böses Prinzip gemacht . Er erblickte ihn in Verkommenheit und in Ausschweifungen jeder Art ; als einen Verräter seines Namens von Stufe zu Stufe sinkend ; wie in einem grausam befriedigenden Traum sah er ihn im Bund mit den Elenden und Gezeichneten , im Verkehr mit Dieben , Straßenräubern , Hochstaplern , Falschmünzern , Anarchisten , Dirnen und Literaten . Er sah ihn in schmutzigen Spelunken , und flüchtig auf einer Landstraße , und betrunken in einer Spielhölle , und als Bettler auf einem Jahrmarkt und als Angeklagter vor der Justiz . Den Vorsatz , so lange zu warten , bis der Entartete vor aller Welt gebrandmarkt war , hatte er aufgegeben . Seine Ungeduld , Frieden zu finden , die Larven abzuwerfen , nichts mehr zu wissen von den Verstrickungen , Verstellungen und dem gewohnten Wohlleben war so groß , daß er dem Tag , der ihn erlöste , wie einer Neugeburt entgegensah . Doch warum zögerte er ? War noch ein Zweifel in seiner Brust , schlummerte vielleicht ganz in der Tiefe seines Herzens , wohin Bitterkeit und Rachsucht nicht dringen konnten , ein anderes Bild des Sohnes ? Warum zögerte er von Woche zu Woche , von Monat zu Monat ? Inzwischen hatte er viele Hunderttausende für Armenhäuser , Spitäler , Stiftungen und Spenden ausgegeben . Er wollte noch Millionen verteilen , so viel jedenfalls , daß den Erben nur die Ährenlese blieb . Die Nutznießerin der Brauereibetriebe und der Landgüter sollte Emilie werden . Dies stand fest , und als ihm seine Frau berichtet hatte , in welcher Lage sich Eberhard befand , hielt er sich für berechtigt , seine Verfügungen zu treffen . Der Nachweis unwürdigen Wandels konnte jetzt erbracht werden ; die Schuldenlast , die leichtsinnig oder betrügerisch auf den Namen des Vaters gehäuft war , verurteilte ihn zur Genüge . Und wenn nicht , mochten sie über seinem Grab zanken ; mochte ihnen sein letzter Wille als Gespenst alle Freuden vergällen . Seit sieben Jahren lag der Testamentsentwurf bereit ; es war nichts weiter erforderlich , als den Notar rufen zu lassen . Aber warum zögerte der Freiherr ? Ging mit verkniffenen Lippen Tag und Nacht in seinem Zimmer umher ? Rief seinen Diener , um ihm zu befehlen , den Notar zu holen und verlangte dann irgend etwas anderes ? » Dépêche-toi , mon bon garçon , « krächzte der Papagei . 3 Im Lauf dreier Tage hatte die Freifrau fünf Unterredungen mit ihrem Gatten . Er schlug ihre Bitte , die Verhältnisse des Sohnes zu regeln , jedesmal rundweg ab , und wenn sie immer dringender flehte , verstummte er . Bei dem letzten Versuch , den sie machte , hörten die Dienstleute sie mit leidenschaftlicher Heftigkeit reden . Als sie dann das Zimmer des Freiherrn verließ , gab sie , vor Erregung am ganzen Körper bebend , den Auftrag , daß man ihre Koffer packe und den Wagen anspannen lasse . Eine Stunde später fuhr sie in Begleitung ihrer Zofe auf das sechzehn Kilometer entfernte Gut Siegmundshof . Sie fand dort jedoch keine Ruhe , ging bei Tage , dumpf vor sich hinjammernd , durch die Zimmer und lag des nachts schlaflos . Am vierten Tag kehrte sie in die Stadt zurück , ließ den Wagen bis vor das Haus des Grafen Urlich fahren und schickte den Kutscher hinauf , um die Gräfin zu holen . Emilie kam und fragte erschrocken nach dem Begehren der Mutter . Die Freifrau wünschte , daß ihre Tochter sie zu Herrn Carovius begleite , dessen Wohnung sie aus dem Adreßbuch erfahren hatte . Herr Carovius hatte umsonst auf die Nachricht gewartet , die ihm die Freifrau versprochen . Der Ärger übermannte ihn , er beschloß , ein Exempel zu statuieren und betrat das Auffenbergsche Haus wie die strafende Gerechtigkeit in Person . Als ihm gesagt wurde , daß er nicht vorgelassen werden könne , begann er wieder Skandal zu machen , die ganze Dienerschaft lief herzu , schließlich kam sogar ein Polizist , der ihn zur Rede stellte , der Portier drängte ihn aus dem Torgang , und er stand in dem Menschenauflauf vor dem Haus mit bloßem Kopf und fuchtelnden Armen , ein Bild der Wut . Alsbald bekamen die stillen Hintermänner Wind von seinen vergeblichen Versuchen , die Bezahlung der Schuld zu erlangen . Sie wurden besorgt , rannten Herrn Carovius die Türen ein und betrauten schließlich einen Advokaten mit der Führung des Prozesses . Herr Carovius hatte mittlerweile durch einen Späher Kunde erhalten , daß es zwischen dem Freiherrn und der Freifrau zum Bruch gekommen , daß die Freifrau bei Nacht und Nebel geflohen sei und unter den Dienstleuten und Freunden des Hauses große Bestürzung herrsche . Ein wollüstiges Leuchten huschte über sein Gesicht . Niederlage und Verzweiflung ; Heulen und Zähneklappern ; Besseres konnte er sich nicht wünschen . Er erschien sich als der Vertilger der gesamten Aristokratie , und wenn es schon ein beglückendes Grauen ist , das zerstört zu sehen , was man verachtet , um wie viel mehr erst , was man liebt und bewundert . In dieser Stimmung trafen ihn die Freifrau und ihre Tochter . Der Anblick der beiden Damen beraubte ihn der Sprache . Er vergaß , zu grüßen , er dachte nicht daran , sie ins Zimmer zu bitten . Die Freifrau wollte wissen , wo sich Eberhard befand . Sie war entschlossen , zu ihm zu reisen . Als ihr Herr Carovius stotternd mitteilte , der junge Freiherr wohne kaum dreihundert Schritte von hier , fing sie an zu zittern und lehnte sich kraftlos an die Mauer . Darauf war sie nicht gefaßt gewesen . Sie hatte sich immer vorgestellt , Eberhard weile an einem geheimnisvollen Ort in geheimnisvoller Ferne . Herr Carovius machte sich sogleich anheischig , die Damen hinzuführen , aber die Freifrau erklärte plötzlich , sie fühle sich nicht fähig , es werde vielleicht ihr Tod sein . » Bring mich zu dir nach Hause , « flehte sie