, wo sind sie ? Auch Tilly , Pappenheim am Waffenhandwerk gestorben . Der reichste aller Gekrönten gar , Friedlands Herzog , so die Kurfürsten und selbst die kaiserliche Majestät von sich dependieren ließ , dieser Abgott der Soldateska , dem die Göttin Viktoria verlobt schien , dieser Cäsar , reißend wie ein Bär und listig wie ein Fuchs , - schändlich ward er umgebracht wie ein zahnloser Hund . Vorüber , vorüber ! Schließlich du , mein armer Hans Ulrich - wie mag nun dein Schicksal verlaufen sein ? Schreckensposten durchliefen das Gebirge . Erst raunte man , gefoltert sei der Freiherr . Dann hieß es , zu lebenslänglicher Einkerkerung sei er nach Wien transportiert . Zuverlässige Kunde war nicht herauszubringen . » Wo bleibet der Trompeterhansel ? « seufzete ich . » Wenn doch der Schatz der Abendburg wenigstens seinem rechtmäßigen Eigentümer , dem Grundherrn , ein Gutes brächte , ihm zur Flucht aus dem Kerker verhelfend ! Sollte denn nicht ein einziger Segen vom Golde ausgehen können ? « - Seltsam , es kam und kam kein Trompeterhansel , selbst kein Gerücht über ihn . Einmal im Regensturm , als mir beim Stöhnen des Waldes die allgemeine Vergänglichkeit das Herz abdrücken wollte , war es mir , als trabe durch den Nebel ein Reiter daher . Doch war ' s nur Spuk ; eine schwarze Krähe flog vorbei , und im Bache polterte hohl ein losgerissener Stein . Im Regengeprassel , im Windesrauschen - Vorüber , vorüber - Immer dem einen nur muß ich lauschen : Vorüber ! Wie düstere Pilger die Wolken ziehn Vorüber , vorüber . Wirbelnd des Waldbachs Wellen fliehn Vorüber . Aus kahlen Wipfeln hör ich es stöhnen : Vorüber , vorüber ! Schaurig ein Echo im Herzen höhnen : Vorüber ! Da hab ich gehastet , hoffend geharrt - Vorüber , vorüber ! Fiebertraum hat mich gehetzt und genarrt . Vorüber ! Wie Wasserwirbel mein Leben zerstieben , Vorüber , vorüber . Treu ist mir nur das eine geblieben : Vorüber . Hei , meine Geschwister Regen und Wind , Vorüber , Vorüber ! Bin ja wie ihr des Irrwahns Kind - Vorüber ! Einen Reiter seh ich in Wolken traben ; Bist du ' s , Vorüber ? Den hagern Rappen umflattert von Raben - Vorüber . Nun , dunkler Ritter , willkommen , Tröster , Du herbes Vorüber ! Mich dünkt , ich werde noch dein Erlöster , Vorüber . Wir stürmen ein Weilchen noch um die Wette , Vorüber , vorüber - Und trotten zuletzt an ein friedlich Bette - Vorüber . Da wirst du die Morgenfanfare blasen , Mein Heiland Vorüber : » Träumer , nun ist dein Reiten und Rasen Vorüber . Nur immer ins Weite langte dein Hasten : Vorüber , vorüber ! So ward dein Leben ein einzig Fasten - Vorüber . Was du im Weiten nicht fandest , die Ruhe - Vorüber , vorüber - Hat Raum genung in der schwarzen Truhe . Vorüber ! « Als ich am Sonntagmorgen zur Stelle kam , wo ich zuvor meine Predigten gehalten hatte , fand ich die Leute um einen Mann gedrängt . Ich erschrak ; denn das war der Trompeterhansel und war ' s auch wieder nicht . Dem feurigen Reiter von früher glich er nicht anders als dürres , halbverbranntes Holz dem grünen Eichbaum . Erloschen waren ihm die Augen , ausgehöhlt und fahl die Wangen , schwach alle Glieder , zerlumpt die Kleider . Auf dem Steine blieb er sitzen , als ich in den geöffneten Kreis der Leute trat , bot mir trüben Blickes die Hand und brachte kaum die Worte hervor : » Ich kann halt nichts dafür ... « . In Weinen brach er aus , und ich fragte die Leute : » Was ist geschehen ? « - » Enthauptet - enthauptet - haben sie unsern gnäidgen Herrn « , lautete eines Schreiberhauers Antwort . Der Trompeterhans nickte , es bebeten seine Lippen , und nachdem er etliche Fassung errungen , kam unter Ächzen und Husten folgender Bericht heraus : » Meine Brust ist krank - es verschlägt mir den Odem - eine Kugel sitzt innen . Wegelagerer haben sie mir zwischen die Rippen gejagt , die feigen Schelme ! Vor Regensburg war ' s , dicht an meinem Ziele mußt ich einbüßen , womit ich unsern Herrn hätte retten können . Ausgeraubt haben mich die Mausköpfe , daß ich halbtot und splitternackt im Walde gelegen bin . Endlich las mich ein reisender Edelmann auf , führte mich im Wagen nach der Stadt und ließ mich von seinem Arzte kurieren - soweit die Kur meiner zerfetzten Lunge noch angedeihen konnte . Da mein Wohltäter , begütert in Polonien , nicht zu den Parteigängern des Wiener Hofes gehörte , durfte ich ihm anvertrauen , daß ich des Herrn Schaffgotsch Befreiung habe betreiben wollen . Braver Diener , sagte der Polnische , als ich vom Krankenbette aufgestanden war - zwar nicht zur Befreiung des Gefangenen mag ich Ihm verhelfen , doch dazu , daß er Seinen armen Herrn ein letztes Mal sehen und sprechen kann . Dahin gehet auch der Wunsch des Herrn Schaffgotsch , den ich heimlich habe informieren lassen . Eile aber tut not , denn schon zimmern sie am Blutgerüst . - Ich erschrak und konnte nicht fassen , wie es so weit habe kommen können . - Ach ja , guter Trompeter - sprach der Polnische - die Wiener Politici brauchen einen gerichteten Anhänger der Friedländischen Partei , um den Meuchelmord zu Eger als eine Vollstreckung Rechtens erscheinen zu lassen . Den höfischen Tonangebern gefügig , hat nun das Kriegsgericht Herrn Schaffgotsch für schuldig erklärt , durch Verschwörung mit dem Friedländer Sedition begangen und die Kaiserliche Majestät hochverräterisch verletzt zu haben . Das Haupt vor die Füße wollen sie ihm legen und warten nur noch die kaiserliche Bestätigung des Todesurtels ab , so stündlich aus Wien eintreffen kann . - Als mir diese Schreckenskunde kam , schrieb