heiße Kämpfe durchgerungen , so viele Hindernisse zu Boden geworfen hatte , kein Glück beschieden sein . » Und nun komm , Bronislaw ! « sagte die Fürstin , den Arm ihres Bruders nehmend . » Du bist zu Tode erschöpft von dem scharfen Ritt und den Aufregungen der letzten Tage , du mußt bis morgen ruhen , wenn es dir möglich sein soll , die Reise fortzusetzen . Wir wollen die beiden allein lassen ; sie haben noch kaum miteinander gesprochen und sie haben sich doch so viel zu sagen . « Sie verließ mit dem Grafen das Zimmer , aber kaum hatte sich die Thür hinter , ihnen geschlossen , da wich der Schatten . Waldemar zog mit stürmischer Zärtlichkeit die endlich errungene Braut in seine Arme . – – Fabian und seine Gattin befanden sich noch im Nebenzimmer , aber Gretchen war äußerst ungehalten und warf einen wehmütigen Blick nach dem Theetisch . » Daß die Menschen über ihren romantischen Gefühlen doch immer vergessen , was notwendig und in der Ordnung ist ! « bemerkte sie . » Die Angst und Aufregung ist doch nun vorbei und das Wiedersehen auch ; sie könnten sich doch nun ruhig zu Tisch setzen , aber das fällt niemand ein . Ich habe weder die Fürstin noch den Grafen Morynski dahin bringen können , auch nur etwas zu genießen , aber Gräfin Wanda wenigstens muß eine Tasse von dem Thee nehmen , den ich eben wieder frisch bereitet habe ; sie muß es unter allen Umständen . Ich werde nachsehen , ob sie mit Herrn Nordeck noch drinnen im Salon ist . Bleibe du inzwischen hier , Emil ! « Emil blieb gehorsam bei der Theemaschine sitzen , aber die Zeit wurde ihm lang dabei , denn es vergingen wohl zehn Minuten , ohne daß seine Frau zurückkehrte . Der Professor fing an sich unbehaglich zu fühlen . Er kam sich hier so überflüssig vor ; er hätte sich so gern auch irgendwie nützlich gemacht , wie Gretchen , deren praktische Natur sich nie verleugnete , und um doch wenigstens etwas zu thun , ergriff er die bereits gefüllte Theetasse und trug sie in den anstoßenden Salon . Zu seiner großen Ueberraschung fand er diesen leer und seine Frau dicht vor der jetzt geschlossenen Thür des Arbeitskabinetts der Fürstin stehen . » Liebes Gretchen , « sagte Fabian , die Tasse so vorsichtig und ängstlich auf der Hand balancierend , als enthielte sie das kostbarste Lebenselixir . » Ich bringe den Thee ; er könnte am Ende kalt werden , wenn es noch lange dauert . « Die Frau Professorin hatte sich in einer sehr verfänglichen Stellung überraschen lassen . Sie stand nämlich gebückt , mit dem Auge am Schlüsselloch , hatte sich aber glücklicherweise noch rasch aufgerichtet , als ihr Gemahl eintrat . Jetzt ergriff sie ihn samt der Tasse und zog ihn wieder ins Nebenzimmer . » Laß nur , Emil ! « erwiderte sie . » Die Gräfin braucht keinen Thee , und es dauert noch sehr lange . Um deinen lieben Waldemar brauchst du dich auch nicht mehr zu grämen ; dem geht es gar nicht schlecht da drinnen , durchaus nicht . Ich habe ihm übrigens unrecht gethan – er hat doch ein Herz . Dieser kalte starre Nordeck kann wirklich auf den Knieen liegen und in den glühendsten Worten von seiner Liebe sprechen . Ich hätte es nicht geglaubt . « » Aber , liebes Kind , woher weißt du denn das alles ? « fragte der Professor , der in seiner Unschuld und Gelehrsamkeit nie etwas mit Schlüssellöchern zu thun gehabt hatte . » Du standest ja draußen . « Gretchen wurde feuerrot , faßte sich aber schnell und sagte mit großer Bestimmtheit : » Das verstehst du nicht , Emil . Es ist auch gar nicht nötig – und da der Thee nun einmal da ist , so wollen wir ihn selber trinken . « Die milde klare Frühlingsnacht , welche über dem Meere lag , begann dem Morgen zu weichen . Am Himmel blinkten noch matt die Sterne , aber fern am Horizont dämmerte schon die erste Tageshelle , und das Meer rauschte leise , wie im Traume . Durch die immer lichter werdende Morgendämmerung eilte ein Schiff , das gegen Mitternacht den Hafen von S. verlassen hatte . Es hatte mehrere Stunden gebraucht , um die weite seeartige Mündung des Flusses zu durchmessen , und stand nun im Begriff , die hohe See zu gewinnen . An Bord befand sich Graf Morynski mit seiner Tochter und Waldemar . Wanda hatte die Trennung vom Vater so unmittelbar nach dem Wiedersehen nicht über sich gewinnen können . Sie bestand darauf , ihn wenigstens bis zum Hafen zu begleiten und auch dann noch so lange wie möglich an seiner Seite zu bleiben , und Waldemar hatte ihren stürmischen Bitten nachgegeben . Eine Gefahr brachte das kaum mit sich , im Gegenteil , die Fahrt nach S. wurde vielleicht unverdächtiger in Gesellschaft einer Dame zurückgelegt . Die Fürstin verweilte ja vorläufig noch in Rakowicz ; ihr schrieb man , wie der Sohn ganz richtig voraussah , allein die Befreiung ihres Bruders zu . Jeder Verdacht , jede etwaige Nachforschung richtete sich auf sie und ihren Aufenthalt . Wandas Abwesenheit wurde schwerlich bemerkt ; überdies sollte sie schon in den nächsten Tagen in Begleitung Waldemars von Altenhof zurückkehren . Das ehemalige Gut Witolds , jetzt das Eigentum seines Pflegesohnes , lag an der offenen Küste , die das Schiff bei seiner Ausfahrt passieren mußte , und bis hierher ward dem Flüchtlinge von seinen Kindern das Geleit gegeben . Graf Morynski beabsichtigte in England die Fürstin zu erwarten , die noch einige Wochen in Rakowicz bleiben wollte , bis zur Vermählung ihres Sohnes und ihrer Nichte , um dann unverzüglich dem Bruder zu folgen . Von England aus wollten beide gemeinschaftlich ihren ferneren Aufenthalt wählen . Es war allmählich Tag geworden . Das erste kalte Frühlicht ruhte