noch was auf Erden zu bestellen . Dann sprach aber der Feldmarschall leise zu ihm : » Ich habe dich lieb gewonnen wegen deines tapfern Angesichts , ich will ein Großes für dich tun , meine Schützen sollen die Kugeln wegbeißen ; stell dich , als wärst du getroffen ; der Nachrichter soll dich gleich forttragen , lauf dann , so weit du kommen kannst , dein Handgeld sei dir geschenkt . « - Anton sah ihm mit gerührtem Blicke in das große ernste Gesicht , und Schärtlin blieb ihm unvergeßlich ; er glaubte noch vor ihm zu stehen , als er längst fortgeritten war . Die Anstalten zur Hinrichtung wurden gemacht ; feierlich nahmen alle Spießgesellen von ihm Abschied und schwuren ihm sie hätten ihn zum Rittmeister erwählt , wäre er leben geblieben . Der Ernst dieser Reden durchzog endlich Anton mit dem Gedanken , was Schärtlin ihm gesagt , habe ihm wohl nur die Furcht ersparen sollen ; das erregte seinen Stolz , und mit Kühnheit kniete er auf dem Sandberge nieder , seiner selbst gewiß , uneingedenk des Ausgangs . Als aber der erste Schütze geschossen und er nichts als den Luftzug und die Blendung empfunden , da bereitete er sich umzustürzen , wie Schärtlin ihm befohlen . Der zweite , ein alter Schütze , sah ihn grimmig an , zielte langsam , dann blitzte das Pulver auf , und Anton streckte sich zusammenstürzend über den Sandhaufen . Gleich bedeckten ihn ein paar Steckenknechte mit einem roten Mantel und trugen ihn ins Gehölz . Der Marsch wurde geschlagen , und die Gegend verödete sich mit jedem Schritte . Anton mußte noch immer tot scheinen , aber fast ertrug er den Zwang nicht länger , als er Susanna mit so beweglicher Stimme um ihn klagen hörte . - » O Vater im Himmel ! « rief sie , » was soll ich auf Erden , wo mich keiner liebt , da du ihn zu dir genommen hast , den ich liebte auf Erden ; wo soll ich einen Trost finden , da sein fröhliches Angesicht mir nicht mehr leuchtet ; wem gehöre ich an auf dieser Welt als ihm , der mich nicht mehr hört ; er ist mir Mutter und Vater , Bräutigam und Mann , Vaterland und Unterhalt . Hier will ich bleiben , bis meine Klagen mit dem letzten Atem verseufzen ; hier will ich beten und verhungern , denn seines toten Angesichts bleiche Lieblichkeit ist die einzige Nahrung , wonach ich verlange . « Bei diesen Worten zog sie den Mantel hinweg , und Anton hielt sich nicht länger , hätte es ihm auch das Leben gekostet ; er umfaßte sie mit beiden Armen , und sie stürzte von dem Erschrecken tot in seine Arme . An seinem Herzen erwärmte er ihr Herz , an seinen Lippen ihre Lippen , in seinen Händen ihre Hände , und als sie erwachte , da füllte die Röte der Scham ihre Wangen ; sie gab einen leisen Schlag mit der Hand auf seine Brust , machte ein Kreuz über die ihre und sprach : » Du verdirbst mir die Freude . « Anton , der das alles in seiner bittersten Not getan , konnte ihren Mißmut nicht begreifen : » Mädchen , du bist zweiköpfig , wie man die Zeit malt ; jetzt eben zeigtest du mir das verkehrte Antlitz , was nicht einsieht , wie es voraus in der Welt aussieht ! « - Sie aber sprach : » Ich dachte nie , daß mir das begegnen sollte - aber du bist hart wie alle Männer . « - » Was ist dir geschehen « , fragte Anton erstaunt , » wie könnte ich , kaum aus den Klauen des Todes und des Teufels erlöst , dir liebes Kind ein Unrecht tun wollen , tun können ? « - » Aber wer erlaubte dir mein Wams zu lüften ? « - » Die Not zwang mich , du starrtest zum Paradiese hinüber , und was sollte ich hier auf dürrer Heide ? « Susanna ging vor sich und sah ihn nicht an ; dabei befiel ihn eine Langeweile , eine Lust zu essen und zu trinken , daß er sich von ganzem Herzen zu seinen Kamera den zurückwünschte . Langsam ging er so übers Feld , als ihm eine bekannte Stimme aus der Ferne rief ; er sah sich um , es war Seger , der in vollem Laufe zu ihm eilte und ihm außer Atem herstammelte , wie er es ohne ihn unter den Landsknechten nicht mehr aushalten könne ; er habe den Betrug beim Totschießen wohl bemerkt , habe bald unter einem Vorwande der Notdurft sich in einen Graben gesetzt und sei hinter Bäumen immer fort glücklich bis zum Schießplatze gekommen , von wo er seinen Schritten gefolgt . Nach diesen Worten warf er seine Feldtasche und Feldflasche an den Boden , trank Anton eine gute Gesundheit in altem Sekt zu , worauf ihm dieser guten Bescheid tat und die Flasche dann Susannen reichte , die aber alles verschmähte . » Halt dich hier nicht auf « , sagte sie zu Anton ; » die Augsburger sind uns noch nahe , ein Zufall könnte uns in ihre Hände bringen . « Aber Anton hörte nicht bei der Flasche und bei den Butterbroten . Seger riet ihm , den Kurt zur Wacht in einiger Entfernung in die Tiefe zu stellen , und Anton , indem er Susannen alles aufnötigte , was er eben mit großer Lust zum Munde fahren wollte , bat sie um diesen Liebesdienst . Susanna gehorchte stillschweigend , Seger sah ihr ungeduldig nach . Als sie ihn nicht mehr hören konnte , sprach er zu Anton : » Hört Anton , Euretwegen ist nun schon so groß Unglück geschehen , Mord und Brand haben jeden Eurer Schritte gezeichnet ; Ihr seht , daß Ihr zum Unglück geboren seid ; Ihr wollt nichts Böses tun , aber das Böse läßt nicht von Euch