großen Winnetou , seinen weißen Bruder in dieses Haus zu leiten . Die Seele , die hier erwacht , braucht Schutz und Schirm vor ihrem eigenen Volke . Sie hofft auf euch , auf euch ! « Siebentes Kapitel Kämpfe Der Mount Winnetou liegt im südlichen Winkel zwischen Arizona und Neumexiko . Die dortigen freien Indianer erkennen keine Regierung über sich an . Das » Komitee des Denkmales für Winnetou « war so pfiffig gewesen , sich an den Vereinigten-Staaten-Kongreß zu wenden , und hatte die Erlaubnis erhalten , » am Mount Winnetou eine Stadt namens Winnetou anzulegen , dem einstigen Häuptling der Apatschen dort ein Denkmal beliebiger Höhe und beliebigen Umfanges zu setzen und alle Einrichtungen zu treffen und alle Bauten vorzunehmen , die zur Erreichung dieser löblichen Zwecke nötig sind . « So lautete die Genehmigung , welche der betreffende Delegierte ihnen erwirkte . Hierauf hin hatten sie ihr Werk begonnen , ohne sich um die Traditionen und Rechte Anderer zu bekümmern . Die Stämme der Apatschen waren leicht gewonnen , weil es sich angeblich um ihren Liebling Winnetou handelte . Auch einige Komantschenstämme dazu , denn Apanatschka war ja der Häuptling der Kanean-Komantschen . Einen Häuptling , auf den alle Stämme der Apatschen hörten , gab es seit Winnetou nicht mehr , und was den alten Tatellah-Satah betraf , dessen Einfluß sich über alle roten Stämme erstreckte , so war er zwar nicht zu bewegen gewesen , in das Projekt zu willigen , aber Old Surehand und Apanatschka glaubten , daß es ihnen doch noch gelingen werde , ihn auf ihre Seite hinüber zu ziehen . Sie rechneten hierbei auf den Zwang der Tatsachen , der unwiderstehlich ist , und begannen also , zu schaffen und zu bauen , ohne seine Einsprüche zu beachten . Ein jeder seiner Einwürfe wurde mit der allerdings sehr wahren Behauptung zurückgewiesen , daß man die Genehmigung des Kongresses habe und eine höhere Autorität nicht anerkenne . Old Surehand und Apanatschka waren nicht mehr die Indianer resp . die Westmänner , als die ich sie vor Zeiten kennen gelernt hatte . Sie waren infolge ihrer Reichtümer und weit verzweigten Geschäftsverbindungen hoch über ihre früheren Anschauungen und Verhältnisse hinausgewachsen . Sie gehörten innerlich schon längst nicht mehr zu den Roten , sondern zu den Weißen . Dafür , daß der Indianer in jedem Augenblicke bereit ist , für seine rote Farbe zu sterben , war ihnen das Verständnis abhanden gekommen . Sie wollten mit ihrem Projekte ein » Geschäft « machen , und sie wollten ihre Söhne zu einer Berühmtheit emporschrauben , aus welcher immer neue Reichtümer zu schöpfen waren . Aber Tatellah-Satah war nicht der Mann , der auf das , was er für richtig hielt , so leicht verzichtete , wie sie dachten . Er wich zunächst dem Zwange , aber nur scheinbar . Er konnte sie nicht hindern , den Wasserfall in elektrische Drähte zu fesseln , den Wald durch Steinbrüche zu entweihen und eine Menge roter Arbeiter herbeizuziehen , die sich ganz gewiß nicht hierzu hergegeben hätten , wenn sie nicht von ihren Stämmen ausgestoßenes Gesindel gewesen wären . Aber er sandte zu den Mescaleros , den Llaneros , den Jicarillas , den Taracones , den Nawachos , den Tschiriguais , den Pinalenjos , den Kojoteros , den Gilas , den Lipans den Mimbrenjos und den Kupferminenindianern . Das sind lauter Apatschenstämme , welche den » Bewahrer der großen Medizin « als den bedeutendsten Mann ihrer ganzen Rasse verehren . Er ließ ihre Häuptlinge kommen . Er sprach mit ihnen . Er erklärte ihnen , daß es sich hier weniger um die Ehrung ihres Winnetou , als vielmehr um eine Ehrung Young Surehands und Young Apanatschkas handle und überhaupt um ein ganz gewöhnliches Geschäft . Es gelang ihm sogar , ihnen klar zu machen , daß es eine Versündigung an Winnetou , dem in jeder Beziehung Bescheidenen , sei , ihn auf ein so laut hinausschreiendes Piedestal zu heben . Er bewies ihnen , daß dies den Untergang ihres Volkes nicht verzögern , sondern nur beschleunigen könne , weil es die anderen Stämme neidisch gegen die Apatschen reize . Kurz , er erwirkte sich bei den Häuptlingen einen durchschlagenden Erfolg und schickte sie zu ihren Leuten zurück , um nun ihrerseits auf diese einzuwirken . Der Clan der » Winnetous « war bereits gegründet ; der wirkte mit . Die eigentliche , offene Aktion gegen das Stadt- und Denkmal-Komitee verschob Tatellah-Satah auf die Zeit der großen Meetings , die am Mount Winnetou abgehalten werden sollten . Diese Zeit war nun fast nahe . Er wollte zunächst sondieren . Er mußte wissen , wer von den Häuptlingen für und wer gegen das Projekt war . Doch hatte er sich bis jetzt noch niemandem gezeigt . Er war auf seinem » Schlosse « verborgen geblieben und heute zum ersten Male seit langer Zeit herabgekommen , um mich zu sich hinaufzuholen . Das erzählte er uns während des Mittagessens , zu dem er uns geladen hatte . Es fiel ihm dabei gar nicht etwa ein , diese streitigen Dinge zu beklagen . Sein Blick war scharf und weitschauend . Er erkannte sehr wohl , daß es fast nur allein auf ihn ankam , die gegenwärtigen Verhältnisse zur Basis einer neuen , hoffnungsreichen Zukunft auszugestalten . Ein derartiges Zusammenströmen aller Arten von Indianern wie jetzt war wohl in Jahrhunderten nicht wieder zu erwarten , ganz abgesehen davon , daß diese Rasse überhaupt zu verschwinden hatte , wenn es nicht jetzt gelang , ihr neues , inneres Leben einzuhauchen . Darum war er fest entschlossen , diese Gelegenheit beim Schopfe zu fassen und der erwachenden Seele seiner Rasse eine breite Bahn zu schaffen . Die Eigenschaften , welche hierzu nötig waren , besaß er wohl alle , außer einer einzigen . Ich meine die initiative Offenheit , die aggressive Ehrlichkeit . Die besitzt der Indianer nicht . Er hat sie besessen , gewiß ; aber sie ist ihm im Umgange mit den niemals worthaltenden