meinen Sterbegedanken zu sehr betrübe ? Nie mehr sollst du sie hören , auch der Schleier ist eingeschlossen ; aber ich berechnete dich nach meinem Bruder , dem , wie er selber sagt , das Todes-Dunkel eine Abenddämmerung ist , wo ihm die Gestalten lieblicher werden . - Wahrlich , ich bin ganz selig - denn du sogar bist es , und hast doch so wenig an mir , nur eine kleine Blume für dein Herz , aber ich habe dich . Lasse mir mein Grab ; wie von einem Berg kommt bessere fruchtbare Erde davon in mein Tal . O wie liebt man , Albano , wenn alles neben uns bricht und fällt und verraucht und wenn doch der Bund und Glanz der Liebe unzerrissen und fest auf dem wegfließenden Leben steht , wie ich oft bei Wasserfällen mit Rührung auf den zerspringenden , reißenden Fluten einen Regenbogen unverrückt und unverändert schweben sah ! - O , ich wollte , die Nachtigallen sängen noch , jetzt könnt ' ich mit ihnen singen ; deine Äolsharfe , meine Harmonika wünscht ' ich in meiner Hand . Mein Vater war bei uns und heiterer und freundlicher gegen alle als je . Sieh ! sogar er ist gut . Meine Eltern schicken gewiß kein Gewitter in unser Rosenfest . Ich tat ihm daher leicht den Gefallen - vergib es - , ihm zu versprechen , daß ich keine fremde Besuche in einem fremden Hause - weil es unschicklich sei , sagt ' er - annehmen würde Ich muß auf einige Tage nach Hause wegen der fürstlichen Vermählung ; aber ich sehe dich bald . O vergib ! Wenn mein Vater sanft spricht , so kann meine Seele unmöglich Nein sagen . - Lebe wohl , mein Herrlicher ! L. N. S. Bald fliegt wieder ein Blättchen auf deinen Berg . Sei nur in ewiger Freude ! O Gott ! warum bin ich nicht mächtiger ? Welche Menschen solltest du dann an deinem Herzen haben ! Du Lieber ! « * Wie beschämt ' ihn diese vollblühende Liebe , die es gar nie recht weiß , wenn sie verkannt wird , und die keine andere Schuld voraussetzt als eigne ! - Wie tat ihm die gebotene Entfernung jetzt nach der freiwilligen weh ! - Er konnte sie nun lieben als einen wehrenden Engel vor dem Paradiese , wie viel mehr als einen gebenden in ihm ! - Aber schwer ists einem Manne , fühlte der Jüngling , im weiblichen Herzen , zumal in diesem , Absicht von Instinkt , Ideen von Gefühlen rein zu sondern und an diesem dunkeln , vollen Himmel alle Sterne zu zählen und zu reihen . - Jede Härte , jede unscheinbare Knospe ging zuletzt als Blume auf ; und ihr Wert breitete sich wie der Frühling stückweise aus ; indes gewöhnlich von andern Mädchen ein Reisender , der sie besucht , sogleich beim ersten Abschiede abends eine kleine vollständige Blumenlese aller ihrer Reize und Künste fortnimmt , wie ein Brocken- im Wirtshause einen niedlichen Strauß überkommt , aus den Moosarten gebunden , welche der Berg trägt . Er glaubte , sie sei nun bei den Eltern , und folgte nicht als zerrender Knabe , sondern als einstimmiger Mann dem Riesen des Schicksals nach . Im Garten herrschte Regenwetter , die Aussaat jedes starken Gewitters , das immer wie ein Krieg den Kriegsschauplatz verdirb . Das verheißene Blättchen erschien : » Sei nur froh . Wir sehen uns sehr , sehr bald , und dann recht selig . Vergib mir ! - ach , ich sehne mich am meisten . - L. « Jetzt empfand ers , welche Tage es waren , die sonst - d.h. bloß vor einigen Tagen - vor ihm wie göttliche Erscheinungen vorübergezogen waren und die nun wieder heraufsteigen sollten in Osten als wiederkehrende Sterne ! - Warum schneidet sich erst das verlorne Gut wie ein scharfer Demant so tief ins Herz ? Warum müssen wir erst etwas beweinet haben , eh ' wir es heiß bis zum Schmerze lieben ? - Albano warf Vergangenheit und Zukunft von sich weg , um nur ganz rein in der Gegenwart zu wohnen , die ihm von Lianen versprochen worden . 71. Zykel Am Sonntags-Morgen , als der ganze blaue Himmel offen stand und die Erde festlich geschmückt mit Perlen und Zweigen , klopfte an Albanos Türe ein leiser Finger , der einer weiblichen Hand gehören mußte . Liane trat so früh schon herein ; Rabette und Karl riefen draußen einen lauten Gruß . An seiner jauchzenden Brust lag das schöne , vom Gehen blühende Mädchen mit seligen , hellen Augen , eine frisch-betauete Rosenknospe . Es war sein schönster Morgen , er fühlte rein , daß Liane liebe . Als die Äolsharfe einklang , sah sie hin , erinnerte sich errötend an den schönsten Bundes-Abend und hörte still zu und trocknete das Auge , da sie es wieder auf Albano wandte . - Aber er konnte in diesen Tempel der Freude nicht eintreten , ohne sich gereinigt und geheiligt zu haben durch Offenheit über seine neulichen Irrtümer . Welcher süße Wettstreit um Bekennen und Vergeben , da Liane liebend erschrak und bekannte , daß sie ihn neulich nicht erraten - daß nur sie die Schuldige sei und daß sie jetzt schon besser sprechen wolle . Sie konnte sich über die verdeckten Schmerzen , die sie ihrem Freund gemacht , gar nicht zufrieden geben . Wie Mahagoni-Geräte in keiner Temperatur bricht und keine Flecken annimmt und kein Polieren bedarf : so ist dieses Herz , fühlte Albano ; der sich nun schwur , überall , auch wo er sie nicht errate , zu sich zu sagen : sie hat recht . Sie lösete ihm das Rätsel ihrer heutigen Erscheinung mit jenen freundlichen Mienen , welche ein guter Mensch verdoppelt , wenn er etwas zu versüßen hat : » sie gehe nämlich heute nach Pestitz zurück - aber spät , erst abends , erst um die Teezeit komme der