langes Schweigen war , während auf dem Herd das kleine Feuer in Glut versank . Plötzlich sagte der Bub wie mit erwürgtem Schrei : » Allweil muß ich denken an ihn . « » Sorg brauchst du um den Bauren nit haben . « Malimmes lächelte . » Mit der Sonn ist der Herzog in Piding . Und alles ist gut . Da sind die Feindlichen und die Bayrischen einander gleich , nehmen Vernunft an und reden den Frieden aus . « » Wenn ich seh , wie ruhig du bist , kann ich auch wieder schnaufen . « » Gelt ja ? Und komm , trink wieder ein Schlückl ! « Malimmes hob dem Buben die Schale an den Mund . Als er sie wieder auf den Schemel stellte , fragte er : » Denkst du neben dem Bauren nit auch noch an wen ? « Nach einer Weile die leisen Worte : » Wohl ! An unsere Leut ! « » Ich hab mir eh gedacht , daß du an die nit vergessen wirst . « Wieder ein langes Schweigen . Dann umklammerte Jul die Faust des Malimmes . » An alles , wie ' s gewesen ist am Abend , kann ich mich nimmer besinnen . Aber eins ist allweil in mir . Allweil hör ich einen Namen . Aschacher , Aschacher , Aschacher ! Hast du den Namen nit auch gehört ? Gestern ? Beim See von Waging ? Aschacher , Aschacher , Aschacher ! So hat in Schmerzen ein Mensch geschrien , ich weiß nit , wer . « Malimmes schüttelte den Kopf . » Ohren hab ich doch auch . « Tiefer Ernst war in seiner ruhigen Stimme . » Nein , Bub , das mußt du geträumt haben . « Leis sagte Jul : » Kann sein . Weil ich an den Namen Hartneid Aschacher allweil denken muß , derzeit ich ein Kind gewesen . « Er atmete schwer und schloß die Augen . Die Schmeerkerze in der Laterne hatte einen dicken Räuber und brannte trüb . Aber die Kohlen glühten . Und in diesem rötlichen Dunkel sah Malimmes die Tränen , die von den geschlossenen Lidern des Jul herunterkollerten über das strenge Knabengesicht . Schweigend erhob sich der Söldner , holte von der Fensterbank den zierlichen Helm mit den geknickten Reihergranen , mit der schweren Dulle und dem aufgezwickten Stirnblech - und stellte ihn neben das Kissen des Buben hin . Jul fuhr auf . Doch er schwieg . Nur die großen , erschrockenen Augen fragten . » Weißt « , sagte Malimmes , » ich stell ihn bloß her . Sonst tust du dich am End wieder sorgen drum . « Er nahm die Laterne vom Nagel , setzte sie auf den Boden hin und holte sein Wams . » Jetzt geh ich schlafen . Gut Nacht , Gesell ! « » Schlafst du nit in der Stub ? « » Die Bäurin gibt mir die Sohnkammer . Da lieg ich besser . « Er wollte in sein Wams schlüpfen , zog den Arm wieder heraus , ging auf das Lager zu , rüttelte an dem groben Linnen seines weitfaltigen Hemdärmels und sagte vorwurfsvoll : » Weil du allweil so ungläubig bist - da , greif her - ist das ein Weibsbilderpfaid , oder ist das ein Mannsbilderhemd ? « Ein Laut , kaum hörbar : » Geh , du ! « Und schweigend drehte Jul das Gesicht auf die Seite . » Also ! « Malimmes warf das Wams über die Schulter , griff nach der Laterne und nahm den Bidenhänder aus der Stube mit hinaus . Sobald die Türe geschlossen war , zog Jul mit hastigem Griff das übel zugerichtete Eisenhütel bis dicht an die Kissen her , ließ die Hand auf ihm liegen und schloß die Augen . Er schlief bereits , als Malimmes - der noch im Stall gewesen und über die finstere Straße hinausgelauscht hatte - vor der Stubentüre sein Strohlager aufschüttete . Der Söldner hatte eine unruhige Nacht . Wenn ihn die Sorge nicht weckte , machte ihn das Blutpochen an seiner schwärenden Wunde munter . Auf dem Hinterkopf konnte er nimmer liegen ; da spürte er jeden Strohhalm wie ein Messer . Noch unbehaglicher war ihm das Liegen auf dem Bauch . Als der Morgen nur ein bißchen zu grauen anfing , stand er auf und hielt den Kopf zehn Vaterunser lang unter den Brunnenstrahl . Dann musterte er den Pack , in dem die Bäuerin das neue Wehrzeug für den Buben aus des Herzogs Rüstkammer gebracht hatte . Die Bäuerin hatte kein so gutes Augenmaß bewiesen , wie es Malimmes besaß . Am übelsten gefiel ihm der plumpe Küraß . » Gotts Teufel , da wird der Bub drin ausschauen wie ein Häslein im Wolfsmagen . « Lautlos hob er das Rüstzeug durch das Fenster in die Stube hinein , auf die Mauerbank und drückte den Laden wieder zu . Während aus dem niedrig hängenden Graugewölk ein kühles Nebelreißen herunterging , trieb Malimmes den Gäulen die Starrheit aus den Gelenken . Er führte sie an den Halftern auf der Straße hin und her , zuerst im Schritt , dann ließ er sie traben und galoppieren . Es ging . Wieder in den Stall . Er legte das Sattelzeug auf die Gäule . Wo er sie anrührte , schütterten sie mit der wehleidig gewordenen Haut . Und immer ließen sie die Wunden zittern , um die Fliegen von den Blutkrusten zu scheuchen . Zuerst ritt Malimmes den Falben . Als er auf der Straße schon ein paarmal gewendet hatte , verhielt er plötzlich den Gaul und spähte scharf in die hell gewordene Ferne . Im Galopp zur Haustür hin , ein Schwung aus dem Sattel , ein Griff nach dem Bidenhänder , wieder auf den Gaul , der Straße zu - und jetzt , mit dem Eisen in der Hand , jetzt glaubte Malimmes seinen Augen . Die Reiter , die da geritten kamen