durchgesetzten Mündigsprechung , wo sie sich so resolut und willensstark an die Spitze ihres Etablissements gestellt , weit mehr das Interesse und die Beachtung herausfordere , als früher durch ihre unliebsame Goldfisch-Titel . . . Dieser ausgezeichnete Leumund führte denn auch sehr oft einen Besuch in die Schloßmühle , den sie das erste Mal mit unverhohlenem Erstaunen begrüßte . Die Frau Präsidentin Urach verschmähte es durchaus nicht mehr , auf ihren Spaziergängen mit der ihr treugebliebenen Jungfer in der Mühle einzukehren um , “ wie es ihre Pflicht gegen ihren verstorbenen theuren Schwiegersohn erheische , nach seiner jüngsten zu sehen ” . Die alte Dame war schon wenige Wochen nach ihrer Abreise in die Residenz zurückgekehrt ; sie hatte es draußen “ nicht ausgehalten ” . In einer engen Straße ein paar kleine , hochgelegene Zimmer bewohnend , lebte sie , ihren kargen Mitteln gemäß , zurückgezogen und halbvergessen von der Welt . Der Medizinalrath von Bär hatte sich ein Landgut gekauft und der Residez grollend den Rücken gekehrt -- er war für sie verschollen , und von den übrigen Freunden besuchte sie nur noch einige Altersgenossinnen und der pensionierte Oberst von Giese , die manchmal zu einem Spielchen bei ihr zusammenkamen . Sie fühlte sich mit einem Male so wohl “ in der großen , weiten Schloßmühlenstube , in der man so recht aufatmen könne “ ; sie ließ sich , ermüdet von dem zurückgelegten Weg und behaglich in das altmodische , federngepolsterte Kanapee des seligen Schloßmüllers gedrückt , den delikaten Kaffee vortrefflich schmecken , den Käthe stets sofort auf der Maschine bereitete , und protestierte durchaus nicht , wenn Suse , auf den Wink ihrer jungen Herrin hin , einen schweren Korb voll frischer Butter , Eier und Schinken an den Arm der Jungfer hing . Auf Flora war sie nicht gut zu sprechen . Die Enkelin , die im vollen Besitze ihres Vermögens geblieben , bezahlte zwar die Mietwohnung für ihre Großmama und trug auch die Kosten für die Bedienung ; alles übrige verbrauchte sie aber für sich selbst und konnte kaum auskommm , wie sie wiederholt brieflich versicherte . Zürich hatte sie sehr bald wieder verlassen – das “ grause ” ärztliche Studium irritierte ihr die Nerven “ bis zum Wahnsinnigwerden ” . Sie war eben eine jener geistigen Koketten , die um jeden Preis eine Rolle spielen und Aufsehen machen wollen , die sich gern den Anschein grübelnden Denkens und tiefgehender Kenntnisse geben , vor nichts aber mehr zurückschrecken , als vor der ernsten , harten Geistesarbeit . Nun war die Osterzeit herangekommen . Schon seit mehreren Wochen wurde im Garten des Doktorhauses unermüdlich gearbeitet . Der Doktor hatte einen Gärtner aus L . . . . . g geschickt ; der steckte neue Wege ab oder suchte vielmehr die Spuren des alten , sehr hübschen Gartenplanes wieder auf und gab den Anlagen die frühere Gestalt zurück . Viele Hände waren beschäftigt , zu graben und zu pflanzen , und Plätze wurden vorgerichtet , wo einige Statuen aufgestellt werden sollten , die aus L . . . . . g gekommen waren , und noch verpackt im Hausflur standen . Am Hause waren schon seit vierzehn Tagen alle Läden geöffnet ; die Zimmer wurden tapeziert und mit neuem Firnißanstriche versehen , und auf den First war sogar eine Fahnenstange gekommen . Dann zog die Freundin der Tante wieder ein und brachte eine Schaar Tagelöhnerinnen mit , die das Haus vom Dachboden bis zum Keller hinab spiegelblank machten . Käthe hatte ihre Spaziergänge nicht unterbrochen . Auch heute , am heiligen Abend vor dem Osterfeste , war sie in der Mittagsstunde noch einmal drüben gewesen . Im Garten wurde noch immer gepflanzt und angesäet , aber die alten Taxusgruppen , die früher als undurchdringliche , buschige und struppige Wildniß das Terrain verunstaltet und verdüstert hatten , standen gesäubert und in die ehemaligen Schranken zurückgewiesen , und aus ihrem dunklen Grün traten leuchtend und anmutig die neuen Sandsteinfiguren . Auf den Wegwindungen , welche die Hecken durchschnitten , lag in tadelloser Glätte heller Sand ; an die Stelle der knarrenden Holzthür im Zaune war ein feines schwarzes Eisengitter getreten , die Laube der Tante Diakonus stand weiß angestrichen und hinter dem Hause umschloß ein Plankenzaun den neuen Hühnerhos . Und auf dem wohlbekannten Steinpostamente vor dem Hause hob sich eine Terpsichore , die Arme in graziösem Schwunge emporgestreckt , auf der äußersten Spitze ihres zarten Füßchens , genau so , wie sich Käthe die längst zertrümmerte Gestalt auf dem schmalen Fußreste wieder aufgebaut hatte . „ Die Statue ist sehr hübsch ! “ sagte der fremde Gärtner achselzuckend ; „ sie müßte nur auf einem eleganteren Grunde stehen . Der Rasen ” – er zeigte über den Grasplatz hin – “ ist verwildert und nichts nutz , aber der Herr Professor hat mir streng verboten , den Spaten da anzusetzen . ” – Käthe bückte sich , Helle Glut auf den Wangen , und pflückte bie ersten Veilchen , die sich im Schutze des Postamentes bereits voll und köstlich duftend entfaltet hatten . „ Ja , der Rasen starrt von Unkraut , ” setzte der Gärtner über die Schulter hinzu und ging weiter . Und das Haus – jetzt in der That ein Schlößchen – stand heute da , glänzend in Frische und Neuheit und so festlich und feierlich geschmückt , “ als ob eine Braut einziehen sollte , ” sagte die alte Freundin ahnungslos lächelnd zu Käthe . Das schneeweiße Kätzchen kam über den neuen Mosaikfußboden des Flures leise gegangen ; im Zimmer der Tante Diakonus , hinter den Filetgardinen und umringt von den in der Stadt überwinterten Lorbeer- und Gummibäumen , schmetterte der Kanarienvogel aus voller , trillernder Kehle , und die Goldfischchen schwammen munter in der Glasschale – da war ja auch schon das gewohnte Leben und Treiben wieder eingekehrt , und die Tante Diakonus selbst sollte mit dem Nachmittagszuge eintreffen . Sie bringe auch einen Gast mit , hatte die alte Freundin ,