Zepter des rohen Maximian stehen . Nur in Spanien , Gallien und Britannien schützt Constantins milder Geist die unglücklichen Verfolgten . Viele hart bedrängte Familien flüchten daher aus jenen Provinzen in diese stillen Freistätten , und da man sie , besonders die Reichen , nicht gern ziehen laßt , so entstehen hieraus tausend Mißhelligkeiten und Zwiste , die nur eines Anlasses bedürften , um in volle Flammen auszubrechen . Alles gährt in wildem Mißmuthe , Alles ist bereit , offenen Krieg zu erklären , die Zeiten der Ruhe sind vorbei , die dumpfe Stille , die noch jetzt herrscht , ist Täuschung und Schein . Sobald Diocletian , dessen Gesundheit und Geisteskraft sichtbar abnehmen , die Augen schließt , treten die schrecklichen Scenen ein , die vor seiner Regierung das Reich , die Welt verwüsteten . Das sind die Ahnungen , die bereits vor zwei Jahren meinen Geist düster umwölkten , wenn ich dem Gange der Begebenheiten nachsann , und seit jener Zeit hat nicht das geringste Ereigniß meine Furcht Lügen gestraft , vielmehr jedes dazu beigetragen , sie zu bestätigen . Aber nicht mehr rettungslos erscheint mir jetzt , wie damals , die Lage des Menschengeschlechts , es gibt eine Hoffnung , es lebt ein Retter . Das Christenthum muß herrschende Volksreligion werden , die Römische Welt Ein Oberhaupt haben , die alten Formen müssen zerbrochen , der Sitz der Regierung wo anders hin verlegt , die Macht der Prätorianer , dieser nie zu löschende Vulkan , aus dessen Schooße alle die unseligen Stürme hervorbrechen , zerstört werden . Und wer , wer unter allen Menschen , die jetzt auf dem Schauplatz der großen Begebenheiten leben und wirken , könnte diese schöne , beglückende Idee in Wirklichkeit einführen , wer anders als Constantin , er , den die Vorsicht ganz dazu bestimmt , und mit allen Gaben , die dieser hohe Beruf erfordert , ausgerüstet zu haben scheint ? Ost in stillen unvergeßlichen Stunden war der Entwurf und die mögliche Ausführung dieses Plans unser feuriges Gespräch , unser glühender Wunsch . Vieles ist abgeredet , angelegt , vorbereitet worden , und ich gehe jetzt mit freudigem Muthe hinüber auf den Schauplatz künftiger großer Ereignisse . Jene Angelegenheiten , von denen ich dir schrieb , die Verfolgungen meiner Brüder , sind , so wichtig sie meinem Herzen bleiben , doch für jetzt nur Nebenzweck und Vorwand , der die eigentliche Ursache meiner Sendung und meiner Geschäfte verbergen muß . Ein größerer wichtigerer Zweck fordert alle meine Aufmerksamkeit . Tausend geheime Fäden müssen angeknüpft , tausend Anstalten im Verborgenen getroffen werden , damit , wenn die Catastrophe , die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr fern ist , eintritt , Constantin alle Mittel zur Hand , Heere geworben . Schätzel , Freunde gesammelt , nichts dem Zufall überlassen , und so alle Kräfte bereit finde , um den großen Plan zu begründen , und zu befestigen . 88. Theophania an Junia Marcella . Nikomedien , im Oct . 303 . Fünf Monate sind nun im stillen Genusse der reinsten Seligkeit verflossen , ich war glücklich - glücklich , wie vielleicht Menschen es sonst nie oder nur auf kurze Augenblicke sind . Ich habe dieses Glück durch fünf Monate genossen , ich darf nicht klagen , wenn es jetzt zum Theil aufhört , und düstere Wolken hier und da emporsteigen , und die Zukunft meiner Vergangenheit gleich zu machen drohen . Mein Schwiegervater ist gestorben , das war die erste Störung unseres stillen Glücks . Er hat meinem Gemahl völlig verziehen , er hat ihn in den letzten Augenblicken mit rührender Zärtlichkeit behandelt , er hat sein erstes Testament zurückgenommen , und nur einen Theil seines Vermögens einem edlen aber unglücklichen Verwandten zugewendet , den die Familie vorher tief gekränkt , und im Elende beinahe hätte untergehen lassen , wenn ihn nicht Agathokles nach allen seinen Kräften unterstützt hätte , ohne daß Leucippus jemals erfahren konnte , wer sein unbekannter Wohlthäter sey . Nun hat Hegesippus letzter Wille sie auch öffentlich vereinigt , und Agathokles behandelt den neuen Freund wie einen geliebten Bruder . Aber seine Stimmung war ernst und düster , und wurde es immer mehr . Constantin kam oft zu uns , sie unterredeten sich lange und angelegentlich , sie ließen mich oft Theil an ihrem Gespräche nehmen . Ich mußte die Wichtigkeit ihrer Entschlüsse , und ihren ernsten Willen zum Guten bewundern , aber mein Herz zitterte in Geheim vor den mancherlei Verhältnissen , Verwirrungen , Anstrengungen , die sie nach sich zogen , vor dem gewaltigen Treiben der Welt , das meinen Gemahl jetzt wieder ergreifen und mitten in seine Wirbel reißen würde . Ich konnte alle diese schönen großen Entwürfe für nichts anders , als den Schwanengesang meines stillen Glückes halten . Aber unsere Seelen verstehen sich zu gut , um auch nur Einen Gedanken , eine Regung ungetheilt zu bewahren . Er errieth mich , er verwies mir liebreich diese Anwandlung vom Egoismus , dem herrschenden Geiste der Zeit , er stellte mir vor , daß ich eine Römische Bürgerin , eine Christin sey . Ach , ich erkannte die Wahrheit aller seiner Gründe , aber dennoch schauderte ich bei jedem Gedanken an die unruhige , ungewisse Zukunft ! Nun wurde endlich beschlossen , daß Agathokles nach Europa , und vielleicht bis nach Britannien gehen sollte . Er kündigte es mir an , und tröstete mich zärtlich und liebevoll . Ich betheuerte ihm , daß ich den Gedanken der Trennung nicht ertragen könne . Ich erklärte ihm , ich würde ihn begleiten , wohin er ginge , bis an die Säulen des Herkules , bis an ' s äußerste Thule1 ; keine Entbehrung , keine Beschwerlichkeit der Reise würde mir so hart , so schmerzlich werden , als ein Leben im Schooße der Bequemlichkeit und des Ueberflusses ohne ihn . Er gab endlich meinen Bitten nach , nachdem er mir vorher Alles , was ich zu dulden , zu fürchten haben konnte , mit den lebendigsten Farben