jetzt wieder leidlich besser , Spür ' gar nicht g ' ringen Appetit , Bin Muzius gleich ein wackrer Esser Und ganz in Poesie erglüht . Ja Kunst ! du Kind aus hohen Sphären , Du Trösterin im tiefsten Leid , O ! - Verslein laß mich stets gebären Mit genialer Leichtigkeit . Und : Murr , so sprechen edle Frauen , Hochherz ' ge Jünglinge , o Murr ; Du Dichterherz , ein zart Vertrauen Weckt in der Brust dein süß Gemurr ! « Die Wirkung des Versleinmachens war zu wohltätig , ich konnte mich nicht mit diesem Gedicht begnügen , sondern machte mehre hintereinander mit gleicher Leichtigkeit , mit gleichem Glück . Die gelungensten würd ' ich hier dem geneigten Leser mitteilen , hätte ich nicht im Sinn , dieselben nebst mehreren Witzwörtern und Impromptus , die ich in müßigen Stunden angefertigt , und über die ich schon beinahe vor Lachen bersten mögen , unter dem allgemeinen Titel : » Was ich gebar in Stunden der Begeisterung « herauszugeben . - Zu meinem nicht geringen Ruhm muß ich es sagen , daß selbst in meinen Jünglingsmonaten , wenn der Sturm der Leidenschaft noch nicht verbraust ist , ein heller Verstand , ein feiner Takt für das Gehörige die Oberhand behielt über jeden abnormen Sinnenrausch . So gelang es mir auch , die plötzlich aufgewallte Liebe zu der schönen Mina gänzlich zu unterdrücken . Einmal mußte mir denn doch bei ruhiger Überlegung diese Leidenschaft in meinen Verhältnissen etwas töricht vorkommen ; dann erfuhr ich aber auch , daß Mina , des äußern Scheins kindlicher Frömmigkeit unerachtet , ein keckes eigensinniges Ding sei , die bei gewissen Anlässen den bescheidensten Katerjünglingen in die blanken Augen fahre . Um mir aber jeden Rückfall zu ersparen , vermied ich sorglich Mina zu sehen , und da ich Miesmies ' vermeintliche Ansprüche und ihr seltsames überspanntes Wesen noch mehr scheute , so hielt ich mich , um ja keiner von beiden zu begegnen , einsam im Zimmer und besuchte weder den Keller , weder den Boden , noch das Dach . Der Meister schien dies gern zu sehen ; er erlaubte , daß ich , studierte er am Schreibtisch , mich hinter seinem Rücken auf den Lehnstuhl setzen und mit vorgestrecktem Halse durch den Arm in das Buch gucken durfte , welches er eben las . - Es waren ganz hübsche Bücher , die wir , ich und mein Meister , auf diese Art zusammen durchstudierten , wie z.B. Arpe , » de prodigiosis naturae et artis operibus , Talismanes et Amuleta dictis , « Beckers » bezauberte Welt « , Francisci Petrarka » Gedenkbuch « u.a.m. Diese Lektüre zerstreute mich ungemein und gab meinem Geist einen neuen Schwung . - Der Meister war ausgegangen , die Sonne schien so freundlich , die Frühlingsdüfte wehten so anmutig zum Fenster hinein ; ich vergaß meine Vorsätze und spazierte hinauf auf das Dach . Kaum war ich aber oben , als ich auch schon Muzius ' Witwe erblickte , die hinter dem Schornstein hervorkam . - Vor Schreck blieb ich regungslos stehen wie eingewurzelt ; schon hörte ich mich bestürmt mit Vorwürfen und Beteuerungen . - Weit gefehlt . - Gleich hinter her folgte der junge Hinzmann , rief die schöne Witwe mit süßen Namen , sie blieb stehen , empfing ihn mit lieblichen Worten , beide begrüßten sich mit dem entschiedenen Ausdruck inniger Zärtlichkeit und gingen dann schnell an mir vorüber , ohne mich zu grüßen oder sonst im mindesten zu beachten . Der junge Hinzmann schämte sich ganz gewiß vor mir , denn er senkte den Kopf zu Boden und schlug die Augen nieder , die leichtsinnige kokette Witwe warf mir aber einen höhnischen Blick zu . Der Kater ist , was sein psychisches Wesen betrifft , doch eine gar närrische Kreatur . - Hätte ich nicht froh sein können , sein müssen , daß Muzius ' Witwe anderweitig mit einem Liebhaber versehen , und doch konnte ich mich eines gewissen innern Ärgers nicht erwehren , der beinahe das Ansehen hatte von Eifersüchtelei . - Ich schwor , niemals mehr das Dach zu besuchen , wo ich große Unbill erlebt zu haben glaubte . Statt dessen sprang ich nun fleißig auf die Fensterbank , sonnte mich , schaute , um mich zu zerstreuen , auf die Straße hinab , stellte allerlei tiefsinnige Betrachtungen an und verband so das Angenehme mit dem Nützlichen . Ein Gegenstand dieser Betrachtungen war denn auch , warum es mir noch niemals eingefallen , mich aus eignem freien Antriebe vor die Haustüre zu setzen oder auf der Straße zu lustwandeln , wie ich es doch viele von meinem Geschlecht tun sah , ohne alle Furcht und Scheu . Ich stellte mir das als etwas höchst Angenehmes vor und war überzeugt , daß nun , da ich zu reiferen Monaten gekommen und Lebenserfahrung genug gesammelt , von jenen Gefahren , in die ich geriet , als das Schicksal mich , einen unmündigen Jüngling , hinausschleuderte in die Welt , nicht mehr die Rede sein könne . Getrost wandelte ich daher die Treppe herab und setzte mich fürs erste auf die Türschwelle in den hellsten Sonnenschein . Daß ich eine Stellung annahm , die jedem auf den ersten Blick den gebildeten , wohlerzogenen Kater verraten mußte , versteht sich von selbst . Es gefiel mir vor der Haustüre ganz ungemein . Indem die heißen Sonnenstrahlen meinen Pelz wohltätig auswärmten , putzte ich mit gekrümmter Pfote zierlich Schnauze und Bart , worüber mir ein paar vorübergehende junge Mädchen , die den großen , mit Schlössern versehenen Mappen nach , die sie trugen , aus der Schule kommen mußten , nicht allein ihr großes Vergnügen bezeugten , sondern mir auch ein Stückchen Weißbrot verehrten , welches ich nach gewohnter Galanterie dankbarlichst annahm . - Ich spielte mehr mit der mir dargebotenen Gabe , als daß ich sie wirklich zu